Intendant macht ohne Worte Theater

Intendant macht ohne Worte Theater

Christian von Treskow setzt auf Bewegung, zumindest im ersten Teil seines Doppel-Abends.

Wuppertal. Was Schauspiel-Chef Christian von Treskow seiner Nachfolgerin mit auf den Weg nach Wuppertal geben möchte? „Ich wünsche ihr alles Gute. Es wird nicht leicht werden.“ Der Intendant, dessen Vertrag nicht verlängert wurde und der sein Büro im Sommer 2014 räumen muss, spielt auf den Spardruck an — und auf die Tatsache, dass die neue Schauspiel-Leiterin, Susanne Abbrederis, mehr Zuschauer ins Theater locken soll. Genau das war dem 44-Jährigen ja vorgeworfen worden: Vielen ist die Ausrichtung, die er in Wuppertal etablieren wollte, nicht klassisch genug. Ist sein Theater zu modern?

Eine Antwort müssen, können und dürfen seine Gäste am kommenden Samstag selbst geben. Um 20 Uhr steht im Kleinen Schauspielhaus ein weiterer besonderer Theaterabend auf dem Programm: Gleich zwei Stücke auf einmal hat sich der Intendant ausgesucht. Die doppelte Bühnen-Dosis wird in zwei Teilen serviert. Zunächst soll „Das Leben der Ameisen“ — Theater ohne Worte — das Publikum in den Bann ziehen. Nach der Pause ist dann „Der Verwaiser“ — ein pointierter Vortrag — an der Reihe. Ein Kontrast, der in dieser Form selten auf einer Bühne zu erleben ist: Die zwei tragenden Säulen des schauspielerischen Handwerks, die körperliche Bewegung und der verbale Ausdruck, werden bewusst neben- beziehungsweise hintereinander gestellt.

„Ich wollte seit langem mal wieder eine Arbeit machen, die auf Bewegungstheater beruht“, erklärt der Regisseur, der das eigene Handwerk in Berlin gelernt hat. „Ich habe mich während des Studiums intensiv mit russischem Bewegungstheater beschäftigt.“ Mit seinem Ensemble habe er beim Körpertraining regelmäßig experimentiert. Noch nie jedoch ging er so weit, aus dieser Faszination einen öffentlichen Schwerpunkt zu machen.

Dass nun im Kleinen Schauspielhaus Theater ohne Worte gemacht wird, ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn eine Hälfte des Programms ist für das genaue Gegenteil — die Sprache — reserviert. Der Reiz liegt in der Verbindung, wie Christian von Treskow eindeutig zweideutig betont. „Man muss es einfach gesehen haben“, findet der Intendant, dem es — passend zum Thema — nicht ganz leicht fällt, seine Pläne in Worte zu fassen. „Der erste Teil ist stumm, aber es ist keine Pantomime.“

So treffen 14 Schauspiel-Studenten aus Köln auf zwei Ensemble-Profis aus Wuppertal: Für bewegende Momente sollen die jungen Darsteller gemeinsam mit Marco Wohlwend und Heisam Abbas sorgen. Eine Annäherung an das Thema versucht auch Christian von Treskow: „Es sind keine Tänzer, die auf der Bühne stehen. Aber es ist schon durchchoreografiert. Es ist etwas dazwischen.“ Was ihn überhaupt am Bewegungstheater fasziniert? „Das man den Ausdruck ohne Sprache findet. Die Sprache ist im Theater das Muster auf der Butter — das, was dazukommt.“ Ob er es schafft, das zweigeteilte Bühnen-Rezept mustergültig abzuschmecken, zeigt sich am Samstag.

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