Kein Museums-Neubau – Denkmalschützer kritisieren Umbaupläne für KWM

Kein Museums-Neubau – Denkmalschützer kritisieren Umbaupläne für KWM

Die Idee eines Museums-Neubaus ist beerdigt. Doch den Sanierungsplänen für das Kaiser-Wilhelm-Museum droht neue Gefahr.

Krefeld. Zwei Wochen lang durfte die Sau fröhlich durchs Dorf toben, jetzt ist sie mausetot. Die CDU, bisher größte Befürworterin eines Museums-Neubaus auf dem Theaterplatz, übernahm am Dienstagabend im Kulturausschuss so wortreich wie kleinlaut die Beerdigung. "Visionen sind wichtig", erklärte ihre kulturpolitische Sprecherin Stefanie Neukirchner. "Aber das jetzige Kaiser-Wilhelm-Museum genießt hohe Akzeptanz und ist ein internationales Markenzeichen." Dass der CDU das nicht schon zwei Wochen vorher eingefallen ist, hatte deutliche Kritik aller anderen Fraktionen zur Folge.

Immerhin: Der Umbau, über den man vier Jahre gestritten hat, könnte nun wie geplant weitergehen - wenn nicht seit Dienstag ein neuer fieser Konjunktiv im Raum stünde. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) als obere Denkmalbehörde hat urplötzlich - und mehr als ein Jahr nach den politischen Beschlüssen zum Umbau des Museums - seine Skepsis an den Plänen des Architekten Winfried Brenne entdeckt.

In einem Brief an den Oberbürgermeister, der unserer Zeitung vorliegt, beklagen die Denkmalschützer den "hohen Verlust an historischer Bausubstanz" vor allem durch die Anhebung des Daches und den Abbruch des bisherigen Treppenhauses. Beides schmälere den Denkmalwert des Objekts erheblich. "Irreversible Substanzverluste" wie diese seien nicht hinnehmbar. Der LVR regt deshalb an, "auf einen Großteil der Umbaumaßnahmen (. . .) zu verzichten und sich im Wesentlichen auf die reine Instandsetzung (. . .) zu beschränken".

Der Brief, der entgegen des ernsten Inhalts das Datum 1. April trägt, sorgte am Dienstag für "Überraschung und Befremden" in der Verwaltungsspitze, wie Kulturdezernent Roland Schneider verriet: Die Stadt werde ihm "in allen Punkten entgegentreten".Die Verwunderung, die auch in der Politik spürbar war, ist verständlich: Nach einhelliger Auskunft aus der Verwaltung war der LVR seit 2006 in die Planung eingebunden.

Noch am 16. Dezember 2009 habe es ein langes Gespräch mit den Denkmalschützern gegeben, erklärte Abteilungsleiterin Monika Risse-Richter: "Dabei war kein Widerstand zu erkennen." Dennoch wird sich die Stadt mit dem unerwarteten Gegenwind befassen müssen.

Dass der LVR-Brief ausdrücklich den CDU-Vorstoß zu einem Museums-Neubau erwähnt, gibt ihm eine pikante Note. Einen Zusammenhang zwischen der jetzt beerdigten Idee und der plötzlichen Skepsis der Denkmalschützer witterte jedenfalls nicht nur SPD-Mann Hans Butzen: Spitzfindig fragte er sich, ob das plötzlich aufgetauchte Papier nun "erstellt" oder doch "bestellt" war.

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