1. NRW
  2. Düsseldorf

Knöllchenjagd in der Nacht

Knöllchenjagd in der Nacht

Stadt und Polizei jagen Falschparker sogar abends und nachts. Dabei mangelt es an legalen Parkplätzen.

Düsseldorf. Tausende Düsseldorfer kennen das: Am Abend fahren sie mit dem Auto nach Hause - und dann beginnt die nervende Suche nach einem legalen Parkplatz. Da wird Runde um Runde um den Block gedreht - und dann landet der Wagen trotzdem im Halteverbot: auf dem Bürgersteig, in der Kurve, in zweiter Ruhe. Denn vor allem in innenstadtnahen Stadtteilen wie Oberkassel, Pempelfort, Düsseltal oder Unterbilk mangelt es eklatant an regulären Parkplätzen.

Eingebürgert hat sich eine stillschweigende Abmachung zwischen Falschparkern und den Verkehrsüberwachern: Abends und nachts wird in aller Regel nicht aufgeschrieben, morgens müssen die Autos aber verschwunden sein. Doch darauf können sich die Autofahrer nicht mehr verlassen. Allein in den letzten Tagen gab es einige Fälle von nächtlicher Knöllchenjagd. Am Paulusplatz im Zooviertel kreuzten zwei Männer vom Ordnungsamt plötzlich gegen 21 Uhr auf und fütterten ihre Tippgeräte mit Kennzeichen.

Desgleichen an der Pfalzstraße in Pempelfort. Und in Oberkassel schritt die Polizei zur Tat: Zwischen 22.25 und 3Uhr wurden an mehreren Tagen 15-Euro-Strafmandate hinter Scheibenwischer von Wagen geklemmt, die an der Düsseldorfer Straße auf dem Gehweg parkten. Hat die Polizei nichts wichtigeres zu tun? Ihr Sprecher Wolfgang Rodax sagt: "Das hat sicher nachgeordnete Priorität, zumal wir im allgemeinen für den fließenden Verkehr zuständig sind." Punktuell nehme die Polizei indes auch Falschparker ins Visier, vor allem wenn Autos verkehrsbehindernd oder gar gefährdend stünden. "Eine Ordnunsgwidrigkeit, die natürlich geahndet wird."

Auch die Stadt steht zu den Kontrollen zu unüblichen Zeiten: "Das ist im Prinzip nicht neu. Verkehrsregeln gelten nicht nur montags bis freitags zu den Bürozeiten", sagt Ordnungsamtsleiterin Nicole Süring. Den Einwand, dass auch Autos ein Knöllchen kriegen, die niemanden stark behindern, lässt sie nicht gelten: "Das glauben fast alle Falschparker. Aber die meisten tun das sehr wohl." Doch wohin mit den Autos? Süring zuckt mit den Schultern: "Wir sind nicht dafür da, dass es genügend Parkplätze gibt."

So einfach liegt die Sache freilich nicht. Im August 2007 nahm sich der Stadtrat der Parkplatz-Knappheit an. Und gab ein Maßnahmenpaket in Auftrag: Mehr Quartiersagaragen, Parkmöglichkeiten auf Behörden- oder Firmenparkplätzen, mehr Einbahnstraßen, um eine Fahrspur beparkbar zu machen, Mitnutzung von breiten Bürgersteigen. Seitdem prüft die Verkehrsverwaltung, was wo machbar ist. Viele Ergebnisse gibt es noch nicht. An der Lorettostraße immerhin schafft Längsparken etwas Luft, beschlossene Sache ist die Großgarage in Oberkassel unter der Luegallee. Die Politik macht Druck. Manfred Neuenhaus (FDP): "Harmlose Falschparker muss die Stadt nachts tolerieren. Alles andere ist Geldschneiderei. Mit ein paar Maßnahmen könnten viele Parkplätze geschaffen werden."