Personalie: Rücktritt beim Stadtmarketing

Personalie : Rücktritt beim Stadtmarketing

Lutz Heuser gab nach einem Brief von Bürgermeister Ulli Winkelmann seinen Posten auf.

Vor einer Woche ist Lutz Heuser, zweiter Vorsitzender des Stadtmarketing- und Verkehrsverein Sprockhövel (SVS), von seinem Posten zurückgetreten. Doch das Thema wird bei vielen Sprockhövelern immer noch heiß diskutiert. Stein des Anstoßes, der Heuser zum Rücktritt bewegt haben soll, soll nach seiner Aussage ein Brief von Sprockhövels Bürgermeister Ulli Winkelmann gewesen sein, der ihm jegliche Nutzung städtischer Logos und des Stadtwappens untersagt habe. Ein Rechnungsprüfungsverfahren des EN-Kreises sei der Hintergrund.

„Ich sehe der Prüfung gelassen entgegen. Aber ich bin schon über die Herangehensweise der Stadtspitze speziell in diesem Fall schwer enttäuscht“, sagt Heuser. Schließlich arbeite er mit seinem Team aktuell an der zweiten Ausgabe der Broschüre „Sprockhövel ist mittendrin“ und müsse nun alles noch einmal neu planen. Dass keiner aus der Verwaltungsspitze von der Broschüre gewusst haben soll, verwundert den Betreiber einer Werbeagentur im größten Maße. Hätte der Bürgermeister doch vor einigen Wochen auf dem Neujahrsempfang der Stadt die Broschüre im Taschenformat hochgehalten und dessen Neuauflage angekündigt.

Heuser habe auf Bitten der Stadt – weil diese nicht über das Personal und den notwendigen Etat für das Stadtmarketing verfügte – 2017 erstmals die Broschüre für die rund 1800 Teilnehmer und für die Bürger Sprockhövels auf eigenes Risiko und eigene Rechnung hergestellt. „Man soll ja nicht glauben, dass ich damit Gewinn gemacht hätte“, sagt Heuser, der mit seinem Personal binnen sechs Wochen – auch mit Unterstützung der Stadt – eine Broschüre auf die Beine gestellt hat.

Was den Kreis zu einer Prüfung bewegt hat, mag oder kann keiner genau sagen. Unklar ist auch, ob es zu Irritationen führte, dass Heusers Media Team – und nicht Stadt oder Stadtmarketing – im Impressum des Heftchens stehen. „Dazu gibt es viel Flurfunk. Daran wollen wir uns aber nicht beteiligen, sagt Thomas Schmitz von den Grünen, der es bedauert, dass die „kleine Pflanze“ Stadtmarketing kurz vor ihrem großen Blühen zur 50-Jahrfeier Sprockhövels in so einen Sturm gerät. Schmitz befürwortet aber das Ansinnen von Heuser, der den Fraktionen anbot, sich zu erklären. „Das haben wir schon bei uns in der Fraktion diskutiert und wollen schnellstens einen Termin finden“, sagt Schmitz.

Auch SPD-Chef Wolfram Junge möchte in erster Linie festgehalten wissen, dass es immer schade sei, wenn engagierte Bürger wie Heuser ihre Ämter nicht mehr ausüben wollen. Natürlich werde seine Fraktion nach den Hintergründen fragen. Denn außer den verklausulierten Erklärungen von Lutz Heuser und der kurzen Information von der Stadt habe Junge noch keine genaueren Informationen erhalten.

Für den 1. Vorsitzenden des Stadtmarketings, Michael Ibing, ist Heusers Rücktritt ein immenser Verlust. „Die langjährige Erfahrung und das hohe ehrenamtliche Engagement kann man nur vermissen und es wird uns fehlen“, bedauerte Ibing, der nach eigener Aussage gerne zwischen den Parteien vermittelt hätte. „Nach einer voreiligen Veröffentlichung war das aber nicht mehr möglich“, sagte der SVS-Chef, der aber betonte, dass der SVS weiter handlungsfähig sei.

Verein verliert den Motor
für den Tourismus

Der erste Vorsitzende des SVS kann sich den Eklat nicht erklären. „Ich stelle nur mit dem größten Bedauern fest, dass es da wohl kein Zurück mehr gibt. Mit dem Ausscheiden verliert unser Verein den Motor für den Tourismus.“ Man habe ja in diesem Jahr noch viel vor. Zwei Veranstaltungen blieben jetzt definitiv auf der Strecke: Der Frühschoppen mit Countrymusik im Mai in Haßlinghausen und die Neuauflage der Kaffeetrasse könnten nun nicht mehr durchgeführt werden.

Bürgermeister Ulli Winkelmann war für die Westdeutsche Zeitung am Freitag nicht erreichbar. Wobei das letzte Wort ohnehin noch nicht gesprochen zu sein scheint.

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