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Düsseldorf: Rotlicht-Verfahren wird Endlos-Prozess

Düsseldorf : Rotlicht-Verfahren wird Endlos-Prozess

Neue Termine bis Mitte 2016 festgesetzt. Anwalt kritisiert den Richter.

Düsseldorf. Eine Sommerpause hat der Rotlicht-Prozess vor dem Landgericht gemacht. Die hat der Vorsitzende Richter Markus Fuchs genutzt, um allen Beteiligten mitzuteilen, dass man sich noch lange dreimal in der Woche sehen wird. Bis zum 30. Juni nächsten Jahres wurden Verhandlungstermine festgelegt. Dann dauert das Verfahren bereits drei Jahre.

Seit Ende April sitzen mit dem mutmaßlichen Drahtzieher Thomas M. und zwei seiner Mitarbeiter nur noch drei Angeklagte auf der Anklagebank. Vier Verfahren wurden wegen Krankheit abgetrennt, eine ehemalige Service-Kraft ist schwanger. Lediglich eine Ex-Prostituierte wurde freigesprochen, weil sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft nicht beweisen ließen.

Die Hoffnung, dass der Prozess mit weniger Angeklagten Fahrt aufnehmen würde, hat sich nicht erfüllt. Stattdessen werden immer neue Zeugen vernommen, die beweisen sollen, dass in den Bordellen an der Rethel- und ander Worringer Straße Freier mit Drogen, Medikamenten und Alkohol außer Gefecht gesetzt wurden, um dann mit deren Kreditkarten die Konten abzuräumen.

Da die mutmaßlichen Opfer praktisch durch die Bank bereits erheblich alkoholisiert in den Bordellen angekommen sind und Erinnerungslücken haben, ist die Beweisführung ausgesprochen schwierig. Zumal der Kronzeuge nach einigen Verhandlungstagen die Aussage verweigerte.

„Wir stehen am Anfang einer sehr aufwändigen Beweisführung“, kommentierte Benedikt Pauka, der Anwalt von Thomas M., mit Sarkasmus die neue Terminliste. Er meint, dass eine durchdachtere Verhandlungsführung dem Verfahren gut tun würden.

Ein „Deal“, wie er in anderen Verfahren üblich ist, zum Beispiel Geständnisse gegen ein vorher vereinbartes Strafmaß, ist ausgeschlossen. Denn wer verurteilt wird, muss auch für die Millionen-Kosten aufkommen, die der Prozess schon gekostet hat.