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Kein Platz für Zangs und Luther

Kein Platz für Zangs und Luther

Ein Krefelder Unternehmer bietet seine Sammlung für eine Ausstellung an — doch das Museum winkt ab.

Krefeld. Adolf Luthers Spuren in Krefeld sind fast verwischt. In seiner Heimatstadt überdauern nur ein kleines Schild an seinem Geburtshaus, die Glaslinsen auf dem Ostwall und seine Stiftung. Zum 100. Geburtstag gab es immerhin einen Festakt im Rathaus.

Mit Herbert Zangs ist es noch schwieriger: Der Vorreiter der Zero-Bewegung ist fast vollständig aus der Stadt verschwunden, in der er 1924 geboren wurde und 2003 starb. Ausstellungen gibt es von Paris bis Izmir, nicht jedoch in Krefeld. Die Museen haben Zangs zuletzt 1950 als Einzelkünstler gezeigt, Luther 1977.

Rüdiger K. Weng möchte das ändern. Der Krefelder Unternehmer, seit 2012 mit seinem Kunsthandel an der Börse, besitzt privat eine Sammlung mit fast 500 Arbeiten von Luther und Zangs. „Ich habe der Stadt angeboten, ihr diese Kunstwerke für eine Retrospektive im Kaiser-Wilhelm-Museum kostenlos zur Verfügung zu stellen“, sagt Weng. „Ich wäre auch bereit, mich an einem Katalog und anderen Kosten zu beteiligen.“

Weng ist überzeugt, dass eine Ausstellung mit selten oder nie gezeigten Bildern der großen Söhne die Bürger in Massen ins Museum locken würde. „Es ist eine Ironie, dass alle wichtigen Ausstellungen dieser beiden Künstler außerhalb ihrer Heimat stattfinden. Sie nun in den Fokus zu rücken, würde mehr Interesse hervorrufen als jede andere Ausstellung.“ Die Kosten für die Stadt würden laut Weng überschaubar bleiben: „Es gibt aus meiner Sicht keine Argumente dagegen.“

Museumsdirektor Martin Hentschel dürfte das anders sehen. Inhaltlich will er sich zwar nicht zu dem Vorschlag äußern, zumal es bisher keinen direkten Kontakt mit Rüdiger K. Weng gegeben hat.

Doch für seine Amtszeit schließt er eine solche Schau kategorisch aus: „In den ersten zwei Ausstellungen nach Wiedereröffnung des Museums möchten wir Facetten der Sammlung zeigen. Luther wird auch vorkommen — aber nur mit einem Werk.“ Danach, etwa 2016, wird Hentschel das Rentenalter erreicht haben: „Was dann passiert, kann ich nicht sagen.“

Doch auch ein möglicher Nachfolger könnte Wengs Vorschlag kritisch gegenüberstehen. Museumsdirektoren lassen sich ihre Ausstellungen ungern von Sammlern und Geldgebern diktieren. „Das hat immer ein Geschmäckle“, sagt ein Insider. „Durch die Museumsausstellung wird schließlich auch der Wert der Sammlung gesteigert.“ Bei Zangs kommt grundsätzliche Skepsis hinzu. Einige seiner Werke stehen im Verdacht, vordatiert worden zu sein.

Trotz dieser Bedenken könnte Wengs Idee eine alte Debatte neu anheizen. Immer wieder wird Kritik an der Ausrichtung der Museen laut (siehe Kasten). Während Hentschel sie international positioniert und dies mit hochkarätigen Ausstellungen unterstreicht, vermissen viele Krefelder die Hinwendung zur hiesigen Kunstszene — aktuell wie historisch.

Magdalena Broska, Vorsitzende der Luther-Stiftung, hat dies bereits mehrfach kritisiert. Zum Vorstoß des Sammlers Weng will sie sich nicht äußern, betont jedoch: „Es ist längst fällig, zwei Krefelder Künstler, die international Anerkennung finden, in ihrer Heimatstadt zu würdigen. Es ist Aufgabe des Museums, das zu tun.“

Dass besonders Luther diese Anerkennung längst erfahren hat, lässt sich auch an den Preisen am Kunstmarkt ablesen. Bei Auktionen erzielen seine Arbeiten sechsstellige Summen, das wachsende Interesse an der Zero-Bewegung hat auch ihn und Zangs neu in den Fokus gerückt.

In anderen Städten reagieren Museen auf diese Entwicklung, was Broska auch an den Anrufen merkt, die sie bekommt. Zwei Ausleihen hat sie gerade auf den Weg gebracht: Ein Luther geht aus Krefeld ans Städel-Museum Frankfurt, ein Zangs an die Städtische Galerie Danzig.