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Jazztag auf der Insel der Glückseligen

Jazztag auf der Insel der Glückseligen

Ein bemerkenswertes Konzert des Jazzklubs brachte zwei Virtuosen zusammen.

Krefeld. Die Unesco hat 2012 zum ersten Mal den „International Jazz Day“ gefeiert. In Krefeld ist ja mindestens 50 Mal im Jahr Jazztag, dem Jazzklub sei Dank, der die Stadt seit 34 Jahren mit seinen Konzerten zur Insel glückseliger Jazzfans macht. Jedenfalls ließ sich der Klub nicht lumpen und nutzte den zweiten Unesco-Jazztag zu einem Pianokonzert der Extraklasse im Rittersaal der Burg Linn. Mit Florian Weber (*1977) und Joachim Kühn (*1944) wurden herausragende Vertreter zweier Generationen verpflichtet.

Weber gestand dem Publikum mitten in seinem Set, dass dies sein „erstes Solokonzert in einem größeren Rahmen“ sei — ein bescheidener Virtuose. Die Intensität seines Spiels verdankt sich oft formaler Finesse. Immer wieder nutzt er rhythmisch äußerst komplexe Ostinati in der Linken, um mit der Rechten gegenläufige Rhythmen zu setzen.

Bezeichnend, dass er auf die verwegene Idee kommt, einen 27/16-Takt zu kreieren. Abgesehen davon, dass derlei für Nichtmusiker nicht mehr nachzuvollziehen ist, drückt sich darin eine gewisse Formverliebtheit aus. Immer wieder gelingen Weber mit der Verschachtelung von Rhythmen und virtuoser Überlagerung von Stimmen Kabinettstückchen.

Der annähernd doppelt so alte Joachim Kühn ertastet erst einmal im schwebenden Rubato eine brüchige Melodie. Später lässt er sogar einmal die linke Hand ganz ruhen, tupft Fragmente einer Melodie nur mit der Rechten fast andächtig in die Stille.

Auch Kühn nutzt ab und zu Ostinati, aber öfter spannt er lange Bögen über ausgedehntere Formen. Ausgerechnet er, der Free-Jazz-Gestählte, spielt dann ab und zu Blue Notes, beginnt gar, in kurzen Phasen triolisch zu swingen, womit er der amerikanischen Jazztradition näher kommt als der jüngere Weber.

Kühns Spiel atmet, wechselt zwischen fragiler Klarheit und chromatischer Ballung, befindet sich oft auf der Suche nach dem nächsten Schritt. Weber hingegen rast den abgesteckten Parcours seiner Kompositionen entlang, brilliert im Ausloten der Form.

Man hatte so das seltene Glück, Virtuosentum in zwei Ausprägungen zu erleben. Mit Kühn die freiere Art des erfahreneren Musikers, der die Formen zu bedienen weiß, sie aber auch weit hinter sich lassen kann, mit Weber die des Jüngeren, der fast ständig seine technischen Möglichkeiten ausreizt. Ein bemerkenswertes Konzert.