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Pax Christi: Die Resonanz des Raums

Pax Christi: Die Resonanz des Raums

In Pax Christi treten Kunst und Tanz in einen Dialog.

Krefeld. Kirche, Kunst und Tanz: Wie perfekt das zusammenpasst, konnte man am Freitag in Pax Christi erleben. Im Rahmen von Tanz NRW kam es unter dem Titel „Resonanz. Tanz und Raumkunst“ zu einem eindrucksvollen Dialog zwischen dem Bildhauer Hans Joachim Albrecht und der Tänzerin Sabine Seume.

Drei zentrale Kunstwerke der Kirche bildeten die Stationen. „Raumkunst hat in der Entstehung viel mit Tanz zu tun“, sagte Albrecht zu Beginn. Beide schaffen Bilder. Während diese Prozesse fließend seien, werde in der Bildhauerei das Vergängliche in starrer Form festgehalten.

Ein Beispiel dafür ist der steinerne Altar von Ulrich Rückriem, die erste Station des Abends. Aus einem einzigen Steinblock geformt, der horizontal gespalten wurde, zieht er alle Blicke auf sich. Albrecht beschreibt ihn als archaisches und sprechendes Gebilde, seine ausgesparte Mitte im unteren Block als Nervenstrang, der den ganzen Raum definiert.

Aus der spitzwinklig geformten Apsis tastet sich Seume, barfuß und in einem langen grauen Kleid, hervor, und nimmt mit ihrem Körper direkt Kontakt zum Altar auf. Sie berührt ihn mit Kopf oder Rücken, versucht ihn scheinbar wegzuschieben und zwängt sich allmählich durch seine Öffnung hindurch. Der Anblick ihrer gekreuzten Arme darin gehört zu den eindrucksvollsten Bildern des Abends.

An der gegenüberliegenden Wand ist eine keramische Figur von Nils Dietrich platziert. Als gesprengte Form, die Umrisse eines Körpers erkennen lässt, erinnert sie an irdische Schwerkraft und den Versuch auszubrechen. Auf einem darunter befindlichen Podest zeigt Seume in einer beklemmenden Choreografie die verzweifelten Versuche der Überwindung in Form heftigen Atmens, Aufrichtens und Fallens.

Klaus Rinkes „Tor zur Ewigkeit“, eine in das Mauerwerk eingelassene schwarze Granitplatte, ist die letzte Station. Aus der Distanz funktioniert es als Spiegelfläche, deren Bild in der Nähe immer undeutlicher wird. Für Albrecht ist es ein Symbol für die Scheinhaftigkeit und Subjektivität unserer Existenz: „Es gewährt einen matten Blick in unser Inneres.“ Als geheimnisvolles Spiegelbild setzt Seume den großartigen Schlusspunkt unter einen tiefgründigen Abend. MP