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Mutter brach ihrem Säugling Arme und Beine

Mutter brach ihrem Säugling Arme und Beine

Gericht: Wegen Misshandlung wurde eine 28-Jährige Montag zu 20 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Düsseldorf. Die Ärzte im Krankenhaus trauten ihren Augen nicht, als sie die vier Wochen alte Hannah (Name geändert) im Sommer 2006 untersuchten. Das Mädchen hatte überall Prellungen, Arme und Beine waren gebrochen. Zugefügt hatte die Verletzungen dem Baby die 28-jährige Mutter. Dafür wurde sie gestern vom Amtsgericht zu 20 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Mädchen lebt ebenso wie der heute dreieinhalb Jahre Bruder inzwischen bei einer Pflegefamilie.

"Ich weiß auch nicht, warum das passiert ist", sagte die junge Frau zum Prozessauftakt. Sie habe nach der Geburt keinerlei Muttergefühle entwickelt, außerdem habe das Kind nur geschrieen. Eine explosive Mischung: Auch ihr damals zweijähriger Sohn habe zu der Zeit viele Schwierigkeiten gemacht. Erklärungen für die Knochenbrüche hatte sie einige: Es könnte der Zweijährige gewesen, schließlich habe sie diesen einmal dabei erwischt, wie er den Säugling kopfüber in den Armen gehalten hatte. "Das kann nicht sein", kommentierte das ein medizinischer Gutachter. "So viel Kraft hat ein kleiner Junge nicht."

Vielleicht war es aber auch die "afrikanische Massage", die sie bei ihrer Tochter durchgeführt habe, behauptete die 28-Jährige. Dabei würden die Gliedmaßen überkreuzt und einzeln massiert. Auch das wies der Sachverständige zurück. "Knochen von Neugeborenen sind sehr biegsam. Man braucht sehr viel Kraft, um sie durchzubrechen." Das könne man dann ja wohl nicht mehr Massage nennen.

Schließlich gab die Angeklagte dann aber doch zu, dem Baby die Knochen gebrochen zu haben. "Das Kind war ihr irgendwie egal", sagte ihr Rechtsanwalt. Sie sei seit dem Vorfall in psychologischer Behandlung, sagte die Frau, die derzeit eine Ausbildung zur Bürokauffrau absolviert.

Der Gutachter attestierte ihre eine Wochenbettdepression - für das Gericht ist sie deshalb nur eingeschränkt schuldfähig. 20 Monate auf Bewährung seien deshalb ausreichend, sagte der Vorsitzende Richter.