Wuppertal als „lernende Stadt“

Wuppertal als „lernende Stadt“

Bei der vierten Zukunftswerkstatt wurde über Bildung diskutiert.

Welche Ansätze verfolgt Wuppertal im Bildungssektor und wo gibt es noch Handlungsbedarf? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die vierte und letzte Zukunftswerkstatt des integrierten Stadtentwicklungskonzepts am Samstagvormittag im Forum der Volkshochschule. Das Gesprächstandem bildeten Sozialdezernent Stefan Kühn und Finanzwissenschaftlerin Kerstin Schneider.

Die vergangenen Veranstaltungen befassten sich bereits mit Wuppertal als produktiver, wachsender und lebenswerter Stadt. Zentrales Kriterium für die in der Auftaktveranstaltung von Wuppertaler Bürgern aufgeworfenen Fragestellungen ist der Handlungsspielraum der Stadt — denn es sollen nicht nur Diskussionen geführt, sondern auch konkrete Handlungsansätze gefunden werden.

Nach einer Begrüßung durch Rüdiger Bleck, Leiter des Ressorts Stadtentwicklung und Städtebau, zeigte Matthias Rottmann vom Architekturbüro De Zwarte Hond anhand einer Karte Wuppertals die Verteilung verschiedener Bildungseinrichtungen — Kitas, Schulen, Universitätsstandorten, Kulturinstitutionen und große Arbeitgeber mit Ausbildungsfunktion.

Stefan Kühn, Dezernent des Geschäftsbereichs Soziales, Jugend, Schule und Integration, kritisierte die auf den ersten Blick ausgeglichene Verteilung und wies auf das Ost-West-Gefälle in der Stadt hin: „Da wo die Bildungsteilhabe am nötigsten ist, wo es die meisten Kinder gibt, wo die Einwanderung am größten ist, da haben wir die wenigsten Bildungsinstitutionen.“

Kühn bezeichnete das Wachstum der Stadt als positive Entwicklung, die jedoch Handlungsbedarf mit sich bringe. Ein Beispiel: Die jährliche Rate von 3300 Geburten in Wuppertal fordere fünf zusätzliche Kitas allein für den diesjährigen Jahrgang — bei aktuell bereits 1000 fehlenden Kita-Plätzen. Wichtig sei vor allem, vorausschauend zu planen, so Kühn.

Eine weitere Frage sei die qualitative Gestaltung von Bildung angesichts der wachsenden Zuwanderung, die er als Chance sehe, auch voneinander zu lernen.

Kerstin Schneider, Finanzwissenschaftlerin und Professorin an der Bergischen Universität, zeigte in ihrem Vortrag eine statistische Bestandsaufnahme der Verteilung verschiedener Schulabschlüsse und wies auf den wachsenden Fachkräftemangel und die steigenden Anforderungen an Qualifikationen hin.

Als Handlungsansätze formulierte sie eine zielgerichtete Investition öffentlicher Mittel sowie eine stärkere Integration von Berufsgruppen wie Sozialpädagogen und Unternehmern, um Schüler früher mit der Arbeitswelt in Kontakt zu bringen und ihnen außer Wissen soziale Kompetenzen zu vermitteln.

Schneiders zentrale Forderung, Bildung nicht nur als optionales Angebot zur Verfügung zu stellen, sondern dessen Nutzung aktiv einzufordern, eröffnete eine intensive Diskussion: „Eine Kita-Pflicht in Wuppertal würde bedeuten, eine Duschpflicht in der Wüste einzurichten“, so Kühn. „Ich übertreibe, ich provoziere“, räumte Schneider ein. Zuletzt forderte sie eine wissenschaftliche Qualitätskontrolle im Bildungssektor, den „Mut, gute Ideen evaluieren zu lassen“.

Im Anschluss wurden neun Zukunftsthesen rund um Themen wie Digitalisierung, Lernräume und Zugang zu Bildung diskutiert und Ideen der Teilnehmenden festgehalten.

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