Verdis La Traviata  im Espresso-Format in Krefeld

Oper Kompakt : Verdis „La Traviata“ im Espresso-Format

Dieses Jahr präsentiert der Verein Music to go eine kompakte Version der italienischen Oper. Alles bei freiem Eintritt am Schwanenmarktbrunnen.

Beim Schlendern durch die Krefelder Innenstadt: Kurz innehalten und sich in die magische Welt der Oper hineinziehen lassen. Vielleicht verweilen und zulassen, dass die Stimmen, die Musik, die Geschichte einen packt und mit sich zieht, oder auch nur kurz einen Hauch Kunstmusik um die Ohren wehen lassen – das hat man nicht alle Tage. Wenn, dann finden sich Gelegenheiten, um Opern-Stimmung mitzunehmen, meist nur bei größeren Open-Air-Klassik-Events, doch diese sind nicht immer – sogar meistens nicht – kostenlos und fahren nicht selten größere Opern-Geschütze auf.

Oper im Espresso-Format war schon mehrfach in Krefeld

Das Gegenteil von großem Tamtam ist indes die „Oper im Espresso-Format“ des Vereins Music to go, der schon mehrfach in Krefeld gastierte und die große Opernwelt wirklich in eine kompakte, kammermusikalische, Form gießt. Ganz unaufgeregt und zugleich sehr liebevoll gestaltet mit einer beachtenswerten musikalischen Qualität präsentiert man auf einer kleinen Bühne eine wahrhaft kondensierte Version von Musiktheater-Werken. Zuletzt waren es Operetten, dieses Jahr darf es italienische Oper sein.

Doch um ein Haar wäre der Auftritt des kleinen Ensembles um die Sopranistin und Macherin des Projekts Désirée Brodka am Schwanenmarktbrunnen am Schwanenmarkt Center in der Krefelder Innenstadt (Hochstraße) dieses Jahr fast nicht möglich gewesen.

Dies lag aber nicht daran, dass Musiker – es ist ein Streichquartett – oder Sänger auf irgendeine Weise indisponiert sind oder weil man befürchtete, wenig Zuspruch zu erhalten, sondern an organisatorischen Gründen. Denn durch Veränderungen am Standort um den Schwanenmarktbrunnen (Außenterrasse) habe es Bedenken gegeben, ob die Feuerwehrzufahrt noch gewährleistet werden könne.

Schlussendlich baut Music to go aber keine große feststehende Bühne und ist eher eine mobile Angelegenheit. Wie man uns mitteilte, stehe jetzt also dem kleinen Opern-Event nichts mehr im Wege.

Das heißt, am 9. August ab 17 Uhr erwartet das Ensemble wirklich alle Menschen, die – vielleicht auch mal aus Neugierde – sich auf Verdis Oper „La Traiviata“ in einer speziell für das Projekt bearbeiteten Version einlassen möchten. Und das kostenlos frei nach Lust und Laune. Da man nicht allzu viele Sitzmöglichkeiten von sich aus zur Verfügung stellen könne, empfehlen die Veranstalter für diejenigen, die nicht nur spontan kurz vorbeischauen möchten, sondern bewusst planen, die ganzen gut 80 Minuten Aufführung zu verfolgen, sich einen Sitzuntersatz mitznehmen. Klappstühe oder Campingstühle unterschiedlicher Variante bieten sich da ja an.

Die Traviata, eine tragische Geschichte um die schwindsüchtige Kurtisane Violetta ihren Verehrer Alfredo und die Gesellschaft, die dieser Liebe durch Vorurteile im Wege steht, verdichtet man auf drei Figuren. Oben genannte Hauptrollen verkörpert durch Brodka und Carlos Moreno Pelizari als Alfredo und dessen Vater Giorgio Germont, der von dem Bariton Agris Hartmanis gesungen wird. Um die Geschichte fasslicher und trotz der notwendigen Verdichtung verständlich zu machen, übernimmt die Sopranistin zugleich die Moderationen, die das Publikum durch das Geschehen leiten möchten. Die Partitur Verdis wurde zugleich von Raphael D. Thöne für Streichquartett arrangiert und für drei Opernsänger eingerichtet. Die Erste Violine im Streichensemble übernimmt die Krefelderin Katharina Storck, die hauptberuflich Musiklehrerin in Korschenbroich ist.

Viele Protagonisten des Projekts – allesamt Profis ihres Fachs – kennen sich noch von der Musikhochschule in Düsseldorf, wo Storck, Brodka und Thöne studierten. Tenor Carlos Moreno Pelizari wurde in Santiago de Chile geboren und studierte dort an der Pontificia Universidad Catolica de Chile. Seit 2011 setzte er sein Studium an der Folkwang Universität der Künste in Essen fort, er war auch schon am Theater Krefeld-Mönchengladbach zu erleben. Bass-Bariton Agris Hartmanis aus Lettland war in der Umgebung schon am Theater Aachen aktiv.

Man darf gespannt sein, wie ihre Deutung von Verdis Oper sich ausmachen wird. Sollte das Wetter indes nicht mitspielen wollen, findet die Aufführung trotzdem statt - allerdings unter Zelten.

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