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Neuss: Jugendlicher Neusser berichtet von Odyssee nach Corona-Verdacht

Acht Infizierte im Rhein-Kreis : Sechs neue Corona-Fälle im Kreis

Bei einem Corona-Verdachtsfall wurde die Suche nach Antworten für einen jungen Neusser in dieser Woche zu einer Odysee.

Insgesamt sieben bestätigte Corona-Infektionsfälle gibt es bis jetzt im Rhein-Kreis. Auch eine Neusserin ist unter den Neu-Infizierten. Das gab der Rhein-Kreis am Mittwochnachmittag bekannt. Damit steigt die Zahl der Corona-Fälle in Neuss auf zwei. Die Neusserin hat nur leichte Symptome und ist auf Empfehlung des Kreisgesundheitsamtes in Quarantäne gesetzt worden. Zudem bleibt auch die Martinusschule in Holzheim einschließlich OGS-Betrieb wegen eines Corona-Verdachtsfalls bis 23. März geschlossen. Die Information an Schulleitung und Eltern ging am Mittwoch raus.

Doch was ist zu tun, wenn ein Corona-Verdachtsfall besteht? Für einen jungen Neusser wurde die Suche nach Antworten zur Odyssee. Seine Mutter habe mit der infizierten Neusserin Kontakt gehabt. Die beiden waren für eine Woche zusammen mit weiteren Personen im Urlaub gewesen. Seine Mutter habe dann nach ihrer Rückkehr am Sonntag Grippesymptome gezeigt, alle anderen der Reisegruppe auch. Ein Mit-Urlauber aus Bremerhaven wurde bereits am Montag positiv auf das Virus getestet.

Der Neusser hatte bereits am Montag das Gesundheitsamt kontaktiert, am Dienstag dann wieder. Unter der Hotline des Kreises habe man ihm mitgeteilt, dass das Gesundheitsamt nicht zuständig sei, für Tests sei der Hausarzt zuständig. Mit drei verschiedenen Stellen habe er telefoniert, immer wieder habe man ihn darauf hingewiesen, dass eine andere Stelle zuständig sei. „Es war ein gigantisches Chaos“, sagt er. Schließlich habe sich ein Hausarzt in einer Gemeinschaftspraxis bereit erklärt, den Neusser und seine Familie auf das Virus zu testen. Das war am Dienstagabend (10. März). Bis zu diesem Zeitpunkt hat der junge Mann weiterhin den Unterricht an seiner Schule besucht.

Ergebnisse sollen am
Donnerstag vorliegen

Am Mittwochvormittag fuhr die Familie zur Arztpraxis – außerhalb der Sprechzeiten. Für die Abstriche blieben sie im Auto sitzen. Am Donnerstag sollen die Ergebnisse da sein. Mittlerweile zeige nicht nur die Mutter, sondern auch der junge Mann selbst grippeähnliche Symptome. Er beklagt nicht nur den schwierigen Weg bis zum Corona-Test, sondern auch fehlende Beratung und Information: „Egal, wo ich angerufen habe, ich musste das komplette Problem neu schildern.“ Versprochene Rückrufe seien nicht erfolgt. Auch, wie die Familie sich verhalten solle, sei trotz Nachfrage unklar geblieben: „Man sagte mir, wir sollten uns regelmäßig die Hände waschen, Einkaufen gehen sei wohl in Ordnung“, berichtet er.

Die Corona-Hotline des Kreises sei derzeit stark frequentiert, sagt Benjamin Josephs, Pressesprecher des Kreises. „Durchschnittlich haben wir 600 Anrufe pro Tag, an manchen Tagen mehr als 1000.“ Vor kurzem habe man darum auch diesen Service personell verstärkt. Der Kreis rechnet damit, dass die Zahl der Infizierten weiter steigen wird. „Allein Mittwoch ist die Zahl der Verdachtsfälle um 50 Personen gestiegen“, sagt Josephs.

Für einen Test müsse man nachweisen, dass Kontakt mit einer erkrankten Person bestanden hat. Das Gesundheitsamt informiert im Falle eines Verdachtsfalls das zuständige Ordnungsamt, denn nur das kann häusliche Quarantäne anordnen. Der Test könne bei einem Hausarzt stattfinden. Seit Mittwoch auch im „Test-Center Corona“ des Rhein-Kreises – dafür müsse man sich an das Gesundheitsamt wenden, sagt Josephs. Fällt der Corona-Test positiv aus, informiert das Labor sowohl den zuständigen Hausarzt als auch das Gesundheitsamt. Sobald ein Test positiv ausfällt, setzt sich das Gesundheitsamt mit der betroffenen Person in Verbindung und ermittelt mögliche Kontaktpersonen, die ebenfalls informiert
werden.