Chorkonzert: Paulus berührt die Seele der Zuhörer

Chorkonzert: Paulus berührt die Seele der Zuhörer

Chor, Sinfoniker und Solisten überzeugen in der Wuppertaler Stadthalle.

Elberfeld. „Der wandelt sich vom Saulus zum Paulus“, sagt man, wenn ein Mensch einen totalen Sinneswandel vollzieht. Und: „Es fiel ihm wie Schuppen von den Augen“, wenn jemand plötzlich eine Erkenntnis hat. Allzu menschlich ist die biblische Geschichte, die Felix Mendelssohn Bartholdy in seinem Oratorium „Paulus“ von Saulus erzählt, der sich vom fanatischen Christenhasser zum Gesandten Gottes, dem Apostel Paulus, wandelt, nach dreitägiger Blindheit sehend wird und sich taufen lässt.

Der Chor der Konzertgesellschaft Wuppertal (Einstudierung Marieddy Rossetto), das Sinfonieorchester Wuppertal und Solisten hatten sich am Pfingstmontag des mehr als zweistündigen Werks angenommen. Mendelssohn schrieb es im Alter von 27 Jahren und bediente sich barocker Formenstrenge, die er mit romantischer Gefühlswelt anreicherte.

Der groß besetzte Chor der Konzertgesellschaft verwaltete seine zahlreichen Passagen brillant: Sowohl die komplexen fugierten Sätze als auch die schlichten Choräle sang er sicher und schön gestaltet. Dirigent Christof Prick, vom Neujahrskonzert der Sinfoniker noch in bester Erinnerung, legte Wert auf zügige Tempi und wechselhafte Gestaltung — weich, geschmeidig und leise kontra laut, aggressiv und abgehackt, etwa wenn Mendelssohn die Steinigung des Stephanus vertont, die der Paulus-Erzählung voraus geht.

Wild peitschen die Rhythmen, wenn der Chor die nach Mord schreiende Volksmenge gibt. Dirigent Prick gewichtet die Lautstärken genial: Zurückhaltend agieren die perfekt aufspielenden Musiker, wenn die Solisten ihre Auftritte haben.

Kay Stiefermann ist ein überzeugender Paulus, der auch seine Stimme vom zorneswütigen Saulus zum milden Paulus wandeln kann. Jochen Bauer ist der zweite Bass, der als falscher Zeuge auftritt. Marcus Ullmann schlüpft mit klarem Tenor in die Rollen des Erzählers, des Stephanus, Ananias und Barnabas.

Innig und romantisch gelingt ihm die herrliche, vom Cello umrankte Cavatine der Gottesworte „Sei getreu bis in den Tod“. Der Chor setzt mit dem Lobgesang „Lobe den Herrn“ einen klangprächtigen Schlusspunkt. Das Publikum im nicht ganz voll besetzten großen Stadthallen-Saal ist ergriffen und applaudiert den Ausführenden stehend und ausdauernd.

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