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So läuft es in Düsseldorf im Home-Office mit Kindern in Zeiten von Corona

Kolumne: Woche 3 im Home-Office mit Kindern in Zeiten von Corona : Bockige Eltern und die Sehnsucht nach der Erwachsenenwelt

Home-Office mit Kindern in Zeiten des Coronavirus ist kein Selbstläufer. Das braucht einen ausgefeilten Plan.

Meine Tochter schaut mich doch tatsächlich erschöpft an: „Das war heute ein anstrengender Tag.“ Das Kind, das Lkw-Reifen die Straße rauf und runter schieben könnte und immer noch nicht müde wäre. Ich verkneife mir den Spruch über meinen Gemütszustand, decke sie zu, schleiche mich zum Kühlschrank und zelebriere meine im besten Fall elf Stunden anhaltende Freiheit mit einer Packung Eis und dem Fernseher. Völlige Kontrolle. Mein Eis, meine Fernbedienung. Mein Wohnzimmer.

Wir schreiben Woche drei des Corona-Tagebuchs und ich muss sagen: Es wird langsam. Wir genießen einen weniger hektischen Start in den Tag, weil wir jetzt die Fahrt zu Kindergarten und Arbeit zeitlich einsparen. Wir frühstücken in Ruhe und besprechen dabei unseren Arbeits- und Kinder-Zeitplan. Die drei Kinder dürfen aus einem Pool an Möglichkeiten abstimmen, was sie sich heute vornehmen, wir Eltern entscheiden über die Zeitfenster. So hat sich unser Familienvokabular innerhalb weniger Tage auf die Begriffe „Draußen-Zeit“, „Ruhe-Zeit“ oder „Bastel-Zeit“ erweitert. Auch die normalerweise auf einen Tag in der Woche regulierte „Fernseh-Zeit“ kommt nun häufiger über meine Lippen.

Bis zum Mittag bin ich oft nahezu euphorisch, wie gut es läuft. Dieses Gefühl nimmt dann im Laufe des Tages – um beim erweiterten Wortschatz zu bleiben – exponentiell ab. Spätestens am frühen Abend ist der Zeitpunkt erreicht, an dem ich mich selbst in eine genervte Sechsjährige verwandle. Auf ein „Mama, die anderen haben mich geärgert“ will ich antworten mit „heul doch“ oder „sie werden schon einen Grund gehabt haben“. Ich habe auch schon drüber nachgedacht, mir wenigstens für ein paar Tage einen anderen Namen zuzulegen, weil ich „Mama“ einfach nicht mehr hören kann. Nicht im Zusammenhang mit „guck mal“, mit „kannst du mal“ und am allerwenigsten mit „das ist unfair ...“

WZ-Redakteurin Ines Arnold. Foto: Melanie Zanin/M.ZANIN

Habe ich natürlich alles nicht gemacht. Weder das mit den bockigen Antworten noch das mit der neuen Anrede. Aber wir haben ja auch noch ein paar Wochen vor uns. „Frau Arnold“ für ein paar Tage fände ich ja eigentlich mal ganz nett. Ich vermisse es, unter Erwachsenen zu sein.

Wir haben die vergangene Woche aber schon ganz gut genutzt. Wir waren kreativ. Die Spiele „Fenster putzen“ und „Küchenschränke von innen auswischen“ haben den Kindern fast so viel Spaß gemacht wie „eine Höhle bauen und sich darin vor dem Pferdefänger verstecken“. Vor dem Pferdefänger, der auf sich warten ließ. Es wurden aber auch Steine bemalt und in der Nachbarschaft ausgelegt, damit sich die anderen Kinder, mit denen ja nun nicht mehr gespielt werden kann, beim Spazierengehen über einen kleinen Schatz freuen.

Vor ein paar Tagen haben meine beiden Töchter unabhängig voneinander das erste Mal den Kindergarten und ihre Freunde erwähnt. Die eine hatte von einem Wiedersehen geträumt. Die andere sagte plötzlich: „Hätte ich gewusst, dass wir so lange nicht in den Kindergarten gehen dürfen, hätte ich mich von allen mit einer Umarmung verabschiedet.“ Die Mädchen melden sich jetzt ab und zu bei ihren Freunden per Videoanruf. Das führt auch bei den Eltern zu so mancher Erkenntnis. Zum Beispiel der, dass Sechsjährige deutlich besser darin sind, peinliche Stille einfach minutenlang auszustarren. Oder auch, dass von geschüttelten Handybildern sich überraschenderweise bisher noch niemand übergeben musste.

Wir haben aber noch eine andere Möglichkeit gefunden, mit unseren Lieben Kontakt zu halten. Meine Freundin brachte mich auf die Idee. Vor Omas und Opas Wohnhaus haben wir ein buntes Kreidebild mit einer Botschaft auf die Straße gemalt. Als wir sie unten stehend anklingelten, sie sollten doch mal vom Balkon aus herunterschauen, war die Überraschung groß. Oma hat mir heute noch geschrieben, dass die Kreide auf dem Pflaster trotz eines Regentages immer noch zu erahnen ist und dass sie den Blick vom Balkon nun noch mehr genießt als sonst.