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Gratis-Buchladen mitten auf der Straße

Gratis-Buchladen mitten auf der Straße

Projekt: Jeder kann sich bedienen, und die Literatur kostet nichts. Im Kulturausschuss wird über öffentliche Bücherschränke beraten.

Düsseldorf. Hans-Jürgen Greve hat seinen ganz persönlichen perfekten Platz schon gefunden. Der Barbarossaplatz, meint der Architekt und Stadtplaner, sei ideal für einen Bücherschrank, der eine Art Gratis-Buchhandlung mitten auf der Straße darstellt. Menschen nehmen Bücher heraus und stellen neue ins Regal. Ein Tauschgeschäft der Literatur, das nach dem simplen Motto "Geben und Nehmen" funktioniert. Greve, der auch vier Jahre in Düsseldorf lebte, hat schon eine ganze Reihe solcher Bücherschränke gebaut - für Bonn, Frankfurt und auch für Köln, wo es demnächst an 24Standorten solche Schränke geben soll.

Eine schöne Idee, die auch in Düsseldorf verwirklicht werden sollte, meint die Grünen-Politikerin Marit von Ahlefeld, die deswegen schon vor Wochen Kontakt zu Greve und dem LiteraturbüroNRW aufgenommen hat. Wie es aussieht, wird die Sache nun konkret. CDU und FDP bekamen anscheinend Wind von der Sache und formulierten eilig eine Anfrage, die im Kulturausschuss am 9.September auf die Tagesordnung kommt. "Bücherschränke", heißt es in dem Schriftstück, "würden auch in Düsseldorf eine Bereicherung für den öffentlichen Raum darstellen." In einem ersten Schritt soll geprüft werden, welche Standorte für die Bücherschränke in Frage kommen, wer diese finanziert und vor allem, wer sie pflegt.

Greve steht für Düsseldorf bereits mit dem LiteraturbüroNRW in Kontakt, und wenn die Politiker grünes Licht geben, will er sich mit Vertretern der Einrichtung und der Stadt auf den Weg machen und passende Plätze ausfindig machen.

Durch einen Zufall wurde er vor ein paar Jahren auf die Aktion Bücherschränke aufmerksam. Weil diese bis dahin nicht witterungsbeständig waren, dem Architekten jedoch die Idee gefiel, konstruierte er Schränke in zwei Größen aus unverwüstlichem Cor-Ten-Stahl und mit einer Tür aus acht Millimeter dickem Glas. Die Kosten tragen oft Stiftungen, die Pflege und regelmäßige Kontrolle wird über Patenschaften geregelt, die häufig von Studenten oder Buchhandlungen übernommen werden. "Mittlerweile gibt es eine Studie der Uni Bonn zu den Bücherschränken", sagt Greve. "Dabei wurde festgestellt, dass mehr Frauen und ältere Menschen Bücher reinstellen und Männer und jüngere Leute sie herausnehmen. Und - Vandalismus kommt erstaunlich selten vor, eigentlich nie."

Schön sei auch, dass sich häufig rund um den Schrank ein Treffpunkt entwickle. Eine Aussicht, die auch von Ahlefeld gefällt. "Ich bin dafür, dass ein paar Stühle aufgestellt werden." Nach dem Rechten würde die Grünen-Politikerin auch selbst schauen. "Ich würde sofort eine Patenschaft übernehmen."