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Zeitgenössischer Tanz wird aus Krefeld gestreamt

Kultur digital aus Krefeld : Zeitgenössischer Tanz wird aus Krefeld gestreamt

Das Festival Tanz-NRW findet dieses Jahr wegen Corona ganz digital statt. Es gibt auch partizipative Formate über Zoom.

Welch zentrale Bedeutung die Tanzkunst für die Sphäre der Kultur hat, erkennt man auch daran, dass „Moderner Tanz“ just von der Bundesrepublik der Unesco als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit vorgeschlagen wurde.

Die ganze Breite der Ausprägungen zeitgenössischen Tanzes vermag wunderbare Brücken zu schlagen zwischen performativen Ausdrucksformen, Theater, Bewegung, Klang und Musik bis hin zu neuen medialen Verwebungen, bei denen nicht selten die Grenzen von Mensch und virtueller Realität ausgelotet werden. Wie man es bei Veranstaltungen beispielsweise in der Krefelder Fabrik Heeder schon häufig erleben konnte. Wer sich für das interessiert, neugierig darauf ist, wie Choreografen und Performer aus Emotionen Bewegungen und aus Bewegungen Geschichten machen können, der hat coronabedingt das erste Mal die Gelegenheit, dies mit Fokus auf NRW rein digital zu tun. Auch aus Krefeld.

Gestreamt wird über die Plattform dringeblieben.de

Es ist den Machern von Tanz-NRW 21, dem Festival für zeitgenössischen Tanz, für Krefeld ausgerichtet durch das Kulturbüro, nachdem sie noch gehofft hatten zumindest eingeschränkt auch in Präsenz agieren zu können, gelungen, ihr gesamtes Programm auf digitalen Wegen an das Publikum zu bringen. Vom 28. April bis 9. Mai 2021 werden alle eingeladenen Produktionen auf der Plattform dringeblieben.de gestreamt und das partizipative Festivalprojekt „Just in Time“ von „Deufert&Plischke“ sowie alle interaktiven und inklusiven Online-Formate über Zoom angeboten.

Gewiss, wie man selbst betont, es wird ein Experiment. Mehr als 40 Vorstellungen von 28 Kompanien in 12 Tagen – und alles virtuell. „Das Programm wurde entsprechend angepasst, sodass das Publikum mehrere Vorstellungen an einem Tag ansehen kann“, erläutert man. Der Verlust des Live-Erlebnisses, der gerade bei einer so physischen Kunst wie Tanz doch recht schmerzlich ist, mag ein herber Einschnitt sein, andererseits gewinnt man durch das Digitale eine neue, so wohl noch nie dagewesene, Möglichkeit: „Wer in Münster wohnt, muss nicht nach Köln fahren, um sich Billinger & Schulz‘ Performance „Car Walk“ samt Auto (8. Mai) anzusehen. Wer in Krefeld lebt, kann sich auch die Wuppertaler Programmauswahl mit dem Tanztheater Wuppertal Pina Bausch ansehen.“

Auch der Festivalstart (28. April) aus Viersen mit Reut Shemeshs „Cobra Blonde“ oder Hartmann-Muellers Schöpfungs-Performance, ihre grandiose Kunst ist längst kein Geheimtipp mehr, – der von der NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen eröffnet wird – wird live übertragen und ist für alle über dringeblieben.de zugänglich. „Jeder kann unabhängig von Land, Region oder Stadt das gesamte Festival erleben“, betonen die Macher. Die große Vielfalt des Angebots lässt sich hier in aller Kürze kaum überschaubar abbilden. Jedoch Namen wie beispielsweise Ben J. Riepe, Cooperativa Maura Morales, oder Mouvoir/Stephanie Thiersch oder um Institutionen zu nennen die Kooperation von Tanzhaus NRW und Ballett am Rhein mit „Step by Step“ klingen wirklich sehr vielversprechend.

Aus Krefeld selbst gibt es folgende digitale Angebote: Freitag, 30. April, 19 Uhr, über Zoom eine sogenannte „Physical Introduction“, also eine Art Bewegungs-Einführungs-Veranstaltung zu dem Stream vom dritten Teil von Emanuele Soavis Atlas-Trilogie. Ab 20 Uhr am selben Tag zu sehen. Bei „Blu Blu Blu“, so der Untertitel, treffen Künstler aus den Sphären des Tanzes, der Musik und des asiatischen Kampfsports aufeinander. Und treten in Bewegungs-Dialoge.

Am Sonntag, 2. Mai ist als Live-Stream aus Krefeld „Hybridity“ von CocoonDance zu erleben. Ab 18 Uhr kommt es zu einer dialektischen Verschmelzung aus Thai-Boxen und romantischem Ballett des frühen 20. Jahrhunderts – so in der Ankündigung nachzulesen. Choreografin Rafaële Giovanola spielt bewusst mit Stärke und Zerbrechlichkeit; spannend. Im Anschluss gibt es Publikumsgespräch auf Zoom.

Am 8. Mai ist das „Just-In-Time-Workshop“ von Deufert&Plischke aus Krefeld zu erleben. Ab 15 Uhr ebenfalls über Zoom. Ein Austausch über eigene Tanzerfahrungen, der im Verfassen eines persönlichen Briefes an den Tanz mündet. Ab 19 Uhr ist die Performance „Circular Vertigo“ vom Overhead Project zu bewundern. Ein 100 Kilogramm schweres, von der Decke hängendes Turngerät (Pauschenpferd) und die Tänzerin Mijin Kim treffen aufeinander, um sich der Form eines Kreises „anzunähern“.