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Düsseldorf: Immer mehr Privatleute melden der Stadt Falschparker

Düsseldorf: Immer mehr Privatleute melden der Stadt Falschparker

11 500 Fälle im Jahr: Die Zahl der Drittanzeigen steigt und steigt — meist reicht ein Handyfoto für ein Verwarnungs- oder Bußgeld. Die Stadt gibt die Identität des „Anzeigers“ nicht preis — zunächst.

Düsseldorf. Immer öfter schwärzen Düsseldorfer Mitbürger beim Ordnungsamt an. Meist geht es um Falschparker. Im vergangenen Jahr gingen bereits 11 500 der sogenannten „Drittanzeigen“ bei der Stadt ein, bestätigt Stadtsprecher Volker Paulat, das sind fast 70 Prozent mehr als 2016 (6810 Fälle) und fast drei Mal so viele wie 2014. Und: Diese Drittanzeigen ziehen fast immer Bußgelder für die Beschuldigten nach sich. Mitarbeiter des Ordnungsamtes müssen sich den Sachverhalt vorher nicht selbst anschauen.

Ohne dass erst ein Knöllchen hinter dem Scheibenwischer steckte, wird der Falschparker gleich vom Brief des Ordnungsamtes überrascht. Denn dem reicht ein Handyfoto als Beweismaterial in den meisten Fällen aus, wenn es den „Tatort“ und — bei Falschparkern — das Kennzeichen klar zeigt. Laut Ordnungsamtsleiter Michael Zimmermann sind die „Anzeiger“ eines Verstoßes fast immer auch diejenigen, die darunter zu leiden hatten: „Vor allem Radfahrer oder Fußgänger, die von Falschparkern unmittelbar und massiv behindert werden.“ Dagegen gebe es keinen einzigen Fall, so Zimmermann, wo jemand „gepetzt“ hat, dass ein Autofahrer kein Geld in die Parkuhr geworfen habe.

Schuld und Unschuld liegen oft buchstäblich nur Zentimeter auseinander. Und zweifellos gibt es absolut notwendige, aber auch überflüssige Anzeigen, die nach Schikane riechen. Auf der Schillerstraße in Düsseltal zum Beispiel ließ ein Anwohner ein Dachgeschoss im großen Stil ausbauen, anschließend musste deshalb dort eine Feuerwehrbewegungszone eingerichtet werden, drei Parkplätze fielen dafür weg. Und dieser Wegfall tut vielen anderen Anwohnern weh, denn Parkplätze gab es hier schon vorher zu wenig. Das freilich hält den Bewohner des Dachgeschosses nicht davon ab, geradezu peinlich genau darauf zu achten, dass kein Auto auch nur minimal in die Feuerwehrzone hineinragt. Ansonsten greift der Mann zum Handy, macht ein „Beweisfoto“ und schickt es ans Ordnungsamt. Der Pkw-Halter findet dann in der Regel binnen Tagen ein 35-Euro-Knöllchen im Briefkasten. Widerspruch zwecklos.

Auf der anderen Seite können sich mittlerweile völlig rücksichtslose Falschparker, die Geh- und Radwege oder Hauszufahrten so zuparken, dass sie nicht mehr nutzbar sind, eben auch nachts nicht mehr sicher sein, ungeschoren davon zu kommen. Es braucht nicht die Mitarbeiter der städtischen Verkehrsüberwachung oder die Polizei, die solches Fehlverhalten amtlich feststellt. Das kann jeder, der es sieht. Im Zweifelsfall muss man allerdings zu seiner „Anzeige“ stehen. Zwar geben die Mitarbeiter des Ordnungsamtes bei Nachfragen des Übeltäters den Namen des Anzeigers nicht heraus. Aber spätestens, wenn jemand formell Widerspruch einlegt und es zum Verfahren kommt, wird seine Identität publik, sagt Zimmermann.

Ein Hauptgrund für das vermehrte „Petzen“ ist natürlich, dass es im digitalen Zeitalter so einfach ist: Mit dem Handy ein Foto vom Auto mit Kennzeichen schießen, per Whatsapp oder Mail ans Ordnungsamt — und das erledigt den Rest.

Insofern erwartet man auch beim Ordnungsamt eine weitere Zunahme der Drittanzeigen: „Alles andere wäre sehr überraschend“, sagt Zimmermann, „aber natürlich können wir dieses Entwicklung nicht vorab im Etat einplanen.“ Allerdings machen die Drittanzeigen trotz der Zunahme gerade einmal 2,5 Prozent aller Knöllchen in Düsseldorf aus. Fast 461 000 Anzeigen wurden 2017 von städtischen Mitarbeitern erstattet.