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Sommerfest: „Der Name Mann hilft und schadet“

Sommerfest: „Der Name Mann hilft und schadet“

Gast mit Familiengeschichte im Goethe-Museum: Bei einer Lesung stellte Schriftsteller Frido Mann seine Biographie vor.

Düsseldorf. Seine Herkunft kann Frido Mann nicht verbergen. Sowohl die Augen, als auch seine ruhige und bedächtige Art des Sprechens erinnern das Gegenüber unweigerlich an den Schriftsteller Thomas Mann.

Im Goethe-Museum trug der 70-jährige Enkel des Literaturnobelpreisträgers aus seiner Autobiographie "Achterbahn" vor. Hunderte Besucher wollten das - teilweise auch stehend - miterleben.

Frido Manns Biographie hat mehr zu bieten, als der Lebenslauf des Durchschnittsbürgers: Geboren wurde er 1940 in Kalifornien, wohin seine Familie während der Nazi-Diktatur emigriert war. Später wuchs er in der Schweiz auf, die meiste Zeit bei den Großeltern. Frido war der Lieblingsenkel Thomas Manns, der ihn mit der Figur des Nepomuk Leverkühn in seinem Roman "Dr. Faustus" literarisch verewigte.

"Zu Thomas Mann hatte ich den größten Bezug, dann noch zu Klaus und Golo", sagte Mann kurz vor der Lesung gegenüber der WZ. Auch sein Lieblingsbuch aus der Familie Mann habe sein Großvater geschrieben: Die Buddenbrooks.

Das Verhältnis zu seinen Eltern scheint schwierig gewesen zu sein, mit zwölf Jahren kommt er in ein Schweizer Internat und wird sie für über ein Jahr nicht sehen. "Mit der mittleren Generation der Manns, wie meinen Eltern, habe ich ein Stück weit abgeschlossen, zu meinen Großeltern habe ich ein sehr positives persönliches Verhältnis."

Auf Schriftstellerei deutete bei Frido Mann jedoch zunächst nichts hin. Er studierte Musik und promovierte in katholischer Theologie. Dafür konvertierte er, obwohl freikirchlich getauft, zum Katholizismus. 2009 trat er im Zuge des Streits um die Pius-Bruderschaft wieder aus der Kirche aus. Parallel zu seinem Theologiestudium absolvierte er ein Psychologiestudium. Ab 1986 war er Professor für Psychologie an der Universität Münster und widmet sich seit dieser Zeit doch noch der Schriftstellerei.

Er versucht aber, eigene literarisch Wege zu gehen: "Als Hobby war mir die Musik immer am wichtigsten, deshalb bin ich literarisch von der Prosa weg und habe mich dem multimedialen Bereich hingewendet", sagt Mann. 2012 wird ein Multimediaprojekt mit vertonten Texten von ihm aufgeführt.

Der Familienname Mann hilft ihm bei seinen Arbeiten, kann aber auch schaden: "Der Name ist eine Last, es gibt hohe Erwartungen. Wenn man die nicht erfüllen kann, wird es schwierig", sagt Frido Mann.

Am Samstagabend ist das im Goethe-Museum jedoch nicht der Fall. Nach der Lesung gibt es kräftigen und langanhaltenden Beifall. Bei der Signierstunde bildet sich zudem eine lange Schlange, viele Besucher wollen sich sogar mit dem Mann-Enkel fotografieren lassen - und das sicherlich nicht nur wegen des Namens.