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Straßenverkehr Fahrsicherheit Senioren Velbert-Neviges

Velbert : „Fitness, nicht das Alter ist entscheidend“

Die Seniorensicherheit durch Aufklärung zu fördern, das haben sich die Stadtteiltreffs von Diakonie und Awo auf die Fahne geschrieben. Zum Auftakt gab ein Fahrlehrer älteren Autofahrern Tipps.

„Seniorensicherheit“ heißt ein Programm, das das Stadtteilzentrum der Bergischen Diakonie in Zusammenarbeit mit der Awo im Stadtteiltreff an der Elberfelder Straße 21 derzeit durchführt.

Ein besonders brisantes Thema ist da die Fahrsicherheit der Menschen im Rentenalter, und hierzu gab es jetzt eine Informationsveranstaltung mit dem langjährigen Fahrschullehrer Klaus-Dieter Krause. Rund 20 Seniorinnen und Senioren (fünf männliche Teilnehmer) waren in den Stadtteiltreff gekommen und hörten zunächst, dass es mit der von Jüngeren angezweifelten Fahrsicherheit der Rentner erheblich besser bestellt ist, als landläufig angenommen wird. „Der überwiegende Teil der älteren Kraftfahrer ist kritisch im Umgang mit den eigenen Fähigkeiten“, heißt es auch in einer Broschüre des ADAC, die am Mittwoch verteilt wurde. Und „bezüglich der falschen Selbsteinschätzung unterscheiden sich die Senioren nicht von auffälligen Personen anderer Altersgruppen.“

Trotzdem, mit Blick auf die kommende dunkle Jahreszeit mit nassem Laub im Herbst und Schnee und Glätte im Winter gibt es gerade für die älteren Menschen vieles zu beachten. Voraussetzung, schwierige Situationen schadlos zu überstehen, ist laut Klaus-Dieter Krause, der humorvoll referierte, ein gewisses Maß an Fitness, das durch den FFC (Fahrer-Fitness-Check), den der ADAC anbietet getestet und verbessert werden kann.

Routine, Erfahrung gepaart mit körperlicher und geistiger Beweglichkeit lassen auch im Alter eine problemlose Teilnahme am Straßenverkehr zu. „Die Fitness, nicht das Alter ist entscheidend“, so Krause, der den Senioren riet, im Zweifelsfalle auch ruhig noch einmal eine Fahrstunde zu buchen und sich auch theoretisch mit den sich ständig erneuenden und erweiternden Verkehrsregeln vertraut zu machen.

Referent befragte die Zuhörer nach ihrer Einschätzung

Eine Hilfe hatte Krause mit einer Info-Mappe parat, in der auch neue Verkehrsschilder anschaulich erklärt werden. Der Fahrlehrer mit 62-jähriger Berufserfahrung hatte aber in den rund 80 Minuten seines Vortrags auch etliche praktische Beispiele parat und zeigte Verkehrssituationen auf, bei denen er auch die Schüler reifen Alters mit einbezog und nach ihrer Einschätzung fragte. Da etliche unter ihnen vorwiegend in ihrem direkten Umfeld unterwegs sind, wurden viele Situationen in Velbert oder Neviges angeführt, wobei die Berliner- und die Friedrich-Ebert-Straße als besonders kritische Verkehrswege ausgemacht wurden. Als Mann der Praxis sparte Krause auch nicht mit Kritik an diversen Verkehrsführungen, die geradezu zu Fehlverhalten und damit einher gehenden Unfallgefahren „einladen“. „Da sind Menschen am Werk, die eher in der Theorie als in der Praxis bewandert sind“, hieß es.

„Reißverschlussverfahren“ und erlaubte Fahrgeschwindigkeiten in einer „Fußgänger-Zone“ und einer „verkehrsberuhigten Zone“, dass ein Standstreifen nur für Pannen reserviert sind („Dazu gehört auch plötzlich auftretendes körperliches Unwohlsein“) sowie das richtige Verhalten beim Ein- und Ausfahren im Kreisverkehr waren ausführlich besprochene Themen, die auch Fragen provozierten, die der Fahrlehrer breitwillig beantwortete.

Die Zuhörer waren angetan von den Ausführungen. So wie Hans-Theo Semberg, der mit seinen 80 Jahren kürzlich noch die 700 Kilometer bis nach Niederbayern in acht Stunden bewältigt hatte, aber betonte, dass er alle zwei Stunden ein Päuschen einlegt. „Ich habe zunehmende Angst etwas zu übersehen“, gab Gisela Brandt (81) zu und erklärte, dass sie ihr Auto vor allem benutzt, um zu den öffentlichen Verkehrsmitteln zu kommen. „Ich wohne so weit außerhalb, dass ich auf mein Auto angewiesen bin“, so die ältere Dame. Und Anne Marthe Gutsche (78) zeigte sich von dem Gehörten und Gesehenen sichtlich erfreut. „Ich habe heute sehr viel Neues gelernt.“