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Auf Zeitreise mit den Kunstfreunden

Auf Zeitreise mit den Kunstfreunden

Regelmäßig unternimmt der Kunst- und Museumsverein „Zeitreisen“. Diesmal gab es eine besonders spannende Begegnung: Otto Modersohns Enkelin empfing die Wuppertaler.

Wuppertal. Woran erkennt der geneigte Betrachter, dass sich Wuppertaler Kunstfreunde auf einer „Zeitreise“ befinden? Am Staunen norddeutscher Museumsführer. Denn die müssen sich in Acht nehmen und warm anziehen, wenn Wuppertaler im Anmarsch sind — nicht nur, weil es im hohen Norden am vergangenen Wochenende mitunter stürmisch zuging.

Es gab auch leichten Gegenwind von 24 regenerprobten Kunstkennern aus dem Bergischen Land. Höflich korrigierten sie einzelne Jahreszahlen, halfen weiter, wenn einer Führerin ein gesuchtes Datum nicht sofort einfiel, oder stellten kritische Fragen zur künstlerischen Entwicklung von Paula Modersohn-Becker, die es immer wieder aus der kleinen Gemeinde in die Großstadt — aus Worpswede nach Paris — gezogen hatte.

Eine Art „Gegenbewegung“ startete eine Delegation des Kunst- und Museumsvereins (KMV): Ihr Hauptziel war das Künstlerdorf Worpswede. Mit Schirm, Charme und Fachwissen wandelten die Kulturfreunde auf den Spuren von Otto Modersohn und Heinrich Vogeler. Ihr Weg führte von der Historischen Stadthalle per Bus Richtung Norden — nach Fischerhude, Worpswede, Bremen und Bremerhaven.

Für Museumsführer, die wohl selten eine derart interessierte Truppe vor Augen haben, war es ein ganz besonderes Erlebnis — und auch ihre Zuhörer aus Wuppertaler staunten. Denn eine, die garantiert jede Lebensstation von Otto Modersohn (1865-1943) fehlerfrei im Kopf hat, ist Antje Modersohn. Die Enkelin des Landschaftsmalers erzählte aus erster Hand, was ihren Großvater bewegt hatte: „Zeichnungen waren für ihn das Wichtigste. Ein Maler müsse wie ein Musiker täglich üben, sagte er immer. Ein Maler müsse täglich zeichnen.“

Heinz Theodor Jüchter, Reiseführer, über den abschließenden Abstecher nach Bremerhaven.

Ein Credo, das nicht ohne Folgen blieb: „Wir haben hier einen riesigen Kulturschatz — allein mehr als 20 000 Zeichnungen“, schwärmte die Enkelin im Otto-Modersohn-Museum, das im beschaulichen Fischerhude zu finden ist — idyllisch gelegen in der Wümme-Niederung.

Nicht nur dort waren die Aussichten wahrhaft malerisch: Im Worpsweder Haus im Schluh folgte die kunstbegeisterte Gruppe den Spuren von Martha und Heinrich Vogeler. Wobei es ein weiteres Zeichen dafür gibt, dass die Museumsfreunde neben einem geballten Wissen auch einen langen Atem haben: Sie lassen sich selbst von Windstärke acht nicht aus der Ruhe bringen. Auch nach der Schifsstour von Bremen-Vegesack ging ihnen deshalb nicht die Puste aus: Ohne Pause ging es vom Auswandererhaus direkt ins Klimahaus.

Nach drei „vollgepackten“ Tagen nahmen sie mit vielen neuen Eindrücken Kurs auf die Heimat. Nur eines fehlte im Gepäck: Adolf Erbslöhs „Schwebebahn“-Gemälde von 1912 hätte Reiseführer Heinz Theodor Jüchter am liebsten aus der Kunsthalle Bremen nach Wuppertal „entführt“.