Kritik am Bürgermeister aus der Politik : „Fremd schämen“ für Lommetz

Die Aussagen des Bürgermeisters in der Freibad-Diskussion erzeugen viel Kritik.

Direkt nach der letzten Ratssitzung des Jahres gibt es traditionell Getränke und einen Imbiss. Vorher hatte das Gremium am Dienstagabend aber viel zu tun. Es wurde etwa drei Stunden lang diskutiert und beschlossen – und die Diskussionen boten Zündstoff.

Unter dem Punkt „Verschiedenes“ meldete sich Roland Angenvoort zu Wort. Dem SPD-Ratsherrn ging es um die jüngste öffentliche Sondersitzung dieses Sportausschusses. Unter Anwesenheit zahlreicher Bürger hatten mehrere Gutachter in der Albert-Mooren-Halle Ende November ihre Konzeptionen für einen zukünftigen Bäderbetrieb vorgestellt. Dabei äußerten sich mit teilweise unsachlichen Attacken gegen den Sachverständigen Dietmar Altenburg empört viele Zuhörer, die strikt gegen eine Schließung des Freibades sind (die WZ berichtete). Unter den Wortführern war im Publikum auch Bürgermeister Manfred Lommetz (parteilos), der den Gutachter Altenburg selbst in harter Form attackierte.

    „Ich habe mich für die teilweise populistischen Wortbeiträge des Bürgermeisters etwas fremd geschämt“, vermisste nicht nur Angenvoort die an diesem Tag „fehlende Neutralität und Sachlichkeit“ des Bürgermeisters: „Dies macht unsere folgenden Debatten nicht gerade einfacher.“ Auch Georg Fasselt (CDU) hätte sich mehr Zurückhaltung von Lommetz gewünscht.  SPD-Fraktionsvorsitzender Jochen Monhof ergänzte an die Adresse des Bürgermeisters: „Das war bei einigen deiner populistischen Äußerungen nicht dein bester Tag.“

Lommetz sieht sich nicht
beim „bornierten Establishment“

Manfred Lommetz blieb dabei, dazu deutlich seine Meinung gesagt zu haben, und legte schmunzelnd noch einmal nach: „Schließlich gehöre ich nicht dem bornierten Establishment an, sondern bin ein humanistischer Freigeist. . .“

Im Sportausschuss hatte der Sachverständige Dietmar Altenburg von der Altenburg Unternehmensberatung aus Düsseldorf, die sich auf die Bäder-Konzepte spezialisiert hat, seine Untersuchungsergebnisse vorgestellt und aus Kosten-Nutzen-Sicht ein „Kombi-Bad“ empfohlen. Dafür würde auf der Schulwiese an das Hallenbad ein Außenschwimmbereich angebaut und das Freibad Doreburg aufgegeben. Bürgermeister Lommetz  hatte diese Lösung als „Alibi-Bad“ und „schwachsinnig“ bezeichnet und teils auch Zahlen der Gutachter angezweifelt – was ihm von einigen Zuhörern durchaus Applaus einbrachte. Gutachter Altenburg hatte sich wohl gleich zu Beginn wenig Freunde gemacht, als er mit deutlichen Worten die Probleme der Grefrather Bäder benannte. Eines davon: Die Besucherzahlen in Grefrath seien im Vergleich zum bundesweiten Schnitt „richtig schlecht“.

Nun muss die Politik über die Zukunft der Bäder beraten und letztlich entscheiden.

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