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Preis der Diana vor Geisterkulisse

Galopprennen in Düsseldorf : Preis der Diana vor Geisterkulisse

650 000 Euro sind am Sonntag im 162.Henkel-Preis der Diana auf der Galopprennbahn am Düsseldorfer Grafenberg zu gewinnen. Maximal kann der Besitzer der Siegerin nach 2200 Metern dieses Europa-Gruippe 1-Rennens 390 000 Euro kassieren, wenn er gleichzeitig der Züchter ist.

Entsprechend groß ist die Begehrlichkeit für einen Platz unter den maximal aufgrund der Größe der Bahn zugelassenen 16 Stuten der edlen Rasse Vollblut. Sie ist seit dem Jahre 1700 über 24 Generationen lückenlos auf die drei Stammväter Darley Arabian, Godolphin Barb und Byerley Turk weltweit zurück zu verfolgen ist, etwa 80 Prozent auf Darley Arabian. 26 dreijährige Stuten waren bis zur Starterangabe am Donnerstagmorgen im Aufgebot, zehn schieden aufgrund zu schwacher Vorleistungen nach einem für Laien nur schwer verständlichen System aus.

National die Nummer zwei
nach dem Deutschen Derby

Das Rennen in Düsseldorf ist nach dem Deutschen Derby in Hamburg (am 12. Juli gelaufen) mit 845 000 Euro die Nummer zwei in Deutschland, im Gegensatz zu Hamburg aber international wesentlicher begehrter. Auch diesmal reisen trotz der Probleme mit der Corona-Pandemie mehrere Pferde aus England und Frankreich an. Die letzte Siegerin des Auslandes war 2011 mit Dancing Rain eine Stute aus England. Oftmals haben diese Pferde und ihre Reiter Probleme mit dem ungewöhnlichen Kurs. Wer am Berg vor der letzten Kurve schon Gas gibt, schwächelt oft auf den entscheidenden letzten Metern.

Fünf Mal hat Deutschlands Spitzenjockey Andrasch Starke (46) seit 1996 den auch als „Stuten-Derby“ bezeichneten Klassiker gewonnen. Am Sonntag sitzt der Sieger in 2546 Rennen im Sattel von Kalifornia Queen. Sie gehört dem früher als Berater von Fußballprofis tätigen Lars-Wilhelm Baumgarten, der auch für Wimbledon-Sieger Angelique Kerber die ersten großen Sponsoren-Verträge einfädelte. Mitbesitzer von Kalifornia Queen ist Nick Proschwitz, zuletzt Ergänzungsspieler beim Zweitliga-Aufsteiger Braunschweig.

Das Besondere am Preis der Diana ist auch die Einmaligkeit der Gewinnchance. Nur im Alter von drei Jahren ist ein Start möglich, es gibt keine zweite Chance. Ein Sieg steigert den Zucht-und Verkaufswert extrem, unzählige deutsche Stuten sind in den letzten Jahren hochpreisig (bis zu 500 000 Euro) ins Ausland transferiert worden, bevorzugt nach Australien, wo es etwa 500 Rennbahnen gibt.

In der derzeit üppigen Dotierung ist Düsseldorf dank des Henkel-Konzerns mit der Passion des ehemaligen Aufsichtsrat-Chefs, Galopper-Verbandspräsidenten, Düsseldorf-Vize und langjährigen Spitzen-Tennis-Schiedsrichters Albrecht Woeste (84) seit 2006 wieder der Diana-Veranstalter. Am Sonntag (von 15 bis 17 Uhr live bei Sport1) aber erstmals ohne Zuschauer und VIP-Gäste - nur mit den Trainern und Besitzern.

Ex-DOSB-Präsident Michael Vesper überzeugt die Behörden

Dass es in der Corona-Zeit überhaupt Galopprennen gibt, ist wesentlich einem Schachzug des seit zwei Jahren als Galopper-Verbandschef tätigen, langjährigen DOSB-Chefs Michael Vesper (68) zu verdanken. Das in zahlreichen NRW-Ministerämtern von 1995 bis 2006 unter den Ministerpräsidenten Rau, Clement und Steinbrück tätige Grünen-Gründungsmitglied überzeugte die skeptischen Behörden davon, dass es sich bei Galopprennen keineswegs um schnöde Zockerei auf die Pferde Reicher und Schöner und verwöhnter Damen mit großen Hüten handelt. Nein, es ging doch um Leistungsprüfungen zur Erhaltung und Förderung der Rasse Vollblut im Rahmen des Tierzuchtgesetztes, die zwingend stattzufinden hätten.

Tatsächlich begannen die Geister-Rennen schon am 7. Mai in Hannover, zwei Wochen vor der Fußball-Bundesliga. Vesper ließ ein geschicktes Abstands- und Hygiene-Konzept entwerfen, taufte den schwerfälligen Kölner Dachverband in „Deutscher Galopp“ um und punktet mit dem populären Argument: „Bei uns gibt es im Gegensatz zum Fußball keine Blutgrätschen.“ Gewettet wird seitdem nur über die zahlreichen Online-Schienen, aber mit Umsätzen, die einige Vereine nicht annähernd mit Besuchern erzielt hätten. Darauf hofft auch der Düsseldorfer Präsident Peter Endres. Noch mehr aber auf seine Stute Virginia Joy aus dem Gestüt Auenquelle, das er gemeinsam mit dem „Mann vom Lande“ namens Karl-Dieter Ellerbracke in der Fußball-Regionalliga-Meistergemeinde Rödinghausen betreibt. Das Gestüt Auenquelle ist einer der Bewerber um die Höchstprämie von 390 000 Euro.

Virginia Joy ist wie viele andere der Diana-Starterin nach den seit über 300 Jahre bewährten Prinzipien der Vollblutzucht entstanden: „Paare das Beste mit dem Besten und du bekommst das Beste.“