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Der Markplatz als Parkplatz

Der Markplatz als Parkplatz

Obwohl er von parkenden Autos dominiert wird, bietet der Markt dem Beobachter einige interessante Entdeckungen.

Burscheid. Vielleicht sollte er statt Marktplatz einfach nur Parkplatz heißen. Denn die Autos sind hier eindeutig in der Überzahl. Nur eine Frau, kurze graue Haare, Brille mit rotem Gestell, sitzt einsam auf der mittleren der drei Bänke und tippt auf ihr Handy. Das Gerät hält sie links, mit der rechten Hand drückte sie die Tasten, ab und zu neigt sie den Kopf ein wenig nach unten, dann schießt ihr Blick über den Rand der Brille auf das Display.

Dann wird es plötzlich lebhaft. Ein kleiner Junge, sieben, acht Jahre alt, kommt auf den Platz. In der Hand eine leere, zerdrückte Cola-Dosa. Er hockt sich neben den Obst- und Gemüseladen und sucht etwas auf dem Boden. Kurze Zeit später klappert seine Dose. Mit ein paar Steinen hat er sie zur Rassel umfunktioniert. Die Frau mit dem Handy schaut kurz und genervt auf.

Bequem sind sie zwar, die Bänke am Marktplatz. Aber der Blick fällt unweigerlich auf die vielen Autos, die dort abgestellt sind. Der Mensch auf der Bank guckt, die Autos gucken zurück. Tatsächlich haben sie teils recht lustige Gesichter. Ein grauer Toyota, leichte Glubschaugen, wirkt aufgeweckt, ein Saab verzieht sein dunkles Antlitz, als hätte er in etwas Saures gebissen. Der große, rote Chevrolet dagegen, ein Van, erinnert mit seiner feisten Schnauze an Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der sich wieder einmal aufregt. Über irgendetwas.

Die Frau mit dem Handy ist das Getippe offensichtlich leid. Jetzt telefoniert sie. Durch den Wind dringen einige unverständliche Gesprächsfetzen herüber. Lauter noch ist der Verkehr. Überhaupt, er ist hier allgegenwärtig.

Dumpf im Hintergrund tönt das Rauschen der Autos auf der Friedrich-Goetze-Straße. Dazu kommen die Fahrzeuge, die über die Hauptstraße am Markt vorbeikurven. Links von den Bänken, dahinter, überall tuckern und röhren Motoren. Auf dem Platz steigen Autofahrer aus und knallen mit ihren Türen. Bemerkenswerterweise riecht die Luft trotzdem nach Nichts.

Der kleine Junge hat seine Rassel in der Zwischenzeit aufgepeppt. Immer mehr Steine sind in den Schlund der leeren Dose gewandert, die jetzt beachtlich lauter klappert. Stolz läuft er mit ihr an der Scheibe des Lederwarengeschäftes vorbei, reckt sie immer mal wieder kurz in die Höhe.

Die Frau mit dem Handy muss gehen. Oder ist genervt. Sie steht auf, vorbei an den Burscheider Bäumen, jenen großen Plexiglas-Konstruktionen, die die Passanten vor Regen schützen sollen. Mittlerweile spenden sie auch Schatten, so verdreckt ist ihre Oberfläche. Äste liegen dort, an einigen Stellen wächst Moos.

Ein junger Mann kommt vorbei, eilt mit schnellen Schritten über den Platz. Sein Kleidungsstil ist gewagt — gelb-schwarz-weiß kariertes Hemd, dazu eine grün-schwarz-weiß karierte kurze Hose. Eine Passantin schaut ihm kurz irritiert hinterher. Dann setzt sie sich und ihren Einkaufstrolley wieder in Bewegung.

Nur der Junge mit der Dose ignoriert sie alle. Er sucht sich lieber noch ein paar neue Steine.