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Peter Pan landete mehrfach in Düsseldorf

Peter Pan landete mehrfach in Düsseldorf

Schlingensief: Der verstorbene Künstler irritierte und wurde dennoch ausgezeichnet.

Düsseldorf. Er war ein Charmeur, sprühend-jugendlich, er begeisterte und fing die Menschen ein - und er ließ auch sich einfangen. So vielfältig und auch gebrochen wie das Licht in einem Prisma hat Düsseldorf den jetzt verstorbenen Tausendsassa Christoph Schlingensief erlebt. Der Abschluss dieser Beziehung war freundschaftlich-versöhnlich: Im März dieses Jahres erhielt der damals bereits todkranke Regisseur den Helmut-Käutner-Preis der Landeshauptstadt, dotiert mit 10 000 Euro. "Ich bin tief bewegt", sagte er damals in seiner Dankesrede.

Oberbürgermeister Dirk Elbers ehrte Schlingensief mit den Worten, seine Kunst "dränge zur Auseinandersetzung", sie immunisiere "gegen Gleichgültigkeit, Stumpfsinn und träge Unachtsamkeit". Ein wahres Wort, wie die Düsseldorfer Kulturschaffenden wissen, denn Schlingensief hat in der Stadt auch lustvoll den Provokateur gegeben.

Der "wahre Peter Pan", wie Patti Smith Schlingensief nannte, setzte beispielsweise vor der Firma Jürgen Möllemanns zur Landung an. Ihm warf er Antisemitismus vor und machte mit Aktionen deutlich, was er davon hielt. Schlingensief kippte tote Fische auf eine Israel-Fahne, schüttete Daunen, Patronenhülsen, Waschpulver und Walsers umstrittenen Roman "Tod eines Kritikers" (gemeint war Marcel Reich-Ranicki) in ein Klavier.

Unvergessen ist aber vor allem Schlingensiefs Zusammenarbeit mit einem Düsseldorfer Lokalpolitiker vom rechten Rand, den er mit dessen Freunden in seine Züricher Hamlet-Inszenierung einbaute. Das Ganze war chaotisch inszeniert und augenscheinlich eine große Täuschung, denn es ging dabei angeblich um Läuterung und Resozialisierung.

Eine große Show war’s auf jeden Fall und lokalpolitisch ein Aufreger, bei der nicht nur Schlingensief seinen Spaß hatte, sondern auch der Schauspieler und Regisseur Peter Kern, der sich von Düsseldorf vertrieben fühlte. Später gab es sogar noch eine Film-Doku zum Theaterprojekt, wo neben Hitler auch OB Erwin gezeigt wurde, aber diesmal wogten die Wellen der Empörung nur kaum. "Karnevalesk" wurde Schlingensiefs Schaffen bei der Verleihung des Käutner-Preises nicht umsonst genannt - und als dies erkannt war, machte die Empörung der Sympathie Platz.