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Rheinbahn: Der Studentenjob auf dem Bock

Rheinbahn: Der Studentenjob auf dem Bock

Seit November fahren Studierende als Aushilfen für die Rheinbahn.

Düsseldorf. Messe Ost, Freiligrathplatz, Mörikestraße und so weiter. Die Abfolge der Haltestellen der Linie U78 können drei Studenten jederzeit und noch im Halbschlaf aufzählen. Antje Schneider, Florian Töpfer und Marcus Hey haben wohl einen der ungewöhnlichsten Jobs, um ihr Studium zu finanzieren. Sie sind Aushilfsfahrer bei der Rheinbahn. Zwischen acht und 20 Stunden in der Woche sitzen sie in der Fahrerkabine der Linien U75 und U78. Im Juli hat ihr Job zunächst mit Theorie begonnen — seit November vergangenen Jahres sind sie auch auf der Schiene unterwegs.

Für Marcus Hey (24) ist damit „ein Kindheitstraum“ in Erfüllung gegangen. Dafür nimmt er auch in Kauf, dass manchmal auch morgens das Telefon klingelt und ein Koordinator der Rheinbahn fragt, ob er kurzfristig für einen kranken Kollegen einspringen kann. „Ja, das Telefon klingelt ziemlich häufig“, sagt Antje Schneider. „Aber“, schiebt Hey ein, „es war uns schon bewusst, dass wir Lückenfüller sind. Und da muss man nun mal auch kurzfristig einspringen.“

Die Aushilfen sollen zu Spitzenzeiten Engpässe abdecken. Etwa bei Messen oder Fußballspielen. Letztere Schichten sind Florian Töpfer (23) die liebsten. „Solange die Fans nicht zu sehr Randale machen und Spaß haben, ist es doch gut. Dann ist mal was los“, sagt der Germanistik-Student. Da sind sich die Drei sowieso einig. Eine volle Bahn ist eine gute Bahn. Dann ist es „mehr, als nur den Hebel nach vorne schieben“. Kurzerhand werden sie nebenbei noch zu Ticketberatern, Stadtführern und sprechenden Fahrplänen.

Stress gebe es selten mit den Fahrgästen. „Die sind nur manchmal verärgert, wenn es eine Störung gibt und sie nicht weiterkommen“, erzählt die 34 Jahre alte Antje Schneider. Nur einmal hatte sie dafür kein Verständnis. Als ihre Bahn ein Auto erfasste, das unvermittelt vor dem Zug wenden wollte. „Das war krass“, erinnert sie sich. Während es in der Bahn nicht einmal geruckelt habe, sei das Auto durch die Luft geschleudert. „Ich dachte, die Insassen seien tot und die Leute fragen mich, wann es denn weitergeht.“ Passiert ist zum Glück nichts. Und auch die beiden Kollegen haben bereits ihren ersten — unverschuldeten — Unfall hinter sich. „Man kriegt aus der Perspektive einfach mit, was die anderen Verkehrsteilnehmer sich herausnehmen“, sagt Töpfer. Deshalb ist auch die größte Lehre, die sie aus dem Job ziehen konnten, vorausschauend zu fahren. „Sehr vorausschauend“, sagt Schneider und zieht dabei ihre Augenbrauen hoch.