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Denkmalschutz und Planungsrecht: Ein Konzept für die Altstadt soll her

Kempen: Konzept in Sachen Denkmalschutz und Planungsrecht für die Altstadt gefordert : Neue Bau-Regeln für die Altstadt

Damit es bei zukünftigen Bauplanungen verlässliche Regelungen gibt, soll ein Büro beauftragt werden, ein Konzept zu erstellen.

Im Denkmalausschuss sowie im Haupt- und Finanzausschuss gab es bereits Zustimmung. Nun entscheidet der Rat am Dienstag endgültig über die Erstellung eines städtebaulichen Entwicklungskonzeptes für die Altstadt Kempens. Die SPD hatte dies beantragt. Der Technische Beigeordnete Marcus Beyer sieht die Notwendigkeit ebenfalls, wollte das Thema aber ein wenig weiter fassen. In den Beschlussvorschlag der Verwaltung bezog er die verschiedenen Funktionen der Stadt – darunter Wohnen, Verwaltung, Einzelhandel und Gastronomie – mit ein. Dabei sollen auch das bestehende Planungs- und Denkmalrecht mit einbezogen werden. Gibt der Rat nun grünes Licht, wird die Verwaltung zunächst Angebote bei Fachbüros für ein solches Gutachten einholen.

Auslöser ist die Debatte
um die Ellenstraße 15

Ein Auslöser für dieses Gutachten ist die Diskussion um den Neubau an der Ellenstraße 15. Dort plante ein Investor insgesamt vier Geschossen. Zu hoch, befand nicht nur das Amt für Denkmalpflege beim Landschaftsverband (LVR), sondern ebenso die Bürgerinitiative „Denk mal an Kempen“ und zunächst auch die Politik. Doch drei Geschosse plus Dachgeschoss sind im Bebauungsplan durchaus zugelassen. Am Ende gab es einen Kompromiss, dem die Mehrheit zustimmte: ein sogenanntes Krüppelmansarddach – doch die Höhe blieb. Gegen die Pläne stimmten im Denkmalausschuss SPD und Freie Wähler Kempen.

Kann es an anderen Stellen wieder zu einer solchen Diskussion kommen? „Dazu liegen der Stadt zurzeit keine Erkenntnisse vor“, heißt es in der Vorlage. In naher Zukunft könnte es aber zur Von-Broich-Passage (neben Ellenstraße 15) ähnliche Debatten geben. Wie berichtet, spielen die Eigentümer schon seit Jahren mit dem Gedanken, die Passage abzureißen und neue Häuser zu bauen. Diese haben aber schon signalisiert, dass das nur umsetzbar sei, wenn eine dreigeschossige Bauweise mit Ladenlokalen und Wohnungen möglich ist.

Wenn Ladenlokale entstehen sollen, müssten drei Geschosse erlaubt sein, hatte auch schon der Eigentümer der Ellenstraße 15 argumentiert. Vor diesem Hintergrund ist wohl auch der Verweis der Verwaltung auf die verschiedenen Altstadtfunktionen, darunter auch Einzelhandel und Gastronomie, nicht ganz unwichtig.

Zu weiteren Gesprächen wird es noch zum Entwurf für den Neubau am Buttermarkt 10 kommen. Der erste Vorschlag wurde im Denkmalausschuss abgelehnt. Angekündigt ist bereits, dass das Burg-Café an der Thomasstraße einem Neubau mit Wohnungen und Praxisräumen weichen soll Auch dort werden die Denkmalpolitiker zustimmen müssen.

Ein erster Aufschlag, in dem Politik und Verwaltung die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen, hatte man mit der städtebaulichen Studie zur Ellenstraße/Ecke Hessenwall, einem Workshop mit Politik, Verwaltung, Investor und Professor Kunibert Wachten vom Stadtplanungsbüro Scheuvens und Wachten, in dem man sich auf vier Baukörper zwei Vollgeschossen und einem ausgebauten Dachgeschoss einigte. Auch mit diesem Umstand war die Kritik an dem nun zu hoch empfundenen Nachbarhaus an der Ellenstraße 15 begründet worden.

Nun soll sich ein Fachbüro an diese „Mammutaufgabe“ machen, die bisherigen Regelungen zu Denkmalschutz und Bauplanungsrecht auf Konfliktpotenzial abklopfen und Lösungsmöglichkeiten anbieten.

Vorkaufsrecht: Verwaltung dämpft die Erwartungen der SPD

Das soll aber nur ein erster Schritt sein. Danach werden dann voraussichtlich die Bebauungspläne und die Denkmalbereichssatzung überarbeitet werden und Gestaltungsleitlinien beziehungsweise eine Gestaltungssatzung erstellt werden. Die SPD hatte sich in ihrem Antrag zudem für ein Vorkaufsrecht für die Stadt gewünscht. Zu hohe Erwartungen will Marcus Beyer daran aber nicht setzen, da dies nur in wenigen Ausnahmefällen greifen würde.