Wülfrath : DRK: Ein kleiner Verein setzt große Fußabdrücke

Bei der Hauptversammlung zeigte das Rote Kreuz seine Bedeutung für das Gemeinwohl auf und ehrte langjährige Mitglieder.

„Was als kleiner Ortsverein mit Katastrophenschutz und Sanitätsdienst sowie der Organisation der Blutspende begann ist zu einer festen Größe für Wülfrath geworden, die an vier Standorten deutliche Fußabdrücke gesetzt hat“, sagte Sebastian Dahms als Vorsitzender des DRK-Ortsvereins bei der Jahreshauptversammlung. Das Rote Kreuz leiste als Träger der Kita In den Eschen 1, der Schuldnerberatung an der Goethestraße 1, der Bereitschaft für die Krankentransporte an der Henry-Ford-II-Straße 13 und der Kleiderkammer an der Wilhelmstraße 88 für die Stadt Unverzichtbares. Das Etatvolumen lag 2017 bei rund 1,5 Millionen Euro.

Doch die ganz überwiegend ehrenamtlich geleistete Arbeit des Sozialverbands ist auch gesellschaftlichen Veränderungen unterworfen, die Fragen für die Zukunft aufwerfen. Immer weniger Menschen sind bereit, ehrenamtlich Verantwortung zu übernehmen, und das Spendenverhalten hat sich gewandelt, auch weil immer mehr förderwürdige Projekte miteinander konkurrieren. Das Beitragsaufkommen und die Spendeneinnahmen sind leicht rückläufig. Aktuell zählt das DRK in Wülfrath 649 Fördermitglieder, 21 Haupamtler und 34 Mitglieder, davon zehn Frauen, die allesamt freiwillig die Sanitätsbereitschaft sicherstellen. Im November kommen zwei weitere Hauptamtliche hinzu. „Wir besetzen einen Krankenwagen, der montags bis freitags, jeweils von 7 bis 18 Uhr, den nördlichen Kreis Mettmann in Kooperation mit der Stadt Velbert mitabdeckt“, so der Vorsitzende.

Sechs Mitglieder wurden am Donnerstagabend für ihre zehn- bis 35-jährige DRK-Zugehörigkeit gewürdigt (siehe Info-Kasten). Allein André Neuwerger, der die Truppe einkleidet, und Bereitschaftskollege Christian Pietsch nahmen ihre Ehrenurkunden und die zugehörigen Spangen für das Uniform-Revers persönlich bei der Versammlung entgegen.

Große Investitionen in
die Infrastruktur

2017/2018 hat der Ortsverein kostspielig in seine Infrastruktur investiert. Das Bereitschaftsgebäude wurde modernisiert und die Kita erhielt mit einem kleineren Zuschuss des klammen Gebäudeeigentümers Stadt Wülfrath ein neues Badezimmer sowie eine neue Küche. „Im Frühjahr werden wir die gesamte Außenanlage anpacken, es wird neue Spielgeräte und neues Grün geben“, kündigte Sebastian Dahms an. Schließlich feiert die Kita 2019 ihr 30-jähriges Bestehen. Auch ein Tag der offenen Tür ist aus diesem Anlass geplant.

Vielleicht sind die Kita-Kinder von heute die Rotkreuzler von morgen? Erfreulich ist, dass der Ortsverein seit dem Ende der Sommerferien endlich über ein Jugend-Rot-Kreuz mit sieben Aktiven verfügt.

101 Beratungsfälle, bei 49 Neuaufnahmen und 43 Langzeitbetreuungen verzeichnete Schuldnerbarterin Dagmar Peetz 2017. Ein Drittel war älter als 51 Jahre und es waren keine Riesensummen, die die meisten in die Schuldenfalle tappen ließ. Für alle versuchte Peetz, die inzwischen an Tatjana Meixner übergeben hat, eine Brücke zu bauen.

Erste-Hilfe-Ausbilder Uwe Frädrich hat erfahren müssen, dass das Interesse an Samstagskursen stark nachgelassen hat. Die für den Führerschein notwendigen Kenntnisse werden heute lieber unter der Woche in der Fahrschule erworben. Das DRK geht neue Wege: Gut 150 Teilnehmer wurden 2017 in Betrieben in Soforthilfe unterrichtet.

478 Blutspender wurden im Vorjahr bei acht Terminen gezählt. Ihre Zahl geht zurück. Deshalb gibt es 2018 nur noch sechs Termine im Awo-Haus.

Wie wichtig die an 50 Wochen im Jahr, jeweils montags von 13 bis 16 Uhr, geöffnete Kleiderkammer ist zeigte Dahms so auf:. „Mehr als 10 000 gespendete Kleidungsstücke wurden dort im vergangenen Jahr ausgegeben.“ Aber: Vier der sechs dort tätigen Helferinnen hören altersbedingt Anfang 2019 auf. „Wir suchen händeringend nach Unterstützung“, so der Vorsitzende. Sortieren, waschen, ausgeben – auch wer dafür nur ein- bis zweimal pro Monat Zeit hat, kann sich unter der Telefonnummer 02058/3390 melden.

„Das Ehrenamt ist die Stütze des sozialen Zusammenhalts in unserer Gesellschaft. Wirtschaftlich rechnen tut sich all unser Engagement sicher nicht und auch die nötige Anerkennung bleibt zumindest im Großen weitgehend aus. Aber wir haben das Ehrenamt noch nie für die Politik betrieben, sondern, um den Menschen vor Ort zu helfen“, schloss Sebastians Dahms die Versammlung mit Kritik in Richtung Bundespolitik.