100 Jahre Freude am Singen: Der Düsseldorfer Chorverband feiert

Jubiläum : 100 Jahre Freude am Singen: Der Düsseldorfer Chorverband feiert

Im Rosengarten des Stadtmuseums wurde am Samstag das Jubiläum begangen. Es ging auch um die Zukunft der Chöre.

Gemeinsam singen liegt im Trend. So scheint es zumindest, schaut man auf die unzähligen einschlägigen Veranstaltungsangebote, die in der letzten Zeit immer mehr Menschen ansprechen. Dabei hat Singen im Chor eine sehr lange Tradition und spricht mit seinen vielseitigen Ausprägungen alle Altersgruppen an. So auch am Samstagnachmittag im Rosengarten des Stadtmuseums. Dort feierte der Chorverband Düsseldorf sein großes Jubiläum. Vor 100 Jahren schlossen sich die Männerchöre der Stadt zu einem Verein zusammen, der später zum Chorverband wurde.

Damals stand das gemeinsame Liederschmettern hoch im Kurs. Die Arbeiterklasse hatte ihre Gesangsvereine ebenso wie das Bürgertum. „Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es die ersten Frauenchöre“, erinnert Gudrun Windmann, zweite Vorsitzende und Gleichstellungsbeauftragte des Chorverbandes an die Anfänge der rein weiblichen Gesangsgruppen, wie dem Frauenchor Hochdahl. „Die Männer waren im Krieg und die Frauen wollten nicht nur zuhause herumsitzen und nichts tun.“ Als die Ehemänner von der Front zurückkamen, führte dies zu den ersten gemischten Chören, nur die Hochdahlerinnen blieben standhaft. „Bis heute ist es ein reiner Frauenchor“, stellt Gudrun Windmann klar.

Beim Jubiläumsfest im Rosengarten zeigten elf von insgesamt 68 im Verband organisierten Chören die ganze Bandbreite ihres Könnens. Mit dabei war auch der Männerchor des japanischen Clubs Düsseldorf, der „das Altbierlied“ anstimmte. „Ihr Leiter Yoshiko Hara sagt, dass die beste Möglichkeit, eine Sprache zu lernen, das Singen ist“, schmunzelt Christel Paschke-Sander, Vorsitzende des Chorverbandes. Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen jenseits der 30 Grad war das Singen für die Männer und Frauen eine echte Herausforderung. Aber einmal auf der Bühne war die Anstrengung vergessen.

„Einige Männerchöre haben Nachwuchssorgen“, weiß Christel Paschke-Sander. Andere wiederum hätten regen Zulauf. „Ich denke, auch Chöre müssen mit der Zeit gehen“, ist sie überzeugt. Wie es klingt, wenn sich Gesangsgruppen neuen Herausforderungen stellen, zeigten unter anderem der Barbershopchor „Düssharmonie 1“ oder „Miss Harmony“, die Songs von Justin Bieber, Ed Sheeran oder Billy Joel und Freddy Mercury intonierten. Da war selbst Moderator Manes Meckenstock kurz versucht, mit einzustimmen.

Damit wären wir dann auch bei dem Thema, das vielen Bauchschmerzen bereitet, die vielleicht gerne Singen würden, aber lieber zuhause unter der Dusche singen als vor Publikum. „Manchen fehlt der Mut oder sie haben Bedenken, weil sie keine Noten lesen können. Aber dafür gibt es den Chorverband“, erklärt Christel Paschke-Sander.

Bislang sind 68 Chöre aus Düsseldorf und seit kurzem auch aus Duisburg im Chorverband organisiert. Von Gospel über Jazz bis hin zu Pop oder Gesangsnummern aus den 20er bis 50er Jahren ist so ziemlich alles an musikalischen Ausrichtungen vertreten. In jedem Stadtteil gibt es Gruppen, Ensembles und Chöre, die sich regelmäßig zu Proben treffen, einige davon treten auch öffentlich auf.

Der Chorverband schaut zuversichtlich in die Zukunft. „Die Begeisterung für die vielfach angebotenen Mitmachveranstaltungen zeigen, dass die Menschen das gemeinsame Singen wieder für sich entdecken“, bilanziert Christel Paschke-Sander zufrieden.

Eine Liste mit Kontaktadressen und Ansprechpartnern gibt es beim Düsseldorfer Chorverband unter

chorverband-duesseldorf.de

Noch bis zum 21. Juli ist im Stadtmuseum eine von Oliver Erdmann kuratierte Ausstellung zur Geschichte der Chöre in Deutschland am Beispiel des Chorverbandes Düsseldorf e. V. zu sehen.

duesseldorf.de/stadtmuseum

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