Friedhof in Anrath Wildblumen statt Gras auf dem Anrather Friedhof

Anrath. · Konrad Klemt hat eine Idee für den Anrather Friedhof, die er an die Stadt Willich und die örtliche Politik herangetragen hat. Doch dort hörte niemand zu. Der Rentner schlägt vor, eine Wildblumenwiese anzulegen.

 Konrad Klemt zeigt die ungenutzte Fläche auf dem Anrather Friedhof, die sich aus seiner Sicht hervorragend für eine Wildblumenwiese eignen würde.

Konrad Klemt zeigt die ungenutzte Fläche auf dem Anrather Friedhof, die sich aus seiner Sicht hervorragend für eine Wildblumenwiese eignen würde.

Foto: Wolfgang Kaiser (woka)

Wenn Konrad Klemt über den Anrather Friedhof geht, am Kolumbarium neben der Leichenhalle stehenbleibt und seinen Blick in Richtung Tannenschonung auf dem benachbarten Grundstück fallen lässt, dann schüttelt der Anrather verständnislos den Kopf. Er blickt über eine nackte Grasfläche, die sich von der Leichenhalle bis zum Zaun erstreckt. Eine Fläche von rund 4800 Quadratmetern, wie der 81-Jährige weiß, da er die Wiese abgeschritten ist. Er findet: Hier könnte eine Wildblumenwiese hin.

„Überall wird den Bürgern klar gemacht, wie wichtig selbst kleinste Flächen für den Umweltschutz sind. Blühstreifen und -wiesen werden vermehrt angelegt. Jeder Bürger soll in seinem Garten etwas für die Insekten und die Natur generell tun. Hier liegt eine wunderschöne große Fläche, die ohne Probleme in eine Wildblumenwiese verwandelt werden könnte. Aber es geschieht nichts“, sagt Klemt. Er weiß, wovon er berichtet. Bereits im Vorjahr wandte sich der Senior an den Geschäftsbereich Stadtplanung der Stadt Willich und fragte nach, ob ein solches Projekt umsetzbar sei. „Ich wurde mit dem Satz vertröstet, man wolle einmal überlegen“, sagt Klemt. Eine konkrete Antwort erhielt er allerdings nie. Auch bei der Politik wurde der engagierte Bürger vorstellig. Bei den verschiedenen Veranstaltungen und Gelegenheiten, bei denen sich die Parteien präsentieren, stellte er seine Idee ebenfalls vor. Doch ob CDU, SPD oder Grüne – Klemt wurde nicht gehört. „Ich finde es einfach nur schade, wie Bürger mit Ideen und Vorschlägen abgebügelt werden“, sagt der Anrather.

Er hat sich etliche Gedanken zu seinem Vorschlag gemacht: Die Grasfläche muss bis dato regelmäßig gemäht werden, was Kosten verursacht. Ein besonders schöner Anblick ist das triste Grün nicht.

Die Kosten für ein Anlegen
einer solchen Fläche sind gering

Eine Wildblumenwiese wäre ein weitaus attraktiverer Blickfang und hätte einen bedeutend höheren ökologischen Wert. Und sollte das Gelände wirklich einmal für die Erweiterung des Kolumbariums benötigt werden, so wäre eine Blumenwiese ebenso schnell, wie sie realisiert werden kann, wieder eliminiert. In der Zwischenzeit aber würde die Wiese eine Nahrungsquelle für die unterschiedlichsten Insekten darstellen. Die Kosten für ein Anlegen einer solchen Fläche sind gering, was auch für die Folgekosten und Pflege an sich gilt. „Für wenig Geld kann man der Umwelt Gutes tun“, sagt der Senior.

Bei den Parteien kann sich niemand erklären, warum der Idee des Anrathers nicht nachgegangen wurde. „Es ist eine tolle Idee, dort eine Wildblumenwiese anzulegen. Ich habe bereits mit der Verwaltung gesprochen und hoffe, dass der Vorschlag auf dem kleinen Dienstweg unproblematisch umgesetzt werden kann“, sagt Bürgermeisterkandidat Christian Pakusch von der CDU. Auch die SPD begrüßt eine solche Anlage. „Jedes Fleckchen zählt“, bemerkt Dietmar Winkels, Bürgermeisterkandidat der SPD. Die Grünen stehen ebenso hinter dem Projekt. „Wobei wir generell überlegen, wie die Friedhöfe noch ökologischer umgeplant werden könnten“, sagt Fraktions-Chef Raimund Berg.

Die Stadt Willich signalisiert ebenso Zustimmung. „Es gab 2017 bereits einen Antrag aus der Politik, die Friedhofserweiterungsflächen gärtnerisch zu gestalten. Dem soll nun in Anrath mit einer Wildblumenwiese nachgekommen werden“, sagt der Technische Beigeordnete Gregor Nachtwey. Zudem wird überlegt, historisch wertvolle Grabsteine in die Wiese einzubinden. Was Anregungen von Bürgern betrifft, verweist der städtische Pressesprecher Michael Pluschke auf den Mängelmelder der städtischen Homepage. „Über diesen kann jeder Bürger seine Probleme wie auch Ideen einbringen und erhält garantiert eine Antwort“, verspricht Pluschke.