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Das lange Warten auf die Kommunion

Kirche reagiert auf Coronavirus-Krise : Das weiße Kleid muss noch etwas warten

Das Bistum Aachen hat die Kommunion auf unbestimmte Zeit verschoben. Das betrifft alleine im Kreis Viersen etwa 1000 Familien.

Alles war geplant für einen perfekten Tag im Kreise der Familie: Die Einladungen verschickt, das italienische Restaurant fest reserviert, nach dem Probeessen war das Menü festgelegt. Und auch das weiße Kleid für Marie hängt bereit. Doch tragen wird die Achtjährige es vorerst nicht. Denn ihre Kommunion fällt aus.

Marie Berten aus Dülken ist deshalb traurig und mag es noch gar nicht glauben: „Ich habe mich so auf den Tag gefreut. Wir haben vor zwei Tagen erst die Schuhe gekauft.“ Auch Marlon Graf aus Nettetal-Kaldenkirchen war für den großen Tag schon perfekt eingekleidet: schwarzer Anzug, weißes Hemd, ganz klassisch. „Nur die Schuhe fehlen noch“, sagt der Achtjährige. Doch die werden seine Eltern Jasmin (27) und Kai (28) Graf vorerst wohl nicht kaufen. Denn noch wissen sie nicht, wann Marlon das Sakrament der Erstkommunion empfangen wird. Auch die Grafs hatten bereits alles für eine große Gartenparty organisiert: Uroma, Oma, Tanten, Onkel - insgesamt 30 Gäste sollten mit Marlon seine Erstkommunion feiern. „Es sollte eine richtig schöne Familienfeier werden“, sagt Yasmin Graf.

So wie Familie Berten in Dülken und Familie Graf in Nettetal-Kaldenkirchen geht es zurzeit vielen Familien im Kreis Viersen: Sie haben alles für die Kommunion vorbereitet, die Kinder fiebern ihrem großen Tag entgegen. Doch um die weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, hat das Bistum Aachen, wie andere Bistümer auch, die geplanten Termine für die Erstkommunion ausfallen lassen. Auch kirchliche Trauungen werden verschoben, Beerdigungen finden nur im engsten Familienkreis statt. Am 26. April sollte die Erstkommunion in der katholischen Kirchengemeinde St. Ulrich in Dülken gefeiert werden, am 17. Mai in der St.-Clemens-Kirche in Nettetal-Kaldenkirchen. „Wir haben bis zuletzt gehofft, weil wir ja einen recht späten Termin hatten“, erzählt Marlons Mutter Yasmin Graf.

„Alle Maßnahmen des Erzbistums Aachen gelten zunächst bis Sonntag, 19. April. „Auch wenn uns diese Entscheidung schwer fällt, ist es nun unsere Verantwortung als Christen, alles zu tun, die Ausbreitung des Virus zu verhindern“, sagt Generalvikar Andreas Frick. „In dieser Krise müssen wir alle solidarisch zusammenstehen – besonders mit alten, kranken und schwachen Menschen. Wir wollen diejenigen, die besonders gefährdet sind, schützen.“

Die Absage ist häufig auch mit zusätzlichen Kosten verbunden

Maries Mutter Isabell Berten tröstet ihre Tochter. Doch sie hat selbst zu kämpfen mit einer Mischung aus Verständnis für die Absage, aber auch Enttäuschung und Wut. „Wir haben bis zuletzt auf eine andere Lösung gehofft“, sagt die Gesundheits- und Krankenpflegeassistentin. Die Familie hofft nun auf einen zeitnahen Alternativtermin: „Wenn es erst im Herbst sein sollte, passen Kleid oder Schuhe vielleicht nicht mehr, die Location ist vielleicht auch nicht mehr zu bekommen. Zuhause feiern ist nicht möglich, da der Platz für 25 Gäste fehlt.

Die Absage der Kommunion ist mit zusätzlichen Kosten verbunden. Nicht jeder sei in der Lage, diese einfach so aufzufangen, erzählt die zweifache Mutter. Ihr Handy steht seit der Bekanntgabe der Absage kaum still. „Wir sitzen alle im gleichen Boot: Alle wollen wissen, wie es weitergeht“, sagt Isabell Berten. Marie verbringt den Tag mit ihrer Schwester zu Hause, bei gutem Wetter im Garten und macht fleißig Hausaufgaben: „Das ist wirklich viel, wir müssen ja trotzdem weiterlernen“, sagt das Mädchen. Das Kommunionkleid aus floraler Spitze, die passenden Schuhe, nach der Mutter und Tochter lange gesucht haben, liegen bereit. Die Kommunionkerze ist noch nicht fertig. „Im Moment warten wir ab, die Enttäuschung ist einfach zu groß“, erzählt Isabell Berten.

Auch Marlon Graf und seine Familie müssen jetzt erstmal abwarten. Marlon hatte sich ebenfalls auf eine große Feier gefreut. Von seinen Gästen hätte er sich Geld gewünscht, um sich einmal einen größeren Wunsch erfüllen zu können. „Doch den habe ich noch nicht“, sagt der Achtjährige. Auch er wird jetzt geduldig sein müssen, bis es einen neuen Termin für die Erstkommunion gibt. „Vielleicht können wir ja auch das beim Metzger bestellte Buffet auf diesen späteren Zeitpunkt verschieben“, hofft seine Mutter Jasmin Graf. Und vielleicht passen der schwarze Anzug und das weiße Hemd Marlon auch noch bei dem späteren Termin.

Dazu erklärt das Bistum Aachen: „Wir gehen in der aktuellen Situation davon aus, dass Erstkommunionfeiern bei der jetzigen Lage im Herbst stattfinden“, sagt Anja Klingbeil von der Stabsstelle Kommunikation im Bistum Aachen. „Wir empfehlen dringend Planungen darauf auszurichten.“ - „Leider können auch wir die Fragen der Eltern nach einem Ausweichtermin nicht beantworten“, sagt Bernhard Müller, Gemeindereferent in der katholischen Pfarre St. Clemens in Nettetal-Kaldenkirchen. Man müsse jetzt erstmal abwarten, wie sich die Corona-Krise allgemein weiterentwickele.

Und auch wenn die Dülkener Familie jetzt wegen der geplatzten Kommunion traurig ist, weiß sie, dass die Coronavirus-Pandemie andere Menschen nicht nur gesundheitlich, sondern auch in ihrer beruflichen Existenz bedroht: „Existenzen stehen auf dem Spiel, viele erkranken an dem Virus“, sagt Isabell Berten. Angesichts dieser Probleme werde die Absage zweitrangig.

Was die Bertens sich jetzt wünschen: „Dass bald das ,normale Leben’ wieder einkehren kann“. Bis dahin versuchen Christian und Isabell Berten ihren Kindern einen möglichst strukturierten Alltag zu geben – mit allem was dazu gehört: pünktliches ins-Bett-gehen, Hausaufgaben und Freizeit ohne Freunde. „Erst war China so weit weg, dann kam Heinsberg. Und jetzt sind wir alle betroffen“, sagt die junge Mutter. „Ob wir überhaupt in den Sommerurlaub können und die Einschulung wie geplant stattfinden kann? Alles steht in den Sternen.“