Wechsel: Erstmals ist ein Grüner Bezirksvorsteher im Norden

BEZIRKS-WECHSEL: Erstmals lenkt Grüner den Norden

Sayhan Yilmaz ist am Mittwoch zum neuen Bezirksvorsteher gewählt worden und hofft auf „weitere gute Zusammenarbeit“.

Sayhan Yilmaz (48) ist zum neuen Bezirksvorsteher im Norden gewählt worden. Der SPD-Politiker Ralph-Harry Klaer hat sich am Mittwoch von diesem Amt verabschiedet – wie nach der Kommunalwahl mit den Grünen vereinbart. Yilmaz, der neue Mann an der Spitze, ist auch gespannt auf die repräsentativen Aufgaben.

Was erwarten Sie, was auf Sie zukommt?

Sayhan Yilmaz: Ich erwarte, dass mehr Arbeit auf mich zukommt. Es gibt für einen Bezirksvorsteher viele repräsentative Aufgaben, die man wahrnehmen muss. Außerdem erwarte ich eine weitere sehr gute Zusammenarbeit mit der SPD in der Bezirksvertretung, aber auch, dass wir uns mit allen anderen Fraktionen so gut verstehen, dass wir konstruktiv zusammen arbeiten können.

War so ein Amt wie der Vorsitz im Integrationsrat für Sie eine gute Vorbereitung, um der Bezirksvertretung Nord vorzustehen?

Yilmaz: Ich bin jetzt schon viele Jahre in der Kommunalpolitik unterwegs. Ich denke, ich habe dabei genug gelernt, um einer solchen Aufgabe nun gerecht zu werden.

Gibt es Dinge, auf die Sie sich besonders freuen, und Dinge, auf die Sie sich weniger freuen?

Yilmaz: Ich freue mich sehr auf Bezirksvertretungssitzungen, in denen man gut zusammenarbeitet und gut vorankommt. Aber worauf ich mich gar nicht freue, sind Sitzungen, in denen, nur um Politik zu machen, gestritten wird, obwohl man in der Sache eigentlich einer Meinung wäre.

Und was die repräsentativen Termin angeht – freuen Sie sich da auf alles?

Yilmaz: Ich bin sehr gespannt, wie ich ankomme, als erster grüner Bezirksvorsteher im Krefelder Norden und als jemand mit einem Migrationshintergrund.

Wieso, war das in Ihrer politischen Arbeit schon einmal ein Problem für Sie?

Yilmaz: Nein, für mich war das bisher keines. Ich habe bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Es war für niemanden bisher ein Thema.

Wie war die Resonanz auf Ihre Kandidatur zum Bezirksvorsteher?

Yilmaz: Meine Fraktion freut sich, wünscht mir viel Glück und ein gutes Händchen.

Wird es für Sie leicht sein, das zusätzliche Amt und die Aufgaben mit Beruf und Familie zu vereinbaren?

Yilmaz: Die ganze Sache ist ja an langer Hand vorbereitet, gerade mit meiner Familie. Ich habe die volle Unterstützung meiner Frau. Und mein Arbeitgeber ist sehr flexibel bei den Arbeitszeiten und bezüglich Homeoffice.

Zu den vielen Terminen im Bezirk gehören auch Karneval, Schützenfeste und vieles mehr – das Vereinsleben vor Ort ist sehr rege. Ist das etwas für Sie?

Yilmaz: Also was zum Beispiel Karneval angeht, da bin ich jedes Jahr im Rathaus dabei gewesen und habe Altweiber mitgefeiert. Ich werde sicher nicht zu jeder Veranstaltung von Vereinen und anderen gehen können, aber ich werde es versuchen.

Was sehen Sie als die schwierigsten Themen im Norden in den kommenden zwei Jahren Ihrer Amtszeit, also bis zur nächsten Kommunalwahl?

Yilmaz: Eine der größten Herausforderungen ist das steigende Grundwasser im Dykgebiet. Ich habe ja auch über ein Jahr mit in der Arbeitsgruppe gesessen, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Die Arbeit von Grünen, SPD und CDU hat in dieser Arbeitsgruppe sehr gut geklappt. Ich hätte mir gewünscht, dass auch andere Mitglieder der Bezirksvertretung da mitgemacht hätten.
Das zweite wichtige Thema wird der Schroersdyk bleiben. Wir müssen das, was realisierbar und sinnvoll ist, mit den Wünschen der einzelnen Betroffenen zusammenbringen. Wenn man zehn Leute fragt, bekommt man 15 Vorschläge. Wir haben sehr selbstbewusste Bürger, und auf der anderen Seite muss die Verwaltung sehen, dass sie den Ausbau des Schroersdyk in bezahlbarem Rahmen hält. In meinem Beruf, im Projektmanagement, gibt es ein Dreieck aus Kosten, Zeit und Qualität, bei dem klar ist, zieht man an einer Ecke, verändert sich der Rest. Wenn wir beim Schroersdyk zu sehr auf die Kosten achten, ginge das zu Lasten der Qualität. Wenn wir nur auf Qualität achten, würde es zu teuer und länger dauern. Wenn wir zu schnell sind, hätte es einen Effekt auf die Qualität, und die Kosten könnten explodieren.

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