Düsseldorf: Pepper hat den ersten Arbeitstag in der Bibliothek

Robotik in der Bücherei : Pepper hat den ersten Arbeitstag in der Bibliothek

Der Roboter soll die Bibliotheksangestellten entlasten. Seit Donnerstag hat er auch einen Vornamen.

Die Mitarbeiter der Zentralbibliothek Düsseldorf haben seit Donnerstag einen neuen Kollegen: Der Roboter Pepper unterstützt seine menschlichen Kollegen und beantwortet Fragen zur Bücherei oder hilft bei der Orientierung. Er ist etwa so groß wie ein Schulkind und hat dunkle Kulleraugen, mit denen er sein Gegenüber anzuschauen scheint. Seit Donnerstag hat Pepper auch einen Vornamen. „Wir haben 440 Vorschläge bekommen und aus diesen den Namen Pixi ausgewählt“, sagt Stephan Schwering, Leiter der Zentralbibliothek. Andere Vorschläge wie „Sergeant“ und „Archie“ konnten sich nicht durchsetzen.

Um Pixi Pepper versammelt sich häufig eine Menschentraube. Besonders Kinder wollen den menschenähnlichen Roboter aus weißem Kunststoff anfassen. Sie tätscheln und streicheln seinen Kopf, woraufhin Pepper kichert. „Ich finde das total Klasse, vor allem für die Kids“, sagt Dr. Christina Guthier, die mit ihrer Tochter in die Bibliothek gekommen ist. Sie würde Pepper auch selbst ausprobieren. „Aber er ist den ganzen Vormittag von Kindern umgeben, da wollte ich mich nicht vordrängeln“, sagt sie. Eric Acosta, der mit einem Freund in die Bibliothek gekommen ist, findet die Funktionen von Pepper ein bisschen beschränkt. „Ich glaube, er kann nur auf bestimmte Sachen antworten. Ich finde ihn aber trotzdem gut.“

Der Roboter ist darauf programmiert, zu sprechen, zu hören, zu gestikulieren, zu tanzen und sich in Echtzeit mit den Kunden austauschen zu können. Die Basis dafür ist Peppers technische Ausstattung. Er verfügt über eine Infrarotkamera, zwei HD-Kameras, Lautsprecher und Mikrofone. „Durch die Infrarotkamera kann Pepper sehen, wie weit sein Gegenüber entfernt ist“, sagt Karoline Kahmann, die zu der Projektgruppe gehörte, die den Roboter programmiert hat. Pepper trägt außerdem ein Tablet auf seiner Brust, auf dem die Besucher bestimmte Informationen und Antworten in Schrift und Bild bekommen können.

Am häufigsten sagt Pepper an diesem Vormittag den Satz: „Willst du wissen, wie du eine Bibliothekskarte bekommen kannst?“ – auch wenn man ihn zum Beispiel nach W-Lan fragt. Aber Pepper ist schlagfertig. Wenn man auf die Frage nach der Bibliothekskarte antwortet: „Nein. Ich habe schon eine“, sagt er: „Schade, Du weißt nicht, was Du verpasst.“ Die Interaktion zwischen Mensch und Maschine steckt also zum Teil noch in den Kinderschuhen.

„Pepper kann nur das, was wir ihm sagen“, sagt Bibliotheksleiter Stephan Schwering. Im Moment lernt er noch durch einfachere Programmierung, künftig soll er an einen Chatbot angeschlossen werden, damit er mehr Fragen und die besser und treffender beantworten kann.

Das Projekt hat insgesamt 58 000 Euro gekostet und ist Teil der Digitalstrategie für die neue Bibliothek im ehemaligen Postgebäudes am Konrad-Adenauer-Platz 1 (KAP1).

Der Roboter im Eingangsbereich der Bibliothek soll nach Vorstellung der Bibliotheksleitung die Mitarbeiter entlasten – also nicht ersetzen. „Wir wollen testen, ob Pepper eine Alternative ist, wenn es voll wird oder auch mal kein Bibliothekspersonal mehr anwesend ist“, sagt Schwering.

Montag bis Freitag sei die Bibliothek zwischen 19 und 20 Uhr noch geöffnet, am Samstag ist von 14 bis 16 Uhr kein Personal mehr anwesend. „Durch Pepper sollen auch Berührungsängste mit dem Thema Robotics abgebaut werden“, sagt Schwering. Das scheint besonders gut bei Kindern zu klappen.

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