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Seit Monaten sind Führungspositionen im Kempener Jugendamt vakant

Leitungsstellen nicht besetzt : Angespannte Personal-Lage im Kempener Jugendamt

Personell steckt das Amt in der Krise. Die Stellen für Leitung und Stellvertretung sind seit Monaten nicht besetzt. Nachfolger sind weiterhin nicht in Sicht. Nun hat auch der Jugendpfleger gekündigt.

Das Kempener Jugendamt hatte in seiner fast 38-jährigen Geschichte schon bessere Tage. Diese Aussage beschreibt jedoch nicht den schlechten baulichen Zustand der Büros an der Antoniusstraße in St. Hubert, sondern die personelle Lage im Amt. Denn während für das Gebäude-Problem eine Lösung gefunden ist – die Mitarbeiter ziehen in die neuen Rathäuser am Bahnhof – gibt es in Sachen Personal viele offene Fragen. Oder besser: offene Stellen.

Weiterhin ist die wichtigste Personalfrage des Amtes ungelöst. Die Stadt hat immer noch nicht die Nachfolge der früheren Jugendamtsleiterin Heike Badberg geregelt. Diese war im Sommer 2018 völlig überraschend zur Stadt Krefeld gewechselt – nach rund 30 Jahren im Dienst der Stadt Kempen. Beigeordneter Michael Klee bestätigte der WZ, dass das erste Ausschreibungsverfahren für die Stelle gescheitert ist.

Wie schon kurz vor Weihnachten berichtet, hatten sich nur 13 Interessenten auf die A15-Stelle in Kempen beworben. Und unter diesen Bewerben habe sich kein Kandidat als geeignet herausgestellt. Klee bestätigte eine Information der Redaktion, dass man dem letztlich favorisierten Kandidaten ebenfalls abgesagt hat. Die Entscheider im Rathaus seien zu der Überzeugung gekommen, dass auch dieser nicht zu Kempen gepasst hätte.

„Headhunter“ soll bei der
Suche nach Amtsleiter helfen

Somit bleibt Dezernent Klee vorerst kommissarischer Jugendamtsleiter – und das Ausschreibungsverfahren startet von vorne. Personalamtsleiterin Sabrina Schröder sei dabei, eine Ausschreibung vorzubereiten, so Klee. Parallel habe die Stadt sich externe Hilfe bei einer Agentur gesucht – im Personalwesen der freien Wirtschaft heißt so etwas „Headhunter“. Die Verwaltung arbeite daran, dass die Stelle schnellstmöglich besetzt wird. Den Zeitraum ließ der Beigeordnete offen.

Gleiches gilt nach Angaben des Dezernenten für die stellvertretende Amtsleitung. Denn auch die ist schon seit dem vergangenen Jahr verwaist. Damals hatte Christian Semrau auf eigenen Wunsch die Stadt Kempen verlassen. Er ist inzwischen Leiter der Abteilung Revision bei der Stadt Nettetal. Mit Blick auf seine Nachfolge in Kempen ist die Lage ähnlich wie bei der Suche nach einer Amtsleitung. Eine erste Ausschreibung hatte zwölf Interessenten zu einer Bewerbung verleitet. Aber auch hier kam kein Vertragsabschluss zustande. Bis es doch noch dazu kommt, wird es mindestens solange dauern, bis man eine neue Amtsleitung gefunden hat. Um eine funktionierende Führungsspitze langfristig zu etablieren, hält die Stadt dieses Verfahren für sinnvoll.

Und dann gibt es auf der Leitungsebene noch eine weitere Baustelle. Michael Klee bestätigte der WZ, dass auch Jugendpfleger André Fitzner gekündigt hat. Er wird die Stadt zum 1. April verlassen. Diese ohnehin schlechte Nachricht wird deshalb noch schlechter, weil Fitzner der Verantwortliche für den Ferienspaß ist. Und die Vorbereitung der beliebten Sommerferien-Betreuung gehe nun bald in die entscheidende Phase. „Da müssen nun viele Aspekte vorbereitet werden“, so Klee. Auch die Fitzner-Stelle soll schnellstmöglich ausgeschrieben werden. Das Personalamt sei in der Vorbereitung der Ausschreibung.

Mit weiteren offenen Positionen in der Kernverwaltung des Jugendamtes seien derzeit sechs Stellen unbesetzt, so Klee. Das sei alles andere als gut. Die Lage sei angespannt. Zumal der Dezernent für den Haushalt 2020 vorsieht, Personal aufzustocken. „Gerade im Bereich der Verwaltung der Kindertagesstätten müssen wir nachlegen“, so Klee. Auch weil sich die Zahl der Kitas und der Großtagespflegen in Kempen in den kommenden Jahren erhöhen wird.

Damit verbunden befindet sich die Stadt im nächsten personellen Dilemma. Denn auch die Besetzung der Erzieher-Stellen für bestehende und neue Kitas gestaltet sich schwierig. So wie viele andere Kommunen in NRW klagt auch die Stadt über einen Mangel an Kräften. Das führt zum von Klee oft zitierten „Windhundrennen“ zwischen den Kommunen um die besten Kräfte.

Noch einmal zurück in die Kernverwaltung des Jugendamtes: Der dringend notwendige Umzug nach Kempen bindet laut Klee derzeit auch Arbeitskraft und -zeit. „So ein Projekt muss auch ausreichend geplant und vorbereitet werden. Das ist ohne Frage eine zusätzliche Belastung“, sagt der Dezernent. Klee hofft, dass sich die Lage – vor allem auf der Führungsebene – alsbald entspannt.

Passend zur personellen Krise des Amtes fordert die Fraktion der Grünen nun einen Jahresbericht des Jugendamtes 2018. Einen entsprechenden Antrag haben die Grünen gestellt. Ein Wunsch auf der Liste für diesen Bericht ist der Punkt „Vakanzen im Personalbereich“. Der Bericht soll aber nicht nur die personelle Lage, sondern auch die einzelnen Aufgabenbereiche des Amtes umfassen. Zum Beispiel die Zahl der Fälle von Kindeswohlgefährdung.

Michael Klee hält einen entsprechenden Jahresbericht für sinnvoll und stellt in Aussicht, dass das Jugendamt die Informationen so weit wie möglich zusammenstellen will. „Im Prinzip halte ich es aber für sinnvoll, wenn so ein Jahresbericht über die Aufgaben des Jugendamtes hinausgeht“, sagt der Sozial-, Schul-, Jugend- und Sportdezernent. So habe zum Beispiel die Schulsozialarbeit auch eine Menge mit der des Jugendamtes zu tun. „Da gibt es viele Überschneidungen. Das kann man heutzutage nicht mehr trennen“, sagt Klee. Insofern müssten sich Politik und Verwaltung grundsätzlich Gedanken machen, welche Berichte sinnvoll seien.