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Cronenberger Bürgervereine: Herbe Kritik an der Stadtverwaltung

Cronenberg. : Herbe Kritik an der Stadtverwaltung

Das Treffen der Cronenberger Bürgervereine nutzte Rolf Tesche für deutliche Worte.

Die Cronenberger Bürgervereine Küllenhahn, Hahnerberg-Cronenfeld, die Sudbürger und der Cronenberger Heimat- und Bürgerverein (CHBV) hatten erstmals zu einem gemeinsamen Empfang in den prächtigen Festsaal in der Holzschneiderstraße geladen. Und der Erfolg übertraf alle Erwartungen. „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Cronenberger und Gäste kommen würden“, bekannte Ralf Kiepe, Vorstandsmitglied des CHBV, der die Einladungen verfasst und die Einleitungsworte gesprochen hatte.

Zweck der Zusammenkunft sollten das Kennenlernen in angenehmer Atmosphäre und die persönlichen Gespräche zwischen Politik, Verwaltung, Einzelhandel, Industrie, Vereinen und Institutionen im „Dorp“ sein. Der Austausch von Meinungen und Argumenten bei einem Glas und einem schmackhaften Imbiss war das angedachte Programm.

Am Anfang standen die Begrüßungsworte der vier Vorsitzenden der Bürgervereine. Doch während Peter Vorsteher (Sudbürger), Wilfried Kauhaus (Bürgerverein Hahnerberg-Cronenfeld) und Michael Ludwig (Bürgerverein Küllenhahn) sich auf Freundlichkeiten beschränkten, waren Rolf Tesches (Cronenberger Heimat- und Bürgerverein ) Ausführungen erheblich schärfer gewürzt als die delikaten Häppchen auf dem Büffet.

Nachdem er die gemeinsamen Aktivitäten der vier Cronenberger Bürgervereine wie Bürgerbus oder Sponsorenlauf zugunsten des Hospizes genannt hatte und über die Arbeiten des CHBV (Weihnachtsbeleuchtung, Beleuchtung Kohlfurther Brücke, Tombola Werkzeugkiste, Boule, Bänke und Martinszug) gesprochen hatte, gab es herbe Worte an die Adresse der Verwaltung.

Von der fühlten sich die Cronenberger mit ihren in einem sieben Punkte umfassenden Bürgerantrag aufgeführten Problemen allein gelassen. In einem als offenen Brief installierten Schreiben an Oberbürgermeister Andreas Mucke (SPD) hatte Tesche angeführt, dass in den Stadtteilen Wichlinghausen, Oberbarmen, Heckinghausen und in Elberfeld auf der Talsohle Millionen verbuddelt würden, man aber die Steuern zahlenden Bürger auf den Höhen vergesse.

Cronenbergs „Mitgift“
ist verschwunden

„Seit Jahrzehnten wird in Cronenberg nichts geplant oder investiert“, heißt es in dem von Tesche verlesenen Brief, und dass die 1929 bei der Stadtgründung eingebrachte Cronenberger „Mitgift“ wie Rathaus und Stadtsaal vernachlässigt und verkauft worden seien.

Dazu äußerte Tesche, dessen Ausführungen immer wieder von Beifall unterbrochen wurden, den Verdacht, dass man das Schulgebäude an der Berghauser Straße „vergammeln“ lassen wolle, um dann später Zahlen auf den Tisch zu legen, nach denen sich die Sanierung nicht mehr rentabel darstellen lassen würde. Die vielfachen Versprechungen seit 17 Jahren, in Cronenberg eine Sporthalle bauen zu lassen, waren ein weiterer Punkt in der Vorwurfsliste des Vorsitzenden des 126 Jahre alten Heimat- und Bürgervereins.

Dazu prangerte Rolf Tesche an, dass für Verbesserungen der Cronenberger Situation keine Planungsmittel zur Verfügung gestellt würden. „Und ohne detaillierte Planungen können natürlich auch keine Förderanträge gestellt werden“, so die allgemein Zorn erregende Erkenntnis. „Und so passiert weiter rnichts.“

Zum Abschluss aber doch etwas Versöhnliches: „Wir haben jetzt bei der Stadtverwaltung eine feste Ansprechpartnerin“, so Tesche, der auch lobend erwähnte, dass für die stark befahrene Hauptstraße eine Querungshilfe in Aussicht gestellt worden sei.

Bürgermeisterin Maria Schürmann hatte sicher schon leichtere Aufgaben, als nach der schonungslosen Bestandsaufnahme Tesches zu sprechen. „Auch ich komme mit leeren Taschen“, erklärte die CDU-Politikerin, war jedoch auch davonüberzeugt, dass der lebendige Stadtteil mit seinen 22 000 Bürgerinnen und Bürgern mehr Aufmerksamkeit durch die Verwaltung verdiene.