Naturschützer warnen vor den Folgen eines Surfparks am Elfrather See

Naturschutz- und Erholungsgebiet : Baum- und Naturschützer bangen um Zukunft des Elfrather Sees

Die Stadt will den Bebauungsplan für einen Surfpark so schnell wie möglich aufstellen. Baumschützer, Nabu und BUND weisen hin auf Flächenversiegelung, Verkehrsströme, zunehmenden Lärm und Naturzerstörung.

Nicht viel Zeit verlieren will die Stadt bei der möglichen Realisierung eines „Surf- und Naturparks powered by Wavegarden“ am Elfrather See. Nachdem kurz vor Weihnachten die Firma Elakari als Projektentwickler und Oberbürgermeister Frank Meyer das 25 Millionen Euro teure Vorhaben unserer Zeitung vorgestellt haben, soll im Ausschuss für Stadtplanung am 30. Januar, in den Bezirksvertretungen Ost und Uerdingen sowie abschließend im Rat am 6. Februar der dazu notwendige neue Bebauungsplan 836 - östlich Elfrather See, südlich Asberger Straße - eingeleitet werden. 2023 soll die Outdoor-Surfanlage eröffnet werden, so der Wunsch.

Meyer und Beigeordneter Markus Schön glauben an eine Initialzündung für das gesamte Areal und begrüßen das dortige Angebot weiterer Möglichkeiten für Sport, Bewegung und Freizeit. Auch mit der Möglichkeit einer „Home Base“ für olympische Sommerspiele in NRW im Jahr 2032 wird geliebäugelt. Wegen der immer größer werdenden Fan-Gemeinde wird Surfen in Tokyo in diesem Jahr olympische Diziplin. Somit ist diese Überlegung nicht ganz unrealistisch. Mit 200 000 Besuchern im Jahr aus dem Ruhrgebiet ebenso wie den angrenzenden Niederlanden rechnet der Investor im Jahr. Geplant sind neben der „Lagune“ weitere Freizeitmöglichkeiten (Kletterpark), Wellness (Yoga, Tai Chi, Spa), Gastronomie und möglicherweise auch Übernachtungsmöglichkeiten.

Sorge wegen Versiegelung von Fläche und Verkehrsaufkommen

„Mit der Ruhe und der Naherholung ist es dann vorbei“, fürchten Bernd-Dieter Kraft und Uwe Wolniewiez von der Bürgeraktion Baumschutz Krefeld. Ebenso wie die Krefelder Kreisgruppe vom BUND und Veronika Huismann-Fiegen vom Nabu Krefeld-Kreis Viersen haben sie erhebliche Bedenken aus Sicht des Natur- und Landschaftsschutzes, des Gewässerschutzes, des Lärmschutzes sowie wegen des Energie- und Ressourcenverbrauchs. „Eine solche Beton-Anlage mit 300 Parkplätzen und allem drum und dran widerspricht den Natur- und Klimazielen, die wir alle erreichen wollen“, sagt Kraft. Allein das zu erwartende Verkehrsaufkommen im Landschaftsschutzgebiet und die großen Naturflächen, die dafür versiegelt werden sollen, seien mit dem ausgerufenen Klimanotfall in Krefeld unvereinbar. Rund 160 Hektar groß sei das gesamte Areal, die Wasserfläche nehme davon alleine 100 Hektar ein. 15 Hektar groß ist die vorgeschlagene Fläche für den B-Planentwurf. Das wären ein Viertel der Naturfläche.

Bislang werden nur ruhige Sportarten am E-See ausgeübt

Schon jetzt wird Sport am Elfrather See getrieben. „Doch das sind mit Segeln, Rudern, Fischen, Schwimmen, Radfahren und Spazierengehen ruhige Sportarten“, sagt Kraft. Auch das Surfen selber sei eine ruhige Sportart. „Aber nicht der ganze Rummel und die mögliche musikalische Beschallung drumherum.“

Aufgrund der schlechten Wasserqualität mehrere Jahre hintereinander ist der Badesee des Elfrather Sees gesperrt. Kraft macht der Stadt den Vorwurf, ihn jahrelang vernachlässigt zu haben. Ebenso wie Veronika Huismann-Fiegen hatte Kraft vor ein paar Jahren an einem eintägigen Workshop am Elfrather See teilgeneommen, der von der Stadt initiiert und von einem professionellen Moderator durchgeführt wurde.

Der dort erarbeitete Konsens lautete laut Huismann-Fiegen: „Der nördliche Teil des E-Sees bleibt für Natur und ruhesuchende Bevölkerung erhalten, der südliche Teil wird für Events freigegeben. Auch sollte der nur dreieinhalb Meter tiefe Badesee zwecks Wasseraustausch an den großen See angeschlossen werden. Und zwar an einer Stelle zur Taucherbucht und an anderer Stelle zum großen See hin.“ Davon habe man aber nie mehr etwas gehört.

Die Fläche für die geplante Anlage nördlich des Badesees soll weiterhin im Eigentum der Stadt bleiben. Über eine Verpachtung möglicherweise auf Erbpachtbasis wird nachgedacht. „Was wird aus der zu betonierten Fläche, wenn die Surfanlage nicht in der Form angenommen wird und im schlimmsten Falle pleite geht?“, fragt Wolniewiez. Muss dann der Steuerzahler für den Rückbau aufkommen? Oder ist die Naturfläche dann verloren?