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Corona: Wenn aus der Traumhochzeit ein Ringtausch zu zweit wird

Corona : Wenn aus der Traumhochzeit ein Ringtausch zu zweit wird

Janine Franke und Sebastian Köpp wollten am 18. April mit 60 Gästen heiraten, doch dann machte das Coronavirus ihnen einen Strich durch die Rechnung. Nun heiraten sie am 1. April standesamtlich - ohne Gäste.

Janine Franke bemüht sich, tapfer zu sein. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, sagt sie und schickt ein Lächeln hinterher. Die Vorfreude auf die Hochzeit im April war riesig. 60 Gäste sollten dabei sein, wenn sie Sebastian in der St. Dionysius Kirche im beschaulichen Baumberg im Traumkleid das Ja-Wort geben wollte. Doch dann kam alles ganz anders. Die kirchliche Hochzeit am 18. April muss komplett ausfallen, bei der standesamtlichen Trauung am 1. April werden die beiden Düsseldorfer allein mit dem Standesbeamten sein. So schreibt es die Stadt wegen des hohen Infektionsrisikos durch Corona seit kurzem vor.

 2011 lernten sich Janine Franke und Sebastian Köpp auf dem Franz-Jürgens-Berufskolleg kennen. „Nach langem Hin und Her sind wir dann im Dezember 2015 zusammengekommen“, sagt der 26-Jährige. Im Sommer vergangenen Jahres wagte er dann den nächsten Schritt. „Ihr wäre es wohl am liebsten gewesen, wenn ich früher um ihre Hand angehalten hätte. Aber ich habe mir da noch etwas Zeit gelassen“, sagt er.

Der Antrag kam dann allerdings umso romantischer rüber: Er dekorierte den Weg von Janines Arbeit bis zur Wohnung mit Luftballons, zündete in der kompletten Wohnung Kerzen an, legte überall Rosenblättern aus. „Leider wurde sie bei der Arbeit aufgehalten und ihre Ankunft zu Hause verzögerte sich um gut eine Stunde. Und ich bin da nervös herumgetigert“, sagt er und lacht.

 Die Planung für die Hochzeit war schon weit fortgeschritten

Schnell begann das Paar mit der Planung für die Hochzeit. „Wir haben die Kirche in Baumberg ausgesucht, weil ich dort getauft wurde und zur Kommunion gegangen bin“, sagt Sebastian Köpp. Eine Location wurde gefunden, das Essen ausgesucht, DJ und Fotografin wurden beauftragt und Einladungen an die rund 60 Gäste verschickt. Und natürlich wählte Janine Franke ein Kleid aus. Gemeinsam mit ihrer Mutter und Sebastians Oma. In der Anwesenheit ihres Verlobten will sie nicht zu viel verraten, aber: „Es ist genau so wie ich es mir vorgestellt habe. Es ist perfekt.“ Alles war vorbereitet. „Nur um die Hochzeitstorte wollten wir uns noch kümmern, aber das konnten wir uns dann auch schenken“, sagt sie.

 Denn vor gut zwei Wochen zeichnete sich schon ab, dass es mit der Feier, so wie sie sich das Paar vorgestellt hatte, nichts wird. Beide arbeiten bei der Stadt und bekamen hautnah mit, wie die Auflagen immer weiter verschärft wurden. Zunächst hieß es vom Standesamt, dass ein Brautpaar vier Personen zur Trauung mitbringen darf. Da fingen die Schwierigkeiten an. Die beiden Trauzeugen, Sebastians bester Freund und seine Schwester, waren gesetzt. „Wir mussten überlegen, wer von unseren Eltern mit dabei sein soll und wer zu Hause bleiben muss. Eine schwierige Entscheidung“, findet Sebastian das, was leicht nachvollziehbar ist.

Dann sollte im Standesamt gar keiner mehr dabei sein

Vor kurzem teilte das Standesamt dann mit: Nur noch das Brautpaar und der Standesbeamte sind bei der Trauung zugelassen, auf alle weiteren Personen muss aus Sicherheitsgründen verzichtet werden. Selbst auf Eltern und Trauzeugen. So traurig Janine und Sebastian über die ganze Situation auch sind, die Ansage des Standesamt brachte auch Erleichterung. „So müssen wir uns nicht entscheiden, wer mit dabei sein darf“, sagt er.

 Die beiden Düsseldorfer machen nun das Beste draus. Stornierungskosten für die Location, die Fotografin oder den DJ haben sie glücklicherweise nicht. Auch Anzahlungen wurden bisher nicht geleistet. „Wir holen einfach alles im nächsten Jahr nach. Am gleichen Ort, mit der gleichen Fotografin und dem gleichen DJ“, sagt die 25-Jährige.

 Dass die beiden bei der Trauung am 1. April im Schloss Benrath ganz allein sein werden, ohne Freunde und Familie Ringe tauschen und sich den ersten Kuss als Ehepaar ohne Publikum geben werden, nehmen sie gelassen. „Es ist ja dann doch eher ein Amtsgang“, sagt Janine. Auch den Rest des Tages werden die beiden eher nüchtern gestalten müssen: „Weil alles geschlossen ist, werden wir noch eine Runde durch den Schlosspark drehen, versuchen ein nettes Foto hinzubekommen und werden dann zu Hause etwas schönes kochen.“

 Beide Events sollen nachgeholt werden, sobald der Alltag wiedergekehrt ist, sich das öffentliche Leben wieder einigermaßen normal abspielt. Die standesamtliche Trauung mit einer Grillparty, die kirchliche mit einem rauschenden Fest, wie es in diesem Jahr geplant war. Nur eine entscheidende Veränderung wird es geben: Aus dem Paar wird eine Familie geworden sein – Janine ist im vierten Monat schwanger.