1. NRW
  2. Düsseldorf
  3. Lokalsport

„Opus“ in Düsseldorf: Turnspektakel begeistert das Publikum im Dome

„Opus“ in Düsseldorf : Turnspektakel begeistert das Publikum im Dome

Am Wochenende war in Düsseldorf zu sehen, wie es die Show „Opus“ schafft, aus dem meist als knallharten Wettkampfsport verschrienen Turnen ein familienfreundliches Event zu machen.

An drei Hochrecks, die in unmittelbarer Nähe zueinander aufgebaut sind, fliegen und schrauben sich gleichzeitig die Astralkörper der Weltklasse-Athleten Oleg Stepko und Eduard Yermakov durch die Luft. Nach nur wenigen Sekunden steigen zwei weitere ukrainische Starathleten ein und komplettieren das Quartett der Reckartistik. Was zunächst nach einem riskanten Aufbau und einer irregulären Nutzung im Zuge eines Geräteturnwettkampfes klingt, ist hingegen einer der Höhepunkte des diesjährigen „Feuerwerk der Turnkunst“, das am Samstagabend im Rather Dome für Begeisterung auf den Rängen sorgte.

Die Besonderheit des Spektakels, mit dem der Rheinische Turnerbund in Zusammenarbeit mit der Agentur Heart Beat den klassischen Turnsport auf moderne und attraktive Weise einem breiten Publikum präsentiert, besteht darin, dass sportliche Höchstleistungen in Verbindung mit künstlerischen Elementen zu einem bildgewaltigen Event werden. Sport, Kunst, Theater und Musik — alles wird eins. Der Turnsport wird zu einem kreativen Miteinander mit hohem Inspirationsfaktor für Groß und Klein.

Diese Idee stellten die Veranstalter auch am Samstag in Düsseldorf auf besondere Art und Weise unter Beweis: Denn die Show begann nicht etwa mit einem Auftritt des ukrainischen Europameisters Stepko oder einer Einlage der amtierenden Europameisterin und Vize-Weltmeisterin im Kunstradfahren, Viola Brand. Das erste Spotlight im Innenraum des Domes durften die „Glanzlichter“ der TG Neuss genießen, was insbesondere für den im Publikum zahlreich vertretenen Turnernachwuchs eine besondere Motivation darstellte. Eine gelungene Entscheidung der Veranstalter, mit der sich das oft als knallharter Wettkampfsport erscheinende verschriene Turnen in familiär-einladender Atmosphäre präsentierte.

Topathleten entführen die
Zuschauer auf eine Zeitreise

Wie viel mehr der Turnsport als den reinen Wettkampf zu bieten hat, sollten die Zuschauer im folgenden zweieinhalbstündigen Programm erfahren. Gemeinsam mit den Künstlern und Athleten begab sich das Publikum auf eine authentische Zeitreise ins Paris der 1920er-Jahre. Nicht nur die Liveband „Red Sox Peppers“, die mit ihrem eigens für die Show komponierten Soundtrack den Rhythmus für die akrobatischen Einlagen vorgab, sondern auch das Bühnenbild im abgedunkelten Innenraum des Domes, der teilweise nur von Pariser Gaslaternen erleuchtet wurde und die nostalgischen Kostüme der Athleten sorgten dafür, dass das Publikum in eine andere Welt entfliehen konnte. Eine Welt, in der sich der Zuschauer stets daran erinnern musste, dass die auf ihn wirkenden Bilder tatsächlich vor seinen Augen entstanden und nicht in einer filmischen Produktion zusammengeschnitten worden oder als Computeranimation entstanden sind.

So schraubte sich das „Duo Siliau“ an einer überdimensionalen Poledance-Stange, dem chinesischen Mast, im Zuge eines „Pas de Deux“ artistisch in knapp acht Meter Höhe. So präsentierte das kanadische Duo „Hand-2-Stand“ eine minutenlange Performance auf Handstandklötzen, Oder es schwebte glänzend das ganz in glizerndem Weiß gekleideten Duo Angela und Stuart an den Strapaten durch den dunklen Dome.

Mittels menschlicher Bewegungskunst, die auch klassische Geräte wie das Rhönrad, den Barren oder das Reck auf moderne Art und Weise künstlerisch zu interpretieren wusste, schaffte das internationale Ensemble eine Kunstform, die dem Titel „Feuerwerk“ in allen Belangen gerecht wurde. Und die mit einer Vielfalt an Details glänzte. Nicht nur für Turnsportinteressierte hatte das Programm etwas zu bieten, auch der theateraffine Zuschauer konnte insbesondere in den Auftritten der Akrobaten-Paare eine Thematik wiederfinden.

So inszenierten die Duos minutenlange Liebesszenen geprägt von Annäherung, Kampf und risikoreichem Spiel, die ihren Ursprung in einer modernen Inszenierung von Kleists Penthesilea haben könnten. Gleichzeitig sorgte Tobias Wegner als eine Art Gastgeber mit erfrischenden Sketchen in Charlie-Chaplin-Manier für eine fröhliche Leichtigkeit. Er vermittelte aber auch in der einen oder anderen — natürlich erfolglosen — Einlage mit dem Kunstrad Rhönrad oder am Barren ein Gefühl, das wohl viele auf der Tribüne verspürt haben mögen: Bewunderung und Faszination, aber auch eine Spur Neid, diese fantastischen Körpererfahrung nur miterleben, aber wohl niemals selbst vollziehen zu können.

Für das junge Publikum schien von diesen Reizen eine besondere Motivation auszugehen, wie eine Gruppe etwa zehnjähriger Mädchen neben der Schlange an der Garderobe nach Ende der Show bewies, wo sich die „Turnflöhe“ nur mehr ihre eigenen Körper „radelnd“ durch den Dome bewegten.