Düsseldorfer Abiturienten lernen für die Abitur-Prüfungen

Abitur-Prüfungen : Ab Dienstag wird es für Abiturienten ernst – auch in Düsseldorf

Nach langer Vorbereitung geht es am Wochenende in den Endspurt. Viele lernen lieber gemeinsam in der Bibliothek als zu Hause.

Ein bisschen Angst haben sie schon vor dem, was auf sie zukommt. Luca, Natalie, Michelle, Marie und Winniefred haben sich in den vergangenen Wochen immer wieder zum Lernen in der Zentralbibliothek am Hauptbahnhof getroffen. Mal gemeinsam am gleichen Thema, mal jeder für sich haben sie sich dort auf ihre Abiturprüfungen vorbereitet. Und die rücken immer näher.

Für Deutsch Grund- und Leistungskurs geht es schon am Dienstag los. Donnerstag stehen Fremdsprachen auf dem Plan, Freitag dann Mathe. Bis zum 15. Mai ist so immer wieder ein anderes Fach dran. Jeder Abiturient in NRW muss in drei Fächern schriftlich ran – ein viertes Fach wird mündlich geprüft. Die mündlichen Prüfungen beginnen erst, nachdem die schriftlichen abgeschlossen sind.

Immer mehr Schüler entscheiden sich wie die fünf, die auf die Heinrich-Heine-Gesamtschule in Düsseldorf gehen, dafür, in der Bibliothek zu lernen, statt zu Hause. „Bibliotheken werden als Lernorte aufgesucht, weil die Atmosphäre zum konzentrierten Lernen in der Gemeinschaft anregt“, sagt Heike Regier, stellvertretende Institutsleiterin der Stadtbüchereien. Diesen Trend stellen die Bibliotheken schon seit einer Weile fest – und nicht nur zur Abiturzeit. Die Lernplätze seien während des ganzen Jahres Mangelware. In der neuen Zentralbibliothek, die gerade vor dem Hauptbahnhof entsteht, soll es deshalb künftig doppelt so viel Raum für Lernende geben.

„Zu Hause steht dann doch der Fernseher, der für Pausen ganz verlockend ist“, sagt Abiturient Luca. Und dann bleibe man hängen. Winniefred hat jüngere Geschwister, die sie zu Hause beim lernen stören oder immer wieder ansprechen. „Hier bin ich einfach weniger abgelenkt“, sagt die Schülerin. Die Schülerhilfe sagt, gemeinsames Lernen kann oft auch die Angst vor der Prüfung eindämmen. „Der Austausch in einer Lerngruppe tut gut, denn alle sitzen im gleichen Boot und haben Verständnis füreinander. Das gemeinsame und regelmäßige Lernen unter Freunden motiviert und macht stark“, sagt Denise Kirchberger, Sprecherin des Nachhilfeinstituts.

Die Bibliothek unterstützt die Schüler bei dieser wichtigen Lernphase. Anfang April gab es zum Beispiel eine „Power Learning“-Woche. In dieser Zeit konnte nicht nur bis 20, sondern bis 22 Uhr gelernt werden. Ein Nachhilfelehrer stand bereit, um bei offenen Fragen zu helfen, Physiotherapeutin Heike Ruiter sorgte für die nötige Entspannung im Rücken. Denn das lange sitzen könne eine zusätzliche Belastung für den Körper sein.

Die Physiotherapeutin empfiehlt, stündlich eine kleine Pause einzulegen. „Etwas trinken und dann: recken, strecken, dehnen“, sagt sie, sich lockern und vielleicht auch ein paar Schritte gehen. Wichtig für die Konzentration sei es zudem, richtig zu sitzen. „Manche haben immer ihr dickes Portemonnaie in der hinteren Hosentasche – und sitzen deshalb schief“, sagt Heike Ruiter. Das sei für konzentriertes Lernen und Arbeiten fatal.

Die Schülerhilfe stimmt diesen Ratschlägen zu. „Wenn man merkt, dass die Merkfähigkeit nachlässt, hilft ein kurzer flotter Spaziergang, um das Gelernte besser zu verarbeiten“, sagt Denise Kirchberger. Wer jetzt noch mit manchen Fächern hinterherhängt, sollte zuerst da ansetzen, wo noch die größten Lücken bestehen. Am besten sei ein Fach pro Tag – da die Zeit nun aber immer knapper ist, empfiehlt es sich, den Tag durch eine Mittagspause zweizuteilen. Vormittags Mathe, Nachmittags Biologie.

Ein Lernplan kann außerdem beruhigend wirken und einen guten Überblick schaffen. Wann ist welche Prüfung und was muss ich bis dahin noch machen? Ganz entscheidend für den Lernerfolg ist laut Schülerhilfe aber: Digitale Abstinenz. Smartphone, Netflix, Instagram und Co sollten in der Lernphase absolut tabu sein. „Vor allem eingehende Nachrichten auf dem Handy verlocken dazu, den Lernstoff liegen zu lassen. Auf den Schreibtisch gehört nur, was zwingend zum Lernen benötigt wird“, sagt Denise Kirchberger.

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