Bergische Musikschule gewinnt Klavier und sucht Spender für ein Flügel

Musikschule : Musikschule gewinnt Klavier und sucht Spender für Flügel

Auf der Wunschliste steht ein Steinway für 108 000 Euro. Das Geld soll durch das Programm „88keys“ zusammenkommen.

Er ist auf den Konzertbühnen der Welt zuhause, der Traum jedes Pianisten. Und er soll im nächsten Jahr auch in der Bergischen Musikschule stehen: ein neuer Steinway-Flügel. Jedenfalls wenn es nach dem Willen ihres Leiters Raphael Amend geht. Er holt deshalb das Fundraising-Programm „88keys“ des Instrumentenherstellers ins Haus, das einzige, das den Erwerb eines Flügels über Spenden ermöglicht. Dort steht seit kurzem auch ein schwarzes Essex-Klavier – eine Art Vorbote und ein enormer Glücksfall zugleich.

Alle zwei Jahre treffen sich Vertreter von etwa 400 Musikschulen Deutschlands zur Bundesverbandstagung. Auch eine Wuppertaler Delegation reiste deshalb diesen Mai nach Berlin. Amend wollte sein Vorhaben voranbringen, der Musikschule, die nur wenig Flügel hat, wenigstens zu einem weiteren verhelfen, ohne dabei den klammen Etat zu belasten.

Am Steinway-Stand aber wartete ein Klavier, das über ein Gewinnspiel seinen Besitzer finden sollte. „Wir haben dann alle schnell informiert, dass sie mitmachen“, erinnert er sich. Etwa zwölf Wuppertaler warfen eine Postkarte mit ihrer Adresse in die Glückstrommel. 12 von insgesamt 117. Eine davon war Justyna Mertin, Geigendozentin an der Musikschule. Anfang Juli erhielt sie einen Anruf von Armin Strohmenger. Der Manager Institutional Sales & Projects von Steinway & Sons teilte ihr mit, dass sie das Klavier gewonnen habe.

Im Beethovenjahr soll der neue Flügel eingeweiht werden

Vor zwei Wochen, rechtzeitig zum ersten Unterrichtstag, wurde das Modell „Essex designed by Steinway & Sons“ im Wert von 7000 Euro in die Zentrale der Musikschule im Kolkmannhaus geliefert. In einem Raum im dritten Stock steht das schwarz glänzende Prunkstück, wo es sowohl beim Ensembleunterricht als auch in der musikalischen Früherziehung zum Einsatz kommen soll. Amend freut sich, um den Investitionsstau der Musikschule wissend, riesig, etwa 60 Klaviere hat die Musikschule und nun den ersten Steinway.

Etwa 500 Schüler erlernen an der Musikschule das Klavierspiel. Mit dem Essex haben sie nun ein Instrument, das, so Walther Steindlegger, häufig in Musikschulen zum Einsatz komme. Der Leiter der Steinway Retail Deutschland GmbH in Düsseldorf erklärt, dass sich gutes Klavierspiel durch guten Klang und guten Anschlag auszeichne, weshalb Kinder beides lernen müssten.

Ein Steinway sei ein ehrliches Instrument, das zeige, wo man stehe, über eine hervorragende Farbenvielfalt verfüge, bestätigt Ursula Slawig, Musikschul-Bezirksleiterin in Vohwinkel, aus eigener Erfahrung. „Das muss so klingen, dass die Ohren nicht verdorben werden, gerade beim Einstieg“, plädiert auch Erhard Buntrock, Geigenbauer und Vorsitzender des Musikschul-Förderkreises, für ein solides Instrument.

Fehlt noch der neue Flügel, der erlauben soll, dass ein älterer in einem anderen Unterrichtsraum eingesetzt werden kann. Ein Steinway sei ein einzigartiges Instrument, eine Investition und Anlage mit Wertzuwachs, wirbt Steindlegger. Zudem ein langlebiges Instrument, das seit 166 Jahren in Deutschland gebaut werde. Nur aus Naturmaterialien, wenn man mal die patentierte Gussplatte außer Acht lasse.

Das weiß natürlich auch Rolf Amend, der den Traum mit Hilfe des „88keys“-Programms realisieren will. Ausgewählt wurde ein Modell, das 108 000 Euro kostet (die Modellpalette beginnt bei etwa 80 000 und endet bei mehr als 166 000 Euro). Ein Bestseller im Musikschulbereich, „reinrassiger Konzertflügel“, der extreme Beanspruchung gut aushält und in seiner Größe für die Musikschule passt, erklärt Steindlegger.

Nun werden Paten gesucht, die eine Taste für 1000 Euro kaufen und damit Miteigentümer werden. Raphael Amend hofft, dass alle 88 Tasten binnen eines Jahr erworben werden können: „Wir wollen den Flügel im Beethovenjahr (2020, Red.) einweihen.“ Mit dem Erwerb soll das Engagement des Instrumentenherstellers übrigens nicht enden. Steindlegger: „Der Flügel muss natürlich gepflegt werden, das ist der Beginn einer Partnerschaft.“