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Die Stadtbibliothek Meerbusch hat erstmals Nachwuchs ausgebildet

Ausbildung : Bücher waren schon immer ihr Ding

Lena Küffner hat ihre Abschlussprüfung bestanden und ist damit die erste „Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, Fachrichtung Bibliothek“, die je in der Stadtbibliothek in Meerbusch ausgebildet wurde.

Mehr als 1100 Bücher - die meisten davon sind gebundene Ausgaben. Fantasy. Sie stehen zu Hause in Lena Küffners Regal. Nicht etwa durcheinander, sondern jedes an seinem Platz: katalogisiert nach Reihe, Verlag, Preis und Autor. Dafür hat die 20-Jährige eigens eine Excel-Tabelle angelegt, die sie nach jedem Bücherkauf aktualisiert. „Ich könnte es nicht ertragen, wenn etwa drei Bücher desselben Autors an verschiedenen Stellen im Regal stehen - das tut mir weh“, sagt sie. Und dass die Bücherrücken im Regal eine Linie bilden, ist selbstverständlich. Ob sie ein Bücherfreak ist? „Ja, absolut!“

Deshalb war früh klar, dass auch Lenas Beruf mit Büchern zu tun haben sollte. Mit 17 Jahren hat die gebürtige Niedersächsin ihre Heimat verlassen, um in Meerbusch eine Ausbildung zur „Fachangestellten für Medien– und Informationsdienste, Fachrichtung Bibliothek“ zu beginnen. „Ich habe meine Suche nach einem Ausbildungsplatz bewusst so weit angelegt, weil ich mir immer einen Beruf gewünscht habe, der mir nach vielen Jahren noch Spaß machen würde. Und dafür war ich auch bereit, von Zuhause wegzuziehen.“

Anfangs war das Heimweh oft groß, erinnert sie sich. „Schließlich war einer meiner Brüder gerade mal einen Monat alt. Aber die freundlichen Kunden und die netten Kolleginnen in Meerbusch haben mir den Start leicht gemacht.“ Die netten Kolleginnen waren es nun auch, die Lena zur kürzlich erfolgreich bestandenen Prüfung einen Doktorhut aus Pappe gebastelt und sie mit Blumen als „erste Fachangestellte für Medien– und Informationsdienste, Fachrichtung Bibliothek, die je in der Stadtbibliothek in Meerbusch ausgebildet wurde“, hochleben ließen.

Die mündliche Prüfung
absolvierte Lena mit Bestnote

„Uns war bereits zur Zwischenprüfung klar, dass wir Lena unbedingt übernehmen möchten“, sagt Heike Gennermann, Leiterin der Stadtbibliothek. „Anfangs war sie sehr jung und schüchtern, in den drei Jahren hat sie sich toll entwickelt“, lobt die Ausbilderin. In der Stadtbibliothek gibt es auch immer wieder Tagespraktikanten von den umliegenden Schulen. „Der Nachwuchs ist uns sehr wichtig“, sagt Gennermann, die im September die zweite Auszubildende begrüßen wird. Rund zehn Mitarbeiterinnen gehören zum Team, das für die Büchereien in Büderich, Lank und Osterath zuständig ist. Gennermann erklärt: „Teilweise steht bei uns ein Generationenwechsel an, deshalb ist uns das Ausbilden ein echtes Anliegen.“ Während ihrer dreijährigen Ausbildung durchlaufen die jungen Leute sämtliche Bereiche in der Bibliothek und werden auch in Lank und Osterath eingesetzt. „Die Ausbildung ist anspruchsvoll und überhaupt nicht trocken“, sagt Lena. Zweimal in der Woche stand Unterricht am Berufskolleg in Düsseldorf an. „Wir waren mit 25 Azubis in der Klasse. Dort sind Freundschaften entstanden.“

Mittlerweile genießt es die junge Frau, mit den Lesern ins Gespräch zu kommen und über Bücher zu reden. Und sie ist stolz, dass sie in der Stadtbibliothek Meerbusch früh Verantwortung übernehmen durfte. Das lag auch an ihrer Liebe zu Fantasybüchern. „Wenn Kunden solche Bücher suchen, rufen die Kollegen direkt mich, ich empfehle dann auch gerne Bücher.“ Neben Fantasy mag die 20-Jährige auch Mangas, die japanischen Comics, und alles, was mit Japan zu tun hat. „Im Bereich Manga bin ich mittlerweile für unsere Bestellungen zuständig“, sagt Lena, die privat rund 500 Mangas besitzt und im vergangenen Jahr erstmals in Japan war. Wenn sie mal wieder in Düsseldorf in japanischen Buchläden stöbert, kennt sie keinen Feierabend: „Ich suche auch privat nach Medien, die ich mir für die Bibliothek vorstellen könnte.“

Dass ihre Prüfung so gut laufen würde, hätte sie nicht erwartet. „Vor dem mündlichen Teil hatte ich besonders viel Angst. Aber genau dort habe ich jetzt eine Eins gemacht.“ Unmittelbar danach ist sie zu den Kolleginnen in die Stadtbibliothek gefahren. Dort bekam sie ihren Papp-Hut und unterschrieb gleich ihren Arbeitsvertrag. Seitdem ist sie kein Azubi mehr. „Ich habe dann auch direkt auf meinem Namensschild das Wort Auszubildende abgeschnitten“, sagt sie stolz. Eine Stammkundin hat das sofort bemerkt und gratuliert. „Das war ein tolles Gefühl, da ging mir wirklich das Herz auf.“ Denn das Team, die Klassenkameraden aus der Berufsschule und die Stammkunden sind so eine Art Ersatzfamilie für Lena Küffner. Ihre richtige Familie hat sie nach der Prüfung noch gar nicht besuchen können. „Aber sie haben mitgefiebert und sind stolz, dass ich mich getraut habe, diesen Weg zu gehen.“

Nun freut sich der in Krefeld lebende Bücherfan auf sein erstes Gehalt als ausgebildete Fachangestellte. Was sie damit machen wird? „Ich gehe shoppen.“ Natürlich in einer Buchhandlung.