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Evangelisch-reformierte Gemeinde Wülfrath Reichspogromnacht

Wülfrath. : Pogromnacht: Wülfrath setzt ein Zeichen gegen Antisemitismus

Evangelisch-reformierte Gemeinde lädt heute in ihre Kirche ein.

Heute, am Vorabend zum 9. November, lädt die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde in die Stadtkirche am Kirchplatz zum Gedenken an die Pogromnacht vor 80 Jahren ein. Die gerade aufwendig renovierte Kirche ist ab 18 Uhr für das gemeinsame Gebet, zur Erinnerung, zum Schweigen und zum Gedenken geöffnet.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in Deutschland Synagogen und jüdische Gemeindehäuser. Tausende jüdische Geschäfte, Wohungen und Friedhöfe wurden von nationalsozialistischen Schergen verwüstet. Mehr als die Hälfte aller Synagogen oder Gebetshäuser im Rheinland wurde stark beschädigt oder ganz zerstört. Juden und Jüdinnen wurden ermordet, gedemütigt, verhaftet und in den Suizid getrieben.

Gut die Hälfte aller Synagogen im Rheinland wurden verwüstet

Bis zum 13. November verloren deutschlandweit schätzungsweise 400 jüdische Mitbürger ihr Leben. Die Pogrome markieren den Übergang von der Diskriminierung der Juden seit 1933 hin zur systematischen Verfolgung, die in den Holocaust mündete.

„Viele unserer Gemeindeglieder damals beteiligten sich an diesen Verbrechen oder nahmen sie hin. Nur sehr wenige widerstanden“, konstatiert Pfarrer Thomas Rehrmann, Präses der evangelisch-reformierten Gemeinde. „Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.“ (Sprüche 31,8). Dieses widerständige Wort habe Dietrich Bonhoeffer bereits Jahre vor der Pogromnacht als klares Handlungskriterium an das evangelische Kirche-Sein geknüpft: „Wer weiß denn das heute noch in der Kirche, dass dies die mindeste Forderung der Bibel in solchen Zeiten ist?“, nennt Thomas Rehrmann ein weiteres Bonhoeffer-Zitat aus dem Jahr 1934.

Der Vertreter der Bekennenden Kirche war am 5. April 1943 verhaftet und zwei Jahre später auf Befehl von Adolf Hitler als einer der letzten NS-Gegner, die mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 in Verbindung gebracht wurden, hingerichtet worden. „Unser Gedenken an das Verbrechen des 9./10. November 1938 und an die Schrecken der Shoa verpflichtet uns, auch heute entschieden gegen alle Formen der Judenfeindschaft einzustehen. Daher danke ich für alles Engagement bei den Gedenkveranstaltungen in diesen Tagen und ermutige Sie: Treten Sie weiterhin ein für Begegnungen mit jüdischen Gemeinden in Ihrer Nachbarschaft. Es ist ein Segen, dass wir diese Gelegenheiten heute nach allem, was geschehen ist, wieder haben“, verbindet Thomas Rehrmann die Einladung zum Gedenken in der Stadtkirche auch mit Worten von Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.