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Corona-Krise - öffentliches Leben in Viersen lahmgelegt

Corona Kreis Viersen : Viersener Innenstadt ist wie leergefegt

Der erste Tag nach dem Erlass des Landes zur Coronavirus-Pandemie: Bei schönem Wetter sind Straßen und Fußgängerzone in Viersen leer. Das Ordnungsamt achtet auf die Einhaltung der Vorgaben.

Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein und gähnende Leere: So sieht es am ersten Tag vieler Geschäftsschließungen und des eingeschränkten Gastronomiebetriebs in der Viersener Fußgängerzone aus. Nur vereinzelt schlendern Passanten an den meist geschlossenen Läden vorbei. Am Mittag sind noch einige Plätze in einzelnen Straßencafé besetzt. Nach 15 Uhr werden auch diese Stühle weggeräumt. Eine junge Mutter geht mit ihrem Kind durch die Fußgängerzone. „Da ist zu, da ist auch zu, da auch“, ruft das kleine Mädchen und deutet auf die dunklen Schaufenster.

Das Land NRW hat am 17. März einen weiteren Erlass veröffentlicht, der neue Einschränkungen bis zum 19. April beinhaltet. Am selben Abend folgte ein weiterer Erlass, der für zahlreiche Einzelhändler die vorläufige Schließung bedeutet. Öffnen dürfen (Stand Mittwoch, 18. März) nur noch Lebensmittelgeschäfte, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen, Poststellen, Friseure, Reinigungen, Waschsalons, der Zeitungsverkauf, Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte sowie der Großhandel. Laut Erlass des Landes müssen zudem alle Läden auf Hygiene achten, den Zutritt steuern und Warteschlangen vermeiden.

Laut KOV zeigen sich die meisten Geschäftsleute verständnisvoll

Der Kommunale Ordnungsdienst Viersen (KOV) hat am Mittwoch kontrolliert, ob die Geschäftsschließungen auch eingehalten werden. Bereits am Dienstag habe der KOV damit begonnen, alle von den bis zum frühen Abend bekannten Verboten und Beschränkungen betroffenen Betriebe anzufahren, die Inhaber angesprochen und ein Informationsblatt ausgehändigt, informiert Stadtsprecher Frank Schliffke. Am Mittwoch setzte der KOV seine Arbeit fort. „Nach den Erfahrungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des KOV zeigten sich die Geschäftsleute überwiegend verständnisvoll“, sagt Schliffke. Ab 15 Uhr habe der KOV damit begonnen, zu kontrollieren, ob Restaurants und Gaststätten dem jüngsten Erlass entsprechend geschlossen waren. „Auch hier trafen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den Betreibern weitgehend auf Verständnis“, berichtet Schliffke. „Ziel des Ordnungsamtes ist und bleibt, Konflikte im Gespräch und durch Einsicht der Betroffenen zu lösen. Die Anwendung von Zwangsmitteln erfolgt nur, wenn eine Maßnahme anders nicht durchgesetzt werden kann.“ Solche Zwangsmittel – etwa Platzverweise – anzuwenden, sei bisher nicht notwendig gewesen.

Auch im Bereich der Spielplätze schauten sich die Mitarbeiter des KOV um, sprachen Eltern an, die trotz Verbots mit ihren Kindern dort waren. Eine Kontrolle auf einem Spielplatz in Dülken endete mit einer Strafanzeige für zwei Väter, denn zwei Mitarbeiter des KOV seien dabei bespuckt und beleidigt worden, erklärt Schliffke. Die Täter seien betrunken gewesen. „Die KOV-Mitarbeiter konnten den Angriff nur mit Pfefferspray abwehren. Die Väter flüchteten mit ihren Kindern, konnten aber kurz darauf gestellt werden. Mit Hilfe körperlicher Gewalt gelang es den Ordnungskräften, die Männer zu überwältigen.“ Sie werden wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte angezeigt. Im Bereich der Freizeitanlagen am Hohen Busch habe der KOV größere Gruppen deutlich darauf hinweisen müssen, dass die Nutzung derzeit nicht erlaubt sei, ergänzt Schliffke. „Hier werden die Regeln gegebenenfalls mit Platzverweisen durchgesetzt.“ Der KOV setzte seine Kontrollen in den nächsten Tagen fort.

An den Ladentüren und in Schaufenstern finden sich unterschiedliche Hinweise zur aktuellen Situation. Modegeschäfte wie Gina Laura oder der Herrenausstatter Engbers in der Viersener Fußgängerzone verweisen auf ihre Online-Angebote und die dortigen Bestellmöglichkeiten. Bei Spielwaren Seidel in der Rathausgasse konnten einzelne Kunden am Mittwoch nach Anruf noch Bestellungen abholen, ebenso in der benachbarten Buchhandlung Doetsch. Auch bei Optikern wie Kind oder Müller an der Hauptstraße hängen Hinweise, um den nötigen Abstand zu Kunden zu wahren. So werden Kunden mit Erkältungs- oder Grippe-ähnlichen Symptomen gebeten, bereits vereinbarte Termine zu verschieben sowie ausreichend Abstand zu anderen Kunden und Mitarbeitern einzuhalten. In Drogeriemärkten wie dm wird auch verstärkt auf den Schutz der Mitarbeiter geachtet: Kassiererinnen tragen Einmalhandschuhe und nutzen Desinfektionsmittel, um etwa Tasten von Kartenlesegeräten zu säubern.

Michael Eichstädt von der Blumeninsel Eichstädt an der Hauptstraße musste seinen Laden ebenfalls schließen. Mit seiner Ware wollte er noch einen guten Zweck erfüllen – und spendete die Blumen an das Personal des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) Viersen.