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Krefelder Stadtmarketing entdeckt den Charme der besonderen Orte

Ästhetik des Alltags : Stadtmarketing entdeckt den Charme der besonderen Orte

Den Zauber einer Imbissbude herausschälen oder beispielsweise die Aura einer Tankstelle in schönes Licht stellen – für das kreative Krefelder Stadtkultur-Projekt werden Mitmachwillige gesucht.

Im Theater weiß man, dass über die Qualität vor allem aber auch die Gesamtstimmung einer Inszenierung nicht nur die Hauptrollen, sondern auch die Nebenrollen bis in die kleinste Partie hinein entscheiden können. Jene sind oft sogar die eigentliche Würze in der Suppe. Ähnliches gilt auch für Städte – und nein, dieser Vergleich hinkt nur auf den ersten Blick. Denn die großen Sehenswürdigkeiten, die zentralen Plätze und die gewichtigen Prunkstraßen einer Stadt sind zwar unerlässliche Zutaten für eine attraktive und interessante Stadt, so wie gute Hauptrollen es sind, aber die Würze, das wohldosierte Salz in der Suppe, sind dann doch oft eher die kleinen mal charmanten, mal auch etwas angerosteten oder skurrilen Orte. Jene sind maßgeblich für die Aura einer Stadt – eine „Stimmung“, die den Grundton, die Basis gibt für das lebendige Treiben.

Das Projekt ist Teil des
„Krefelder Perspektivwechsels“

Welch ein magischer Ort eine Imbissbude sein kann, das war in extenso jüngst auch in unserer Zeitung nachlesbar. Unser Autor Sebastian Dalkowski berichtete über den Mikrokosmus von Bläsens Imbiss an der Oppumer Straße.

Den Charme dieser Orte hat auch die Stadt erkannt. Passend zum Themenjahr Stadtkultur des „Krefelder Perspektivwechsels“ möchte das Stadtmarketing der Stadt den Blick auf diese Orte lenken. Unter dem Titel: „Krefelder Glamour Passion“. „Der Kiosk um die Ecke, das kleine Büdchen in der Nebenstraße, die Tankstelle, der Lottoshop, die Paketannahmestelle und der Imbiss sollen in diesem Jahr zu Kreativräumen für Künstler und Kulturschaffende werden“, heißt es in eine Meldung der Stadt. Und man suche nun Krefelder, die Interesse an dem Projekt haben.

„Ich denke, viele von uns haben eine Anekdote über ihren Lieblingskiosk oder ihren
Stammimbiss auf Lager. Diese Geschichten möchten wir ausgraben und erzählen“, sagt Claire Neidhardt, Leiterin des Stadtmarketings. So richte sich der Aufruf an gleich drei verschiedene Zielgruppen: Neben den Kreativen sind auch Imbiss-, Kiosk- und Tankstellenbesitzer gefragt sowie „jeder Bürger, der eine Anekdote zu diesem Thema beitragen kann.“

Und wie soll das dann aussehen? Die Macher vom Stadtmarketing wünschen sich eine kreative zielgerichtete Auseinandersetzung mit dem Charme dieser Kultorte, durch die Konnexe zum Ort und dessen Geschichte herausgearbeitet werden. Sonst gäbe es keine Grenzen. Alle Genres seien gefragt. „Ob Maler, Poet, Filmer, Kabarettist, Musiker, Künstler oder Slammer“ – alle seien aufgerufen, sich mit ihren jeweiligen Mitteln zu beteiligen. Was indes Voraussetzung ist, dass das Produkt der kreativen Auseinandersetzung digitalisierter sein muss. „Sodass es im Rahmen einer App digital ausgespielt werden kann“, betont man in dem Aufruf. Die App arbeite mit „Augmented reality“ – das heißt, sie projiziert im Handy virtuell Objekte oder weitere Eingriffe auf das Abbild der realen Szenerie, auf die der Benutzer des Handys gerade sein Endgerät richtet.

Das Ziel ist eine wachsende virtuelle Landkarte

Am Ende soll eine wachsende Landkarte dieser Orte entstehen, so der Wunsch. Über die App sollen die in Verbindung mit dem Ort entstandenen kulturellen Beiträge abrufbar sein und „die Krefelder auf eine besondere Reise durch die Stadt und ihre kulturelle Identität mitnehmen.“ Für die kuratorische Begleitung hat sich das Stadtmarketing Kim Schwerm zur Seite geholt. Sie ist Teil des Vereins Provinzgiganten und war auch schon beim Krefelder Leuchten – der weihnachtlichen Aktion des Stadtmarketings gemeinsam mit dem Verein – beteiligt.

Betreiber und Kunden von besonderen Orten können sich direkt per E-Mail an Ansprechpartnerin ist Anika Kern (anika.kern@krefeld.de) wenden. Hier gibt es keine Deadline. Als Kreativer bewerben kann man sich online. Dort finden sich weitere Details wie genaue Kriterien für eine Bewerbung. Eine erste Skizze für das jeweilige Projekt ist vorab einzureichen. Das künstlerische Budget liegt je nach Aufwand zwischen 300 und 900 Euro. Die Umsetzung muss in Eigenregie möglich sein und die Zustimmung des Eigentümers ist obligatorisch. Einsendeschluss für Kreative ist der 7. Mai. Bis Ende Mai wird eine Rückmeldung gegeben, ob die Idee finanziert wird und mit welchem Betrag. Die Umsetzung sollte im Laufe des Junis 2021 erfolgen. Alle Informationen finden Interessierte online.

krefelder-perspektivwechsel.de