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Die Magie hinter dem Licht

Die Magie hinter dem Licht

Ab Donnerstag zeigt der Kunstverein faszinierende Gemälde und Installationen von Günter Dohr.

Krefeld. Am Anfang war das Licht. Neonröhren hinter Plexiglas, die kalte oder warme Farbfelder hinterließen. Nachdem er diese Objekte über viele Jahre konstruiert und studiert hatte, begann Günter Dohr, sie zu malen. Nicht eins zu eins, eher wie eine Ahnung von Licht auf Leinwand, behutsam entzündet in Öl oder Acryl.

Dohrs Bilder aus den späten achtziger und frühen neunziger Jahren, die neben einigen Lichtobjekten ab Donnerstag im Kunstverein zu sehen sind, entfalten eine magische Anziehungskraft. Auf den ersten Blick sind die großformatigen Gemälde weiß, grau, schwarz oder rosa. Doch je näher man ihnen kommt, umso mehr beginnen sie zu leuchten und zu schimmern, als sei ihre oberste Schicht nur dazu da, ein darunter liegendes Geheimnis zu verbergen. Man könnte sie Zentimeter für Zentimeter absuchen, und sie sähen mit jedem Blick anders aus.

Dohr, der in Kassel beim Documenta-Gründer Arnold Bode studiert hat und später selbst Professor an der Hochschule Niederrhein wurde, hat diese Leinwände seinerzeit auf zwei Holzböcke gelegt und mit großen Pinseln bearbeitet. „Die Farben waren sehr flüssig“, erzählt seine Frau Martina. Oft arbeitete Dohr an zehn Leinwänden gleichzeitig, viele hat er danach einfach abgespannt und weggeschmissen. Zufrieden war er nur, wenn er das Licht mit seinen Farben eingefangen hatte.

Seit 2004 hat der 76-Jährige nicht mehr gearbeitet. Günter Dohr ist schwer krank, er leidet an einer neurologischen Bewegungsstörung, die ihm das Gehen und Sprechen schwer macht. Obwohl er geistig hellwach ist, wird er nie wieder malen. Die Ausstellung wirkt fast wie ein Vermächtnis zu Lebzeiten.

In Krefelds Stadtbild ist Dohr ohnehin präsent. Seine Lichtinstallation im Tunnel des Hauptbahnhofs scheint selbst Schmierfinken Respekt abzuringen. Sie bleibt seit Jahren seltsam unangetastet von Graffiti. Die Faszination von Licht, der wir schon in den ersten Momenten unseres Lebens begegnen, scheint jede Sozialisation zu überdauern.