Neviges : Komödie: „Neurosige Zeiten“ in der Glocke

Die Kolpingsfamilie macht wieder Theater. Am 10. November hebt sich erstmals der Vorhang für das Stück von Winnie Abel.

„Ihr versteckt euch alle hinter dem Sofa, kommt mal da heraus“, fordert Regisseur Jürgen Wertmann seine Mimen auf. Und die nehmen den Tipp natürlich gern an und sorgen für ein wenig mehr Transparenz auf der Bühne. Eine Szene aus den Probenarbeiten zum neuen Stück der Laienspielgruppe der Kolpingsfamilie Hardenberg-Neviges, das Theaterfreunden „neurosige Zeiten“ verspricht.

Aufführungen im Pfarrzentrum „Glocke“ sind stets ausverkauft

Es ist die 33. Inszenierung der 1979 gegründeten Schauspieltruppe, die sich so großer Beliebtheit erfreut, dass ihre Aufführungen im Pfarrzentrum „Glocke“ an der Tönisheider Straße 8 stets ausverkauft sind.

Doch, um die gewünschte Qualität zu bieten, sind das Textlernen, die entsprechende Betonung, verbunden mit den erforderlichen Gesten, und Harmonie im Ensemble nötig. Und die erreicht man nur durch intensive Probenarbeit.

„Im Mai hat meine Regie-Kollegin Andrea Pannen das Stück von Winnie Abel entdeckt und uns vorgestellt“, verrät Jürgen Wertmann. „Es hat allgemeinen Anklang gefunden, und dann wurden die Rollen verteilt und es ging ans Texte Büffeln.“ Jetzt, im Oktober sind die Proben für die Komödie in drei Akten schon weit fortgeschritten.

„Nun geht es mehr um den Feinschliff“, so Wilhelm Funken, der den Fotografen Freddi gibt, der den Fernsehstar Harald Hammer (Alex Schad) bei einem Fanbesuch ins rechte Licht setzten will. Da Funken nur an einem Wochenende zur Verfügung steht, wird seine Rolle kurzerhand von der Bühnen-Debütantin Fritzi (Martina Fohrmann) übernommen. Man ist hier also recht flexibel in der Gruppe, der die Freude am Theaterspielen bei nahezu jeder Geste anzusehen ist.

Die Probenarbeit beschränkt sich derzeit auf Szenen, die allesamt in einer psychiatrischen Anstalt – im Programm despektierlich „Klapse“ genannt – spielen, wo der nichtsahnenden Mutter einer Patientin vorgegaukelt werden soll, dass ihr Töchterchen in einer Villa mit leicht kauzigen Mitbewohnern logiert. Lediglich dem „normalen“ Leiter der Anstalt, Dr. Dr. Schanz (Klaus Häger) bescheinigen alle, dass er ein wenig „ballaballa“ sei.

Die kuriosen Macken der Mitbewohner und die dazu gehörigen Verwechselungen geben jede Menge Anlass zu herzhaften Lachern, zumal die elf Mitwirkenden über ansehnliche mimische Begabung verfügen. So wie die extrovertierte Marianne (Brigitte Wedler), der anzumerken ist, dass sie gern „dem Affen Zucker gibt“, wie es in der Theatersprache heißt. Oder der linkische Hans (Detlev Schad), für den es – wie für alle anderen auch – nach diversen Turbulenzen ein Happy End gibt.

Noch wird geprobt, noch sind mehr oder weniger Hilfe suchende Blicke zur Souffleuse erlaubt, doch nach dem 29. Oktober wird es für die Laienspielschar richtig ernst. „Dann bauen wir das richtige Bühnenbild auf und sind bis zur Premiere am 10. November jeden Tag hier“, so Regisseur Wertmann. In der 43. Kalenderwoche gibt es eine unfreiwillige Probenpause, weil der Spiel- und Probenort in der „Glocke” am 27. und 28. Oktober für einen Kreativmarkt benötigt wird. Zeit, die Texte zu verinnerlichen und, was Mimik und Ausdruck angeht, selbst noch kreativer zu werden, damit dem Publikum im trüben November amüsante „neurosige” Lichtblicke beschert werden.

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