Rebekka Eschemann macht Kindermode für Düsseldorfer Heimatverliebte

Wir Düsseldorfer : Kindermode für Heimatverliebte

Rebekka Eschemann (38) hat ihren Job gekündigt und widmet sich nun ganz ihrer handgemachten Kindermode. Ihr Markenzeichen sind Rheinturm-Stickereien auf Mützen, Hosen und Schuhen. Auch erwachsene Düsseldorf-Fans fragen an.

Rebekka Eschemann liebt ihre Heimat. Als ein echt „Düsseldorfer Mädsche“ bezeichnet sie sich nur zu gerne. Und auch in ihrer Wohnküche lässt sie keinen Zweifel aufkommen, dass sie um nichts in der Welt aus Düsseldorf wegziehen würde: Ein Bild aus den 1990er Jahren mit Blick über den Burgplatz hat sie als Fototapete auf die komplette Wand gezogen. Mit der Suche nach dem Eigenheim hat es die Familie nach Hellerhof verschlagen. Dank der Fototapete habe sie die Altstadt aber zumindest jeden Tag im Blick.

Die 38-Jährige ist in Wersten aufgewachsen. Als kleines Mädchen hockte sie auf der Küchenbank und sah ihrer Oma dabei zu, wie diese mit der knatternden Pfaff-Nähmaschine Kleidungsstück um Kleidungsstück schneiderte. „Ich konnte ihr stundenlang dabei zusehen“, erinnert sie sich. Heute sitzt die zweifache Mutter selbst stundenlang an der Nähmaschine - an dem „Trekker“, wie sie das alte Schätzchen ihrer Oma liebevoll nennt. So entstehen hunderte Mützen, Hosen und Lederschuhe, die Rebekka Eschemann mit ihrem Markenzeichen veredelt: der Rheinturm-Stickerei. „Den Sachen soll man auch ansehen, wo sie herkommen.“ Auf Kreativ-Märkten und über ihren Internetshop verkauft sie die Sachen, über Facebook und Instagram bewirbt sie neue Farben, Modelle und Größen. Mittlerweile ist die „Düsseldorf-Klamotte“ so beliebt, dass Rebekka Eschemann sogar ihren Job aufgegeben hat - zugunsten ihrer Nähleidenschaft und ihres Familienlebens.

Die Düsseldorferin kommt vom Fach. Viele Jahre arbeitete sie in einem Konzern im Einkauf für Kindertextilien. Privat gefielen ihr die Sachen selten, für ihre Kinder suchte sie immer erfolglos nach dezenten Farben und Mustern. Schließlich kam sie auf die Idee, sich selbst daran zu versuchen. So entstanden erst einmal Mützen. „Als mein Sohn eines Tages vor mir stand und streikte, er habe nun wirklich genug Mützen, wusste ich, dass ich genug geübt hatte“, erinnert sich Eschemann. Erst Freunde brachten sie darauf, die Sachen zu verkaufen. Um sich von anderen Anbietern abzugrenzen, machte sich die Düsseldorferin ihre Heimatliebe zunutze. Sie zeichnete den Rheinturm vor, scannte ihn ein und digitalisierte die Vorlage zur Stickdatei.  „Das Interesse war riesig“, erzählt sie. Auch an andere Düsseldorf-Wahrzeichen versuchte sie sich, zum Beispiel an Sankt Lambertus. „Aber nichts wird so gut angenommen wie der Rheinturm.“

Die meisten Kunden kaufen bei ihr ein Geschenk zur Geburt, zur Taufe oder ein Souvenir. Die Liebe zur Heimat kennt aber offenbar kein Alter - und keine Konfektionsgröße. Auch Erwachsene fragen immer wieder nach, ob es die „Düsselbuxe“ oder die weichen „Düsselschluppen“ nicht auch größer gibt. „Ich habe die Schuhe mal in Größe 41 genäht. Die Kundin war glücklich, nur ich dachte mir, dass die Schuhe aussehen wie ein Grillhandschuh“, sagt sie. „Irgendwie verlieren die Sachen ihren Charme ab einer gewissen Größe.“

Vorrätig hat Eschemann Hosen, Schuhe und Bodys für Babys und Kleinkinder. Mützen fertigt sie bis zu einem Umfang von 64 Zentimetern an, damit passen sie auch Erwachsenen. Andere Größen näht sie auf Anfrage. Die Preise variieren zwischen 14 Euro für Halstücher und 24 Euro für die Lederschuhe in Babygröße.

Die zweifache Mutter nennt ihre Marke „Stichelig“ ihr drittes Baby und ein „lohnendes Hobby“. Denn leben kann sie davon (noch) nicht. Ein lukratives Jobangebot in München hat die Düsseldorferin dennoch ausgeschlagen: „Auf dem Rückflug vom Vorstellungsgespräch kreiste der Flieger über Düsseldorf. Ich sah aus dem Fenster“, sagt sie. In diesem Moment entschied sie, dass sie kein Job der Welt aus dieser Stadt rausholt.

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