Düsseldorf: Stadt und Land gedenken Opfer der Pogromnacht

Gedenken : Stadt und Land gedenken Opfern der Pogromnacht

Kranzniederlegung am Standort der ehemaligen Synagoge, Worte der Mahnung bei Gedenkstunde im Rathaus.

Gemeinsam haben die Stadt Düsseldorf und der Landtag am Freitag den Opfern der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 gedacht. Die zentrale Gedenkstunde fand im Rathaus statt. Oberbürgermeister Thomas Geisel, Landtagsvizepräsidentin Carina Gödecke, Stephan Holthoff-Pförtner, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales des Landes Nordrhein-Westfalen, und Oded Horowitz, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, sprachen dabei im Plenarsaal Worte des Gedenkens und der Mahnung.

Oberbürgermeister Thomas Geisel: „Wir haben die Hoffnung nie aufgegeben, dass der Mensch aus der Geschichte für seine Gegenwart gelernt hat. Doch hier und heute wissen wir: Der Holocaust ist zwar Geschichte, aber die Mechanismen des Hasses, sie funktionieren nach wie vor. Eine verrohte Sprache führt zu Enthemmung, Enthemmung führt zu Gewalt, Gewalt verletzt und tötet Menschen. Vom Rechtspopulismus, von den Geschmacklosigkeiten, von den schmierigen antisemitischen Verschwörungstheorien und vom abgrundtiefen Hass auf alles scheinbar Fremde sind es nur wenige Schritte zum Angriff auf Synagogen, auf friedlich betende Menschen wie an Yom Kippur in Halle. Wir dürfen diese Spirale aus Hass und Gewalt nicht mehr tolerieren, wir alle müssen dem Antisemitismus die Stirn bieten, ganz gleich, wo er uns begegnet.“

Zuvor war ein Kranz am ehemaligen Standort der Synagoge (Kasernenstraße/Ecke Siegfried-Klein-Straße) niedergelegt worden. Dort wurden ein Gebet gesprochen und eine Schweigeminute abgehalten.

2019 steht außerdem ganz im Zeichen der deutsch-polnischen Beziehungen und ihrer Geschichte: Die Landeshauptstadt erinnerte bereits am 1. August mit einer eintägigen Trauerbeflaggung an den 75. Jahrestag des Beginns des Warschauer Aufstandes am 1. August 1944 und würdigte diesen Gedenktag, der in Polen seit vielen Jahren begangen wird. Im engen Austausch mit dem Generalkonsul der Republik Polen in Köln, Jakub Wawrzyniak, beteiligte sich so auch Düsseldorf an dem diesjährigen Gedenken.

Die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf erinnert bis zum 15. März 2020 mit der Ausstellung „Im Niemandsland“ an die brutale Abschiebung von mehr als 17 000 jüdischen Menschen an die deutsch-polnische Grenze am 28. Oktober 1938 – also noch vor dem Krieg. Die brutale Abschiebung betraf polnische oder polnischstämmige Familien aus dem ganzen Reich. Durch einen diplomatischen Konflikt zwischen der NS-Regierung und dem polnischen Staat wurden die Familien über Nacht aus ihrem jeweiligen Lebensalltag gerissen und deportiert. Die Nationalsozialisten nannten die Betroffenen abfällig „Ostjuden“, die Deportation selbst „Polenaktion“.

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