„Es ist gut, in Wuppertal ein Norweger zu sein“

„Es ist gut, in Wuppertal ein Norweger zu sein“

Nach der Uraufführung von „Neues Stück II“ wird im Theaterfoyer gefeiert. Botschafter freut sich, dass es bald in Oslo gezeigt wird.

Irgendwie hatte es den Anschein, als sei allen ein Stein vom Herzen gefallen. Der Minutenlange Applaus nach der Uraufführung von „Neues Stück II“ im Opernhaus war der Prolog zu einem vielstimmigen Loblied später auf der Premierenfeier. An diesem Samstagabend ging es um nicht weniger als um die Zukunft des Tanztheaters Pina Bausch. Es ging um die Zukunft eines Ensembles, das seit fast 50 Jahren Tanz- und Theaterfreunde in aller Welt in Atem hält.

Unter der Leitung von Adolphe Binder suchen die Tänzerinnen und Tänzer jetzt nach der Linie, die sie durch die nächsten Jahre und Jahrzehnte führen soll. Alles spricht dafür, dass diese Orientierung gefunden wurde. Dabei half das „Neue Stück I“ des griechischen Regisseurs Dimitris Papaoiannou und vielleicht mehr noch am Samstag das Werk des jungen Regisseurs Alan Lucien Øyen.

Wie bedeutend der Abend auch für das kulturelle Leben von Øyens Heimatland gewesen ist, belegte die Anwesenheit des Botschafters Petter Ölberg. „Heute ist es gut, ein Norweger in Wuppertal zu sein“, sagte er und wandelte ein norwegisches Sprichwort leicht ab. Das Publikum sei Zeuge einer Uraufführung geworden, und er freue sich, dass seine Landsleute in Oslo das Stück bald sehen könnten.

Oberbürgermeister Andreas Mucke fand das Stück nach eigenem Bekunden atemberaubend. „Das macht Mut für die Zukunft des Tanztheaters. Und es zeigt, dass wir das internationale Tanzzentrum Pina Bausch brauchen.“ Er dankte dem Ensemble, dem Regisseur und Adolphe Binder.

Weniger als Kulturkritiker, denn von Herzen formulierte Mucke sein Urteil: „Das war klasse.“ Das galt so auch für die kurze, von Schüchternheit und Demut geprägte Rede des gefeierten Gastchoreographen. Seine Worte waren eine einzige Verbeugung vor Pina Bausch. „Ich habe sie leider nicht kennenlernen können, aber ich erkenne sie in jedem von euch“, sagte Øyen. Er bedankte sich bei Intendantin Binder dafür, dass sie „das „Risiko eingegangen ist, einem wie mir diese Aufgabe zu übertragen“.

Wie richtig ihre Wahl gewesen sei, wurde in fast allen Gesprächen bestätigt, die nachher im Kronleuchter-Saal des Opernhauses geführt wurden. Nur sehr vereinzelt gab es Stimmen, denen die 180 Minuten zu wenig Pina Bausch boten, weil sie zu weit weg gewesen seien vom Original.

Doch Lob und Anerkennung überwogen deutlich. Da besprach Stadtdirektor Johannes Slawig mit dem Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Rainer Hoffmann, viele der insgesamt fast 50 Szenen des dreistündigen Stückes. Ein paar Meter weiter plauderte Botschafter Ölberg bei einer Flasche Bier unkompliziert und sympathisch nahbar mit Gästen, und auch die Wuppertaler Intendanten Thomas Braus (Schauspiel) und Berthold Schneider (Oper) zeigten sich tief beeindruckt von dem, was sie zuvor auf der Bühne gesehen und gehört hatten.

Als profunder Kenner des Tanztheaters erwies sich einmal mehr Grünen-Ratsherr Peter Vorsteher, der im permanenten Rauchen der Tänzer auf der Bühne sofort eine Hommage an Pina Bausch erkannt hatte. Die Choreographin war Kettenraucherin. Eine Szene mit Stühlen erinnerte Vorsteher zurecht an das Bausch-Stück Café Müller, wie es vor allem im zweiten Teil des Werkes überhaupt sowohl starke Tanzszenen als auch Anspielungen auf das Gesamtwerk des Tanztheaters gegeben hatte.

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