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Diana Schrader über ihren Alltag als Gleichstellungsbeauftragte in Willich

Gleichstellungsbeauftragte in Willich : „Kümmerin“ hört zu und hilft

Seit März 2019 ist Diana Schrader Gleichstellungsbeauftragte. Zu tun gibt es bei der Gleichberechtigung noch genug, findet sie.

Ihre Zimmertüre im Erdgeschoss des Technischen Rathauses der Stadt Willich im Stadtteil Neersen steht immer offen. Seit März 2019 ist Diana Schrader (51) neue Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Willich. Sie ist Nachfolgerin von Claudia Philipzen, die nun Leiterin der Erziehungsberatung ist, und zieht eine erste Bilanz.

Diana Schrader bringt viel Erfahrung mit. Die Diplom-Verwaltungswirtin war zuvor viele Jahre bei der Stadt Rheinberg in gleicher Funktion tätig. Sie ist Mutter eines 16-jährigen Sohnes und einer 14-jährigen Tochter. Die Liebe war es, die sie nach Willich brachte. „Als dann die Stelle hier ausgeschrieben wurde, hat sich das einfach gefügt“, sagt sie. Auf dem kleinen runden Tisch in ihrem hellen Büro steht eine Schale mit Lutschbonbons. Im Schrank dahinter befinden sich Gläser, Kaffeetassen und Taschentücher. „Hier fließen des Öfteren die Tränen“, sagt Diana Schrader. Sie ist Anlaufstelle, „Kümmerin“, wie sie selbst es bezeichnet, mit einem weiten Aufgabenfeld und relativ großer Unabhängigkeit. „Ich bin thematisch weisungsungebunden, darf eigene Schwerpunkte setzen“, erzählt die Frau mit dem offenen, klugen Blick. Und dass das auch den Reiz ihrer Aufgabe ausmache.

Bei Bewerbungsgesprächen
mit Stimmrecht dabei

Die ist gesetzlich definiert durch das Grundgesetz und das Landesgleichstellungsgesetz NRW. Das gibt ihr innerhalb der Willicher Stadtverwaltung mit rund 900 Beschäftigten nicht unerhebliche Befugnisse. Sämtliche Stellenausschreibungen und Dienstverpflichtungen gehen über ihren Tisch. „Ich achte darauf, dass die gendergerecht formuliert sind“, erklärt sie. „Außerdem bin ich bei sämtlichen Auswahl- und Bewerbungsgesprächen mit eigenem Stimmrecht dabei“, erläutert sie. Ziel sei es, bei gleicher beruflicher Eignung und Befähigung eine paritätische Besetzung von Männern und Frauen in den jeweiligen Entgelt- und Besoldungsgruppen zu erreichen. „Ich finde, da ist die Stadt Willich auf einem sehr guten Weg“, lobt sie ihren Arbeitgeber. Über die fest strukturierten Aufgaben innerhalb der Verwaltung hinaus ist sie Ansprechpartnerin für alle beruflichen und auch privaten Probleme und Fragestellungen.

Und das nicht nur für die 900 Mitarbeiter der Stadtverwaltung Willich, sondern für alle Menschen in Willich – natürlich auch für Männer. Die seien in ihrem Büro aber eher die Ausnahme. Es kommen im Regelfall Frauen zu ihr. Wobei sie den Anteil interner und externer Anfragen etwa gleich hoch einschätzt.

Die sind so vielfältig wie das Leben: Da geht es um Probleme am Arbeitsplatz, mit Kollegen oder Vorgesetzten und um gesundheitliche oder private Schwierigkeiten wie Trennung und Scheidung.

Bei Frauen aus der freien Wirtschaft sind es häufig Probleme der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, etwa wenn nach der Babypause Arbeitszeiten und Kinderbetreuungszeiten nicht zusammenpassen, berichtet Diana Schrader: „Meine Aufgabe ist es, zunächst einmal zuzuhören, Tipps und Hinweise zu geben.“

Sie mache keine Rechtsberatung, könne aber oft Anregungen und Hilfestellungen geben. „Manchmal braucht man einfach jemanden zum Reden“, so ihre Erfahrung. Worauf sich jede und jeder verlassen könne: „Hier ist alles absolut vertraulich.“ Nach ihrem Amtsantritt in Willich im vergangenen Jahr habe sie sich zunächst einmal einfinden wollen, um im Frühjahr 2020 „durchzustarten“.

„Doch dann hat mir Corona so einen richtigen Strich durch die Rechnung gemacht“, bedauert sie. Denn Ideen gibt es viele: „Ich würde gern ein Frauenforum für Willich ins Leben rufen.“ Das soll Fraueninteressen in der Stadt vernetzen.

Etwa zum Thema Angsträume in der Öffentlichkeit oder Benennung von Straßennamen nach Frauen. „Ein Frauengeschichtskreis könnte erforschen, welche interessanten Frauengestalten es in Willich gab“, so eine weitere Idee von Diana Schrader. Zu tun gibt es trotz vieler Erfolge ihrer Meinung nach in Sachen Gleichberechtigung noch genug: „Wir dürfen uns nicht auf dem ausruhen, was unsere Großmütter und Mütter erreicht haben.“