Kreaturen in sinnloser Hingabe

Kreaturen in sinnloser Hingabe

Fabian Seyd findet Inspiration in alten Büchern. Seine Ausstellung ist zurzeit in der Galerie Börgmann zu sehen.

Krefeld. Ein Mann im weißen Kittel blickt nachdenklich auf einen toten Fisch, der vor ihm liegt. Ein anderer versucht mit seinen Händen ein schwebendes menschliches Herz zu umfassen. Skurrile Situationen zeigen die Bilder von Fabian Seyd, die zurzeit in der Galerie Börgmann zu sehen sind.

Der junge Berliner Künstler, dessen Arbeiten bereits beim Galeriensonntag für Aufsehen gesorgt haben, versteht es mit seiner "Fütterung der Kreaturen", gleichermaßen zu faszinieren und zu irritieren. Er stöbert vorzugsweise auf Flohmärkten nach alten Bücher und Zeitschriften. Vergilbte Fotos aus einer anderen Zeit inspirieren ihn zu seinen Bildern, die mit unglaublicher Präzision und Technik gemalt sind.

Einzelne Figuren oder Gruppen löst er heraus und stellt sie in neue, manchmal absurde Zusammenhänge. Der Mann in dem Kittel mit Brille und Zigarette sieht aus wie ein Wissenschaftler aus den fünfziger Jahren. Den großen Fisch, der auf einem weißen Tischtuch wie aufgebahrt liegt, will er wohl einer näheren Untersuchung unterziehen.

Wissenschaft und Technik spielen in Seyds Bildern eine Rolle, auch wenn die Tätigkeiten oft rätselhaft bleiben. Als "sinnlose Hingabe" bezeichnet der Künstler das Tun seiner Figuren. Es geht ihm mehr um den Augenblick, um die Konzentration und Versunkenheit, mit der die Menschen in seinen Bildern agieren. Sie umgibt sie eine faszinierende Aura des Geheimnisvollen.

Die perfekt gemalten Gegenstände und Personen zeigen nur auf den ersten Blick eine schöne Oberfläche. So verkörpert das Mädchen im Kommunionkleid nur scheinbar eine heile Welt, der düstere Hintergrund spricht eine andere Sprache. Diesen Bruch der Idylle spiegelt auch die Maltechnik selbst wider.

Exakte, fast in altmeisterlicher Manier gemalte Passagen zeigen an einigen Stellen plötzlich Auflösungserscheinungen. Besonders deutlich wird das bei "Die Begegnung". Eine vierköpfige Familie, die einem Heimatfilm der fünfziger Jahre entsprungen sein könnte, weist auf die linke Bildhälfte. Dort löst sich die idyllische Landschaft in ein geometrisches Muster auf, das wie eine Erscheinung wirkt.

Diese Spiele mit Realität und Traum, beherrscht Seyd virtuos. Manchmal verspürt man ein bisschen zu viel Kalkül und zu wenig spontane Eingebung. So bleiben die Bilder ein wenig seelenlos. Sie beeindrucken, berühren aber nicht wirklich. Der erst 30-Jährige hat das Zeug, sich noch entsprechend zu entwickeln.

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